Regatta
"Fantastico!": Italien fordert die Kiwis im America's Cup

Sir Ben Ainslies Briten sind geschlagen. Zum dritten Mal in der Geschichte des America's Cup zieht ein italienisches Team in ein Match um den America's Cup ein.

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 3 Monaten
Prada Cup 2021: das Finale Prada Cup 2021: das Finale Prada Cup 2021: das Finale

COR 36 | Studio Borlenghi Prada Cup 2021: das Finale

Champagner-Fontänen und strahlende Gesichter an Bord der schönen "Luna Rossa", Freudentränen im Gesicht von Teamchef Max Sirena: Dieser Sonntag stand ganz im Zeichen von Italiens America's-Cup-Jägern. Mit zwei weiteren Siegen hat sich das Luna Rossa Prada Pirelli Team im Herausforderer-Finale gegen Sir Ben Ainslies Ineos Team UK durchgesetzt. Patrizio Bertellis Rennstall gewann den Prada Cup mit 7:1 und zieht zum zweiten Mal nach 2000 ins 36. Duell um den America's Cup ein. Wie schon vor 21 Jahren treffen die Italiener auf Neuseelands Cup-Verteidiger. Damals unterlag die Prada Challenge den Kiwis mit 0:5. Dieses Mal soll es anders werden.

COR 36 | Studio Borlenghi Die Italiener feiern: Co-Steuermann Jimmy Spithill (l.) schöpft in dieser Szene aus dem Vollen, Skipper und Teamchef Max Sirena wird in Champagner gebadet

Die Live-Übertragung in der Wiederholung: Wie das italienische Luna Rossa Prada Pirelli Team das Herausforderer-Finale am Sonntag gewann

Die geschlagenen Briten konnten nach dominanter Vorrunde im Prada-Cup-Finale nicht mehr auf Augenhöhe mit den Azzurri agieren. Die offensichtliche Leichtwindschwäche ihrer "Britannia" erwies sich bei vornehmlich leichten bis hin und wieder mittleren Winden als zu hohe Hürde. Die italienischen Gegner demonstrierten mit zwei weiteren klaren Siegen auch am Finaltag noch einmal, dass sie das bessere Gesamtpaket für die Aufgabe geschnürt hatten. Dazu trug die exklusive Idee bei, mit zwei abwechselnd agierenden Steuermännern anzutreten: dem dreimaligen Olympiateilnehmer und multitalentierten italienischen Jollen- und Yacht-Segler Francesco Bruni aus Palermo und dem erfahrenen australischen Cup-Schwergewicht Jimmy Spithill aus Sydney. Teamchef Max Sirena sagte: "Beide sind sehr unterschiedlich, aber super talentiert. Sie sind wirklich gut, respektieren sich und treiben sich gegenseitig an. Das Gute ist: Das Team folgt ihnen. Das ist der Schlüssel zu diesem Erfolg."

COR 36 | Studio Borlenghi Mit der Champagnerflasche ebenso gut wie am Steuer der "Luna Rossa": Jimmy Spithill und das Luna Rossa Prada Pirelli Team feiern ihren Erfolg

COR 36 | Studio Borlenghi Bis auf seltene Ausnahmen ein Symbolbild für das beendete Prada-Cup-Finale: "Luna Rossa" vorweg, "Britannia" hinterher

Großbritanniens erfolgreichster Segler der Sportgeschichte und sein Team müssen nun bei dieser Auflage mit der Zuschauerbank vorlieb nehmen. Der viermalige Olympiasieger Sir Ben Ainslie, sein Stratege Giles Scott und das Ineos Team UK scheiterten zum zweiten Mal in Folge, kamen aber weiter als bei der Premiere 2017 und verwiesen auf ihre noch junge Teamgeschichte. Ainslie, der den America's Cup 2013 schon als Last-Minute-Held mit dem Oracle Team USA gewinnen konnte, will weiter um den historisch ersten britischen Cup-Sieg kämpfen. Nach dem Aus für sein Team sagte der 44-Jährige am Sonntag: "Wir wollten den Cup gewinnen, aber das ist uns nicht gelungen. Das ist eine riesige Enttäuschung. Es war großartig für unser Team, dass Jim (Red.: Rennstallbesitzer Jim Ratcliffe) gleich nach dem letzten Rennen als Erster an Bord kam. Es ist noch ein bisschen früh, aber ganz sicher hoffen wir, dass wir weitermachen können. Ich glaube nicht, dass die Geschichte schon zu Ende ist."

COR 36 | Studio Borlenghi Eine Fortsetzung der Geschichte seines britischen Teams im America's Cup konnte oder wollte Skipper Ainslie direkt nach dem Finale noch nicht versprechen. Die Hoffnung darauf vermittelte er durchaus…

Die britische Geschichte in diesem 36. Cup-Zyklus allerdings ist beendet. Auf die Frage, ob die Engländer möglicherweise den Italienern bei der Vorbereitung auf das Duell gegen Neuseeland als Sparringspartner auf dem Wasser zu Verfügung stehen würden, antwortete Ainslie: "Wir haben unseren Anteil beigetragen. Von jetzt an gilt: Möge das beste Team gewinnen." Welches das sein könnte – Italien oder Neuseeland –, wusste oder wollte Ainslie indes nicht öffentlich vermuten: "Aktuell wüsste ich nicht, auf welches der beiden Teams ich mein Geld setzen sollte."

COR 36 | Studio Borlenghi Jubelnd zurück in den Hafen: Italiens Prada-Cup-Sieger an Bord der schnellen "Luna Rossa"

Für Italiens Cup-Jäger war nach dem Rennen schon vor dem Rennen. 13 Tage bleiben ihnen, Boot und Team auf den Showdown ab 6. März vorzubereiten. Max Sirena sagte: "Wir müssen noch härter arbeiten und sehen, ob wir bei Team New Zealand einen schwachen Punkt finden, den wir attackieren können." Gefragt nach seiner Einschätzung des neuseeländischen Bootes, sagte Sirena weiter: "Sie haben ein sehr schönes Schiff in hübscher Farbe und sehen sehr schnell aus. Es ist immer schwer, das Leistungsvermögen eines anderen Bootes zu beurteilen. Sie sehen schnell aus und sind seit Dezember sicher noch schneller geworden. Lasst uns der Sache ins Gesicht sehen: Es ist, wie Jimmy und Checco (Red.: Spitzname von Francesco Bruni) schon gesagt haben. Wir sind viel gesegelt, und das könnte ein Vorteil sein. Sie aber sind nicht ohne Grund Verteidiger."

Was die Skipper, Steuerleute und Strategen nach dem Prada-Cup-Finale zu sagen hatten: Jimmy Spithill, Francesco Bruni, Max Sirena, Sir Ben Ainslie und Giles Scott bei der Pressekonferenz

Mit dem Einzug in das 36. Match um den America's Cup ab 6. März vor Auckland lassen die Italiener Millionen Fans in der Heimat zum insgesamt dritten Mal von der verschnörkelten Silberkanne träumen. Vor Patrizio Bertellis Angriff zur Jahrtausendwende war es 1992 Raul Gardinis "Il Moro di Venezia" mit Steuermann Francesco di Angelis und dem Brasilianer Torben Grael, die Italien mit dem Einzug ins Cup-Duell in einen kollektiven Freudentaumel versetzt hatten. Im Cup-Match selbst unterlag Gardinis Team später Bill Kochs US-Team 1:4. Sind nun aller guten italienischen Cup-Dinge drei, und können die Azzurri am neuseeländischen Thron rütteln oder die Kiwis gar von selbigem stoßen? Erfahrung hat Bertellis "Luna Rossa"-Rennstall beim sechsten Gipfelsturm reichlich. Unter "Luna Rossa"-Flagge und im Schein des "Roten Mondes" haben sich die Italiener nun zum zweiten Mal auf der exklusiven Liste von nur 36 Herausforderern eingetragen, die in der 170-jährigen Cup-Geschichte in einem Rennen um den America's Cup stehen. Was das alles im Duell mit den Kiwis wert sein wird, muss sich auf dem Wasser erweisen.

Nachtrag: Die beiden letzten und entscheidenden Rennen um den Prada Cup verliefen am Sonntag erneut deutlich zugunsten der Italiener. Rennen sieben gewann "Luna Rossa" mit einer Minute und 45 Sekunden Vorsprung, im finalen achten Rennen waren die Azzurri 56 Sekunden vor "Britannia" im Ziel. Davon konnte sie in Winden um zwölf Knoten dank überragender Geschwindigkeit auch ein Start-Penalty und überraschende Last-Minute-Manöver der Briten nicht abhalten. "Fantastico!", schrie Francesco Bruni nach dem Zieldurchgang in die Mikrofone. Dem britischen Skipper Ainslie blieb nichts als die faire Geste des Verlierers: "Gut gemacht, Luna Rossa. Gut gemacht, Italien. Es ist ein Riesendeal für Italien, erneut den America's Cup zu erreichen. Dafür unseren Glückwunsch an Jimmy, Checco und die Jungs. Sie sind brillant gesegelt und verdienen den Sieg in diesem Finale."


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Themen: America's CupBritanniaFrancesco BruniJimmy SpithillLuna RossaPatrizio BertelliPrada CupSegelnSir Ben Ainslie

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