America's Cup

Down Under obenauf: Olympia-Duell im Herausforderer-Finale

Das SoftBank Team Japan ist geschlagen. Im Herausforderer-Finale treffen mit Artemis und Neuseeland zwei Dauer-Rivalen aus Neuseeland und Australien aufeinander

Tatjana Pokorny am 09.06.2017
35. America's Cup
ACEA 2017/Gilles Martin-Raget
35. America's Cup

Artemis-Steuermann Nathan Outteridge

Peter Burling

Neuseelands Steuermann Peter Burling

2012 schon haben sich Peter Burling und Nathan Outteridge im olympischen 49er-Finale duelliert. Damals setzte sich der heute 31 Jahre alte Australier Nathan Outteridge mit seinem Vorschoter Iain Jensen gegen den fünf Jahre jüngeren Neuseeländer Peter Burling mit Blair Tuke aus Neuseeland durch. Vier Jahre später kommt es bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erneut zum Duell zwischen den beiden Crews aus Down Under. Dieses Mal setzt sich der jüngere Burling gegen Outteridge durch. Und wie! Das Gold ist den Neuseeländern schon vor dem Finale, in dem die Berliner Erik Heil und Thomas Plößel zu Bronze segelten, nicht mehr zu nehmen. 

35. America's Cup

Überglücklich über den Einzug in das Finale der Challenger Playoffs: Torbjörn Törnqvist und sein Teamchef Iain Percy

Die Situation erinnert an das aktuelle Szenario im America's Cup. Nach dem Sieg von Artemis Racing über Dean Barkers SoftBank Team Japan kommt es schon ab Samstagabend im Finale der Challenger Playoffs wieder zum Gipfeltreffen zwischen Burling und Outteridge. Während Burling und das Emirates Team New Zealand schon am Vortag die gefallenen Cup-Co-Favoriten vom Team Land Rover BAR mit 5:2 trotz Kenterung souverän nach Hause geschickt hatten, benötigte Outteridges schwedisches Team Artemis Racing einen Tag mehr, um das japanische SoftBank Team Japan mit 5:3 aus dem Rennen zu werfen.

Die Pressekonferenzen des Unterlegenen und des Gewinners. Beide Steuerleute lassen ihre Cup-Kampagne kurz Revue passieren. Und Nathan Outteridge schickt ein paar "Botschaften" an die Kiwis

Damit startet Burling schon mit mindestens zwei Vorteilen in das Duell mit Outteridge: Er hat das bislang schnellste Boot aller Herausforderer und mit 48 Stunden Vorbereitungszeit auf das Finale 24 Stunden mehr als Outteridge und die Schweden. Die Skandinavier hatten sich in ihrem Halbfinal-Duell mit den "Barker Boys" unter japanischer Flagge vor allem am stürmischen Mittwoch schwer getan, als ihr Cup-Bolide mit permanent brechenden und umherfliegenden Ausrüstungsteilen wirkte, als würde er gleich auseinanderfallen. Im "Demolition Derby" waren ihnen die grundsolide und teilweise brillant agierenden Japaner überlegen und zogen bis auf 3:1 davon. Bei weniger starken Winden allerdings war es den Schweden am Donnerstag gelungen, das Blatt mit drei Siegen in Folge zu wenden. So gingen sie am Freitag mit 4:3 und einem Matchpunkt ins Duell mit dem SoftBank Team Japan, das in der entscheidenden achten Begegnung wieder einmal besser startete.

35. America's Cup

Freude an Bord der "Magic Blue"

Matchracer Dean Barker hat das Timing in der Startphase besser drauf. Allerdings nützt ihm das nichts, denn sein Team begeht schon kurz nach der Rundung der ersten Marke den ersten, wenn auch noch nicht entscheidenden Fehler, indem es die Marke zu weiträumig rundet, während die Schweden sie so scharf nehmen, dass sie die Japaner schon kurze Zeit später erstmals angreifen können. Die Japaner verteidigen ihre knappe Führung zunächst nach allen Regeln der Matchrace-Kunst. Doch auf dem dritten von sieben Kursabschnitten begehen die Japaner dann ihren entscheidenden, nicht mehr gutzumachenden Fehler. Unter Dauer-Attacke der Schweden und in böigen Winden verpatzen Barker und seine Crew eine Wende gründlichst – so sehr, dass sie von den Foils fallen, extrem verlangsamen und für Outteridge, seinen gewieften Taktiker Iain Percy und die Artemis-Crew zur leichten Beute werden. Die Schweden greifen erneut an, lassen die Japaner stehen und ziehen vorbei. Danach geht nichts mehr für das SoftBank Team Japan, obwohl auf dem Weg zum letzten Gate vor dem Zielsprint noch einmal kurz Hoffnung aufkommt, als die Schweden ihrerseits ein Manöver verpatzen und extrem langsam werden. Sie kommen allerdings schnell genug wieder auf die Foils, um den nahenden Japanern noch weiter davonzueilen. Mit 13 Sekunden Rückstand im Ziel endet der sechste America's-Cup-Einsatz des 44-jährigen Dean Barker und die Premiere des SoftBank Team Japan, das unglücklich in den entscheidenden Tag gestartet war: Auf dem Weg zum Regattakurs war der japanische Katamaran mit etwas kollidiert. Weil etwa 45 Minuten vor dem Start keine Zeit mehr zur Rückkehr in den Hafen war, mussten Taucher die Foils untersuchen. Dadurch konnte sich das Team nicht einsegeln und mit dem Kurs und seinen Bedingungen an diesem Tag vertraut machen. "Das hat uns nicht geholfen", sagte Barker.

35. America's Cup

Nichts wie hinterher: Die Japaner jagen Artemis, müssen sich aber am Ende des Duells geschlagen geben

Nicht nur Experten zollen dem so unglücklichen Verlierer der vergangenen Cup-Auflage, der 2013 mit den Neuseeländern schon 8:1 führte, um dann noch 8:9 gegen das Oracle Team zu verlieren – dennoch höchsten Respekt für die Leistungen mit dem erst vor zwei Jahren gegründeten japanischen Team. Barker wurde mit fast emotionalem Applaus von seiner letzten Pressekonferenz im 35. America's Cup verabschiedet. Er selbst sagte: "Im Moment verspüre ich große Enttäuschung! Aber zugleich bin ich sehr stolz darauf, was wir als neues Team binnen zwei Jahren geschafft haben. Wir haben mit nichts begonnen, und es war die erste japanische Herausforderung seit 17 Jahren. Ich hoffe sehr, dass dieses Team im 36. America's Cup weitermachen kann.

35. America's Cup

War es sein letzter Cup, oder kommt er noch einmal zurück? Dean Barker hat mit seinem Last-Minute-Team aus Japan durchaus beeindrucken können

35. America's Cup

Der Verlauf des entscheidenden achten Duells zwischen Artemis und dem SoftBank Team Japan

35. America's Cup

Das Endergebnis der Halbfinalbegegnungen in den Challenger Playoffs

35. America's Cup

Nathan Outteridge (Australien) steuerte Artemis Racing ins Finale der Challenger Playoffs

Einen Ausblick auf das bereits am Samstag beginnende Finale der Herausforderer gab Artemis-Steuermann Nathan Outteridge: "Wenn wir unser Boot ans Limit bringen können, dann werden wir unglaubliche Rennen erleben." Auf die Frage, was er beim Gedanken an die Fortsetzung des Duells mit seinem Dauer-Rivalen Peter Burling empfinde, sagte Outteridge: "Es mag sein, dass darauf geschaut wird. Doch dieses Finale ist so viel mehr! Hier treten zwei gut finanzierte Teams Kopf an Kopf gegeneinander an. Ich denke, dass beide Teams recht ausgeglichen sind. Wir haben unglaubliche Segler an Bord. Eine unserer Stärken ist die Kommunikation. Iain (Red.: Iain Percy, Doppel-Olympiasieger, Taktiker, Sportchef) hat eine tolle Rede ans Team gehalten, als wir 1:3 gegen SoftBank zurücklagen. Es ging darum, dass wir uns wieder aufs Segeln besinnen und unserem Gefühl trauen."

Tatjana Pokorny am 09.06.2017

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