America’s Cup

Gerüchteküche: Bekommt Stars & Stripes ein Kiwi-Boot?

Das amerikanische Herausforderer-Team will angeblich das Trainingsboot der Neuseeländer kaufen. Die einen begeistert das, andere sind entsetzt

Lars Bolle am 28.07.2020
American Magic, America's Cup
Ryan Pelett

Herausforderer American Magic segelt erstmals vor Auckland

Gerade als der US-amerikanische Herausforderer "American Magic" seinen ersten Trainingsschlag auf dem Cup-Revier vor Neuseeland absolvierte, sorgte das zweite Team aus dem Land für Schlagzeilen.

Erster Probeschlag vor Auckland von American Magic

Stars & Stripes soll beim America’s-Cup-Schiedsgericht angefragt haben, ob es regelkonform sei, das erste Boot der Neuseeländer, "Te Aihe", zu kaufen. Darüber berichtete als einer der Ersten der Cup-Insider Tom Ehman.

Jedes Team darf für den kommenden Cup zwei Boote bauen, normalerweise ist das zweite eine Weiterentwicklung des ersten und diesem überlegen, höchstens noch als Ersatzboot bei Totalausfall zu gebrauchen, damit so gut wie wertlos.

Für "Stars & Stripes" jedoch könnte sich der Kauf als Coup erweisen. Das eigene Boot ist nur zur Hälfte gebaut, und sowohl zeitlich wie auch finanziell wird es knapp für das Team, an der Startlinie des Weihnachtsrennens ab 17. Dezember vor Auckland zu sein, einer Show-Regatta, die aber verpflichtend für die Teilnahme an der Ausscheidung der Herausforderer ab 15. Januar ist. Sollte das Team das neuseeländische Boot dafür kaufen oder leihen können, würde es noch etwas mehr Zeit für die Fertigstellung der eigenen Yacht gewinnen.

Doch die Möglichkeiten reichen noch weiter. Das Protokoll für den America’s Cup sieht vor, dass der Rumpf einer Herausfordereryacht im Land des jeweiligen Teams gebaut werden muss, in diesem Falle also in den USA.

Stars & Stripes hat bei der Konstruktion der eigenen Yacht jedoch auf Konstruktionsdaten der Neuseeländer zurückgegriffen, beide Boote gelten als Schwesterschiffe. Viel wichtiger als die Rümpfe, welche sich im Flug-Modus ohnehin nicht im Wasser befinden, sind die Foil-Anhänge und vor allem die Mechaniken und die Hydrauliken zu deren Bedienung. Die Amerikaner könnten also theoretisch das neuseeländische Boot ausschlachten und die Komponenten in ihr Boot einbauen, oder, anders herum, dem neuseeländischen Boot eine neue Hülle verpassen. Ob das regelkonform wäre, wird unterschiedlich gesehen. Auf jeden Fall wäre es ein bisher einmaliger Vorgang.

Entsprechend unterschiedlich sind die Reaktionen. Tom Ehmann finden den Vorgang "empörend", während der neuseeländische Cup-Insider Richard Gladwell dem Szenario durchaus Positives abgewinnen kann. Denn bei bisher nur drei Herausforderern wäre die Ausscheidungsserie, der Prada Cup, in dem der Gegner für den Verteidiger Team New Zealand ermittelt wird, deutlich weniger spannend, als wenn mit vier Teams gesegelt würde. Außerdem würde mehr Geld über Startgebühren an die neuseeländischen Veranstalter fließen.

Selbst für Team New Zealand könnte ein solches Geschäft Vorteile bringen. Würde Stars & Stripes mit dem ersten neuseeländischen Boot oder einer Schwesteryacht am Prada-Cup teilnehmen, ließe das Rückschlüsse darauf zu, wie wettbewerbsfähig die anderen Teams im Vergleich zu den Neuseeländern sind und würde diesen Zeit verschaffen, noch Änderungen vornehmen zu können. Denn einen wirklich aussagekräftigen Vergleich haben die Neuseeländer erst im eigentlichen Cup-Finale und könnten dort eine Überraschung erleben.

Auch finanziell könnte ein Verlauf dem Team New Zealand gerade recht kommen, war es doch zuletzt in die Schlagzeilen wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten geraten. Nach dem Cup jedenfalls sind die Boote so gut wie wertlos.

Wegen der möglichen Wettbewerbsvorteile ist es aber kaum wahrscheinlich, dass sich die drei Herausforderer einen solchen Coup von Stars & Stripes gefallen lassen werden. Aber es ist der America’s Cup, und es wäre nicht der erste Streit, der vor Gericht landet. Dieses hat seinen Sitz in New York, im Heimatland von Stars & Stripes.

Das neuseeländische Team kommentierte bisher nur, dass es noch keine Kaufverhandlungen gegeben habe.

Lars Bolle am 28.07.2020

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