36. America's Cup

Eine überbordende italienische Liebe

Sie waren nicht die ersten mit ihrer Taufe, wollen es aber am Ende des 36. America's Cup sein: Das Team Luna Rossa Prada Pirelli hat seine neue Yacht getauft

Tatjana Pokorny am 03.10.2019
Taufe "Luna Rossa"
Luna Rossa Prada Pirelli Team

Dass sie nicht zum ersten Mal Taufpatin bei einem großen Anlass war, merkte man Miuccia Pradas beherztem Schlag an: Hier der Moment, in dem Patrizio Bertellis Ehefrau "Luna Rossa" tauft

Nach den neuseeländischen America's-Cup-Verteidigern vom Emirates Team New Zealand und dem US-Team American Magic hat nun auch der italienische "Challenger of Record" seine erste neue Yacht für den 36. America's-Cup-Zyklus vorgestellt. In Cagliari wurde "Luna Rossa" (dt.: "Roter Mond") am Mittwoch von Miuccia Prada mit einer Flasche Ferrari Maximum Blanc de Blancs getauft. Die Ehefrau von Team-Präsident Patrizio Bertelli ließ die Flasche beherzt und im ersten Versuch auf dem Bug des innovativen fliegenden Einrumpfers zerbersten, nachdem Arrigo Miglio, Erzbischof von Cagliari, das Boot gesegnet hatte. Für den passionierten Cup-Jäger Patrizio Bertelli markiert die Kampagne nach fünf vergeblichen Versuchen bereits den sechsten Gipfelsturm. Damit hat der Italiener sogar den legendären Briten Sir Thomas Lipton überflügelt, der die amerikanischen Verteidiger mit seinen Yachten namens "Shamrock" zwischen 1899 und 1930 fünfmal vergeblich herausforderte, als einer der fairsten Verlierer in die Cup-Geschichte einging und seinen Tee auch mithilfe des Segelsports weltberühmt machte. Vielleicht bringt Patrizio Bertelli nun seine Beharrlichkeit den Erfolg?

Miuccia Prada lässt die Flasche mit Kraft auf dem Bug zerbersten, und die Gäste feiern das neue Boot mit dem Team Luna Rossa Prada Pirelli

"Dieser Cup wird alles für uns sein"

Taufe "Luna Rossa"

Am Mittwoch in Cagliari DAS Fotoobjekt der Begierde aller Taufgäste: die neue "Luna Rossa"

Die italienische Ouvertüre zu den Regatten der Weltserie 2020, der Herausfordererserie 2021 und dem 36. Duell um den America's Cup vom 6. bis zum 21. März 2021 adelte am Mittwoch auch Italiens Premierminister Giuseppe Conte, der sich gegen Ende der Zeremonie von seinen segelnden Landsleuten noch das Team-Hauptquartier und die Yacht zeigen und erklären ließ. "Luna Rossa"-Skipper Max Sirena hatte schon vor der Taufe deutliche Worte an die Mannschaft und die segelbegeisterte Öffentlichkeit gerichtet: "Lasst mich eines für jedermann und insbesondere für die Neuen in unserem Team klarstellen: Dieser Cup ist kein Versuch. Er ist kein Testlauf für zukünftige Rennen. Dieser Cup wird jetzt gewonnen. Dieser Cup wird unsere Grenzen verschieben. Dieser Cup wird unsere Obsession und unser Kurs sein. Dieser Cup wird unser größter Traum und unser schlimmster Alptraum sein. Dieser Cup wird alles für uns sein, unser Tag, unsere Nacht – unser Hier und unser Jetzt. Wir sind Luna Rossa. Und wir sind Herausforderer. Für den Moment."

78.000 Arbeitsstunden stecken in "Luna Rossa"

Taufe "Luna Rossa"

"Luna Rossa" auf dem Weg in ihr Element

LVC - HF - R4

Ein nachdenklicher Patrizio Bertelli: Gelingt ihm der Cup-Coup im sechsten Anlauf?

Die neue Cup-Yacht zog wie schon die Konkurrenz-Boote bei den vorangegangenen Premieren viel internationale Aufmerksamkeit auf sich. "Luna Rossa" wurde auf der Persico-Werft gebaut. 90 Menschen waren an ihrer Konstruktion beteiligt, darunter 37 Designer des Teams. Der Bau hat fast zwei Jahre gedauert und rund 78.000 Arbeitsstunden verschlungen. Der Rumpf entstand aus 7000 Quadratmetern Kohlefaser und 400 Quadratmetern mit Aluminium verstärkter Wabenstruktur. Die beiden Foil-Arme wiegen jeweils 500 Kilogramm und sind für Lasten bis 27 Tonnen ausgelegt. Die erste Regatta steht für die neue "Luna Rossa" wie auch für die Boliden der Rivalen mit dem Start der America's-Cup-Weltserie ab 23. April im Heimatrevier vor Cagliari an.

Der 73-jährige Team-Präsident Patrizio Bertelli sagte bei der Präsentation auf Sardinien: "Das hier ist unsere sechste America's-Cup-Herausforderung, aber der Tag der Taufe ist so aufregend wie immer: Es ist der magische Moment, der die vielen Monate der Arbeit, der Hingabe und der Erwartung dessen, was bislang nur ein Design war und nun endlich auf dem Wasser zum Einsatz kommt. Dieses Mal sorgt die revolutionäre und innovative Art des insgesamt neu interpretierten Einrumpf-Konzepts dafür, dass die Erwartungen sogar noch höher sind."

Taufe "Luna Rossa"

"Luna Rossa"-Skipper Max Sirena

Team-Direktor und Skipper Max Sirena unterstrich die Worte seines Chefs: "Wir können es kaum erwarten, uns mit dem AC75 vertraut zu machen. Es ist ein Boot, das kaum das Wasser berühren wird, was uns Höchstgeschwindigkeiten ermöglicht. Wir haben viel Arbeit in die Übergangsphase zwischen der Zeit, in der der Rumpf sich komplett im Wasser befindet, und der Flugphase gesteckt; diese Balance ist nicht leicht zu finden. Wir werden diese Arbeit in der anstehenden Entwicklungsphase fortsetzen."

Miuccia Prada begeistert die Fans

Für Beobachter in Cagliari war schnell klar, dass es sich bei dem italienischen Entwurf um eine wieder andere Interpretation des Regelwerks handelt als die der Gegner. Der Bug erinnerte einige Experten sogar ein wenig an jene aus der Zeit der International America's Cup Class (IACC). Die Heckansicht weist Vertiefungen auf. Die Yacht scheint eine Art Kiel zu haben, der vor dem Ruder in ein Skeg mündet. Detailliertere technische Analysen werden nicht lange auf sich warten lassen.

Taufe "Luna Rossa"

Italiens Premierminister Giuseppe Conti besuchte das Team Luna Rossa Prada Pirelli anlässlich der Taufe der neuen "Luna Rossa" in Cagliari. Skipper Max Sirena erklärt das Boot, Team-Präsident Patrizio Bertelli und seine Frau Miuccia Prada sind links im Bild zu sehen

In den sozialen Netzwerken überschlugen sich die Kommentare am Abend. Die italienischen Fans lobten vor allem Miuccias Pradas gelungene Handarbeit bei der Taufe. Andere Teams nutzen bei großen Anlässen mitunter eigens angefertigte Tauf-Vorrichtungen mit Flaschenhalter, die jedoch nicht immer funktionieren. Man erinnere sich an die im letzten Cup-Zyklus nicht ganz perfekte Taufe von Sir Ben Ainslies neuer Cup-Yacht "Rita" vor zweieinhalb Jahren. Das wollen die Briten dieses Mal besser machen. Zeigen können sie das bei der Taufe ihrer neuen Cup-Yacht am Freitagvormittag (4. Oktober) in ihrem Hauptquartier in Plymouth.

Taufe "Luna Rossa"

Das Team Luna Rossa Prada Pirelli hat nichts weniger vor, als den America's Cup endlich nach Italien zu holen

Tatjana Pokorny am 03.10.2019

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