America's Cup

Die Gladiatoren in der Arena: Ein Quintett jagt Oracle

Die Steckbriefe der Teams im 35. America's Cup mit Hauptfiguren, Kampagnen-Bossen, Clubs, Budgets und mehr. AKTUELL: Der Auftakt verschiebt sich auf Samstag!

Tatjana Pokorny am 25.05.2017
35. America's Cup
ACEA/Gilles Martin-Raget

Die Ausgangslage ist klar: Larry Ellisons Oracle Team USA will den America's Cup zum dritten Mal in Folge und als amerikanisches Team zum 30. Mal insgesamt gewinnen. Die fünf Herausforderer dieser Auflage wollen das um jeden Preis verhindern verhindern und selbst Hand an die begehrte Silberkanne legen. YACHT online stellt die sechs Mannschaften vor, die den 35. America's Cup prägen werden – jede auf ihre Weise. Am Ende wird das alte Cup-Motto bleiben: Es gibt keinen Zweiten!

War war, was ist und was kommt: Die Vorschau auf den 35. America's Cup blickt in die Historie der wichtigsten internationalen Segelregatta zurück und zeigt gleichzeitig, was die Fans ab morgen erwartet

Was die Skipper kurz vor dem Start über ihre Ziele und Erwartungen zu sagen haben

Aktualisierung, 25. Mai, 21.50 Uhr: Soeben haben die Veranstalter die Verschiebung des ersten Renntages auf Samstag bekannt gegeben. Starke Winde machen die ursprünglich für Freitag geplanten ersten Starts und die Eröffnungsfeier unmöglich.

35. America's Cup

Selbstbewusster Titelverteidiger: Jimmy Spithill (Oracle Team USA) steuert seinen dritten Cup-Sieg in Folge an

ORACLE TEAM USA

Die Verteidiger sind technologisch, seglerisch, finanziell und – nach dem Jahrhundert-Comeback bei der vergangenen Auflage – auch psychologisch bestens gerüstet. Der 37-jährige Steuermann James "Jimmy" Spithill steuert auf dem US-Kat "17" seinen dritten Cup-Triumph in Folge an. Seine Spitznamen wie "Spitfire" oder "Pitbull" hat er sich mit dem ihm eigenen forschen Angriffsstil verdient. Der Vater von zwei Kindern trainierte schon mit den Navy Seals, flog mit den Blue Angels, hat selbst eine Pilotenlizenz, liebt den Boxsport und kennt als Weltsegler 2014 nur ein Ziel: die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports zum dritten Mal gewinnen. Sein Taktiker und Stratege ist der 32-jährige Australier Tom Slingsby. Generalmanager des Oracle Team USA der Australier Grant Simmer. Aufgrund der sehr australisch geprägten Kampagne wird sie in Seglerkreisen auch "Oracle Team AUS" genannt. Rennstallbesitzer Larry Ellison gründete das Team im Jahr 2000. Unter amerikanischer Flagge startet die Crew für den San Francisco Yacht Club und operiert mit einem geschätzten Budget von rund 100 Millionen Euro. Das Oracle Team USA ist Favorit der Buchmacher und vieler Experten.

Vorherige Cup-Starts des Teams: 3

Gesamtzahl AC-Einsätze der Segel-Crew (Top 6): 12

Durchschnittsalter der Segel-Crew (Top 6): 32 Jahre

35. America's Cup

Das Oracle Team USA im Einsatz vor Bermuda

Gesamtzahl Segler im Team: 14

35. America's Cup

2013 hatte er den Red Bull Youth America's Cup als Steuermann für Neuseeland gewonnen, jetzt ist 49er-Olympiasieger und Motten-Weltmeister Peter Burling der neue Mann am Steuer für das Emirates Team New Zealand

EMIRATES TEAM NEW ZEALAND

Die zweimaligen Cup-Gewinner (1995, 2000) haben sich für die 35. Auflage nicht nur drastisch verjüngt und neu erfunden. Sie machen auch so einiges ganz anders als die anderen Teams. Glenn Ashby ist der einzige Skipper, der vor Bermuda nicht selbst am Steuer steht, sondern mit seiner großen Foiling-Erfahrung den Segeflügel trimmt. Das Steuern überlässt er Überflieger Peter Burling, der mit 17 seine erste olympische Silbermedaille gewann und in Rio mit seinem 49er-Vorschoter zum Olympiasieg segelte. Burling gilt als der neue "Russell Coutts", als Jahrhundert-Talent mit starken Nerven. Im Gegensatz zu anderen Mannschaften kontrolliert Burling die Anstellung der Foils nicht selbst. Diesen Job als "Flug-Kontrolleur" übernimmt Blair Tuke, der gleichzeitig zu den Radfahrern gehört, die auf dem neuseeländischen Boot statt der herkömmlichen Grinder die Kraft erzeugen. Geblieben ist auch für die 35. Auflage Teamchef Grant Dalton, der nach dem Fiasko im 34. America's Cup geblieben war: "Es war so brutal, dass man nie darüber hinweg kommt. Aber: Das kann es noch nicht gewesen sein." Nicht nur bei den Buchmachern gilt das 1993 gegründete Kiwi-Team mit seiner "Aotearoa" (dt.: Land der langen weißen Wolke) als stärkster Herausforderer.

Vorherige Cup-Starts des Teams: 5

Gesamtzahl AC-Einsätze der Segel-Crew (Top 6): 6

Durchschnittsalter der Segel-Crew (Top 6): 32 Jahre

35. America's Cup

Das Emirates Team New Zealand setzt auf Pedalantrieb und ein junges Team mit Olympiasiegern und Foiling-Stars

Gesamtzahl Segler im Team: 12

35. America's Cup

Sir Ben Ainslie (Land Rover BAR) will den America's Cup in sein Mutterland zurückholen

LAND ROVER BAR

Prinzipiell mangelt es den Briten an nichts. Angeführt werden sie von Sir Ben Ainslie, dem mit vier Goldmedaillen erfolgreichsten Olympiasegler der Sportgeschichte. Das Traum-Budget liegt bei geschätzten 100 Millionen Euro. Damit agiert die Mannschaft finanziell mit dem Oracle Team USA auf Augenhöhe und genießt die Unterstützung klügster Design-Köpfe. Mit dem ehemaligen McLaren-Manager Martin Whitmarsh konnte Ainslie eine charismatische Führungsfigur für seine Kampagne gewinnen. Der 58-Jährige gilt als visionärer Antreiber mit hervorragenden Kontakten in die britischen Technologie- und Formel-1-Schmieden. Als Team sehr englisch geprägt, wollen Sir Ben und seine Mitstreiter die Silberkanne im Namen der legendären Royal Yacht Squadron in ihr Mutterland zurückholen. Großbritannien konnte den America's Cup in 166 Jahren nicht gewinnen. Das soll sich bei der 34. Auflage ändern. In den Trainingsrennen der letzten Wochen wirkten die Briten, die als neu formiertes Team erstmals nach dem Cup greifen, aber noch nicht dominant und verschuldeten in der vergangenen Woche gar einen Crash mit den Neuseeländern. Ob Ainslies Katamaran "Rita" ein Speed-Problem oder ihr Team nur gut gepokert hat, wird sich ab 26. Mai in den ersten Duellen schnell zeigen.

Vorherige Cup-Starts des Teams: 0

Gesamtzahl AC-Einsätze der Segel-Crew (Top 6): 12

Durchschnittsalter der Segel-Crew (Top 6): 36 Jahre

35. America's Cup

Viel Bewegung an Bord von "Rita": Land Rover BAR mit Skipper Sir Ben Ainslie (M.) und Taktiker Giles Scott (r.)

Gesamtzahl Segler im Team: 13

35. America's Cup

Artemis-Steuermann Nathan Outteridge (Australien)

ARTEMIS RACING

Das Überraschungs-Team der letzten Monate heißt Artemis Racing. Die "Magic Blue" der Mannschaft unter schwedischer Flagge hat in den Trainingsrennen mit starken Auftritten, vielen Siegen und souveränem Handling Fachwelt und Fans beeindruckt. Das Trauma der letzten Auflage, bei der Artemis-Segler und Olympiasieger Andrew "Bart" Simpson in Folge einer Kenterung im Training ertrunken war, scheint überwunden. Foiling-Meister und Olympiasieger Nathan Outteridge steuert das Boot mit sehr viel Erfahrung. Der Australier hatte nach einem Autounfall 2005 das Gehen und das Segeln wieder neu lernen müssen. Sieben Jahre später gewann er 2012 vor Weymouth Gold im 49er. Ihm zur Seite steht mit Team-Manager Iain Percy ein herausragender Teamplayer mit großem taktischen Können, hoher Intelligenz und viel britischem Humor. Das 2006 vom schwedischen Industriellen Torbjörn Törnqvist gegründete Team hat – so sieht es bislang aus – seine technologischen Hausaufgaben ordentlich gemacht. Mit einem guten Budget jenseit der 50 Millionen Euro-Grenze operiert das schwedische Team auf angenehmem Niveau. Artemis Racing wurde 2006 gegründet und startet für den Kungliga Svenska Segel Sällskapet.

Vorherige Cup-Starts des Teams: 1

Gesamtzahl AC-Einsätze der Segel-Crew (Top 6): 7

Durchschnittsalter der Segel-Crew (Top 6): 34 Jahre

35. America's Cup

Outteridge am Steuer, Ex-49er-Vorschoter und Olympiagold-Partner Ian Jensen links daneben und Taktiker Iain Percy davor: Die Afterguard von Artemis Racing hat addiert sieben olympische Medaillen gewonnen

Gesamtzahl Segler im Team: 12

35. America's Cup

SoftBanks CEO, Skipper und Steuermann: Dean Barker

SOFTBANK TEAM JAPAN

Die japanische Kampagne wurde erst 2015 gegründet und will mit ihrem Katamaran "Hikari (dt.: Blitzlicht) für den Kansai Yacht Club punkten. CEO, Skipper und Steuermann ist mit dem Neuseeländer Dean Barker die tragische Figur der letzten Cup-Auflage. Barker hatte im 34. Cup-Duell bei 8:1-Führung gegen Oracle acht Matchpunkte vergeben und musste sich den Amerikanern schließlich unter Tränen mit 8:9 geschlagen geben. Anschließend wurde der heute 44-Jährige von seinem Team degradiert und zog die Konsequenz, indem er die Mannschaft verließ. Den Anschluss-Job besorgte ihm Russell Coutts, der dem jungen Barker schon vor 17 Jahren das Steuer überlassen hatte, als die Kiwis ihrem zweiten Cup-Sieg entgegen segelten. Für den vierfachen Vater Dean Barker ist es vermutlich die letzte Chance, noch einmal um den Cup seines Lebens zu kämpfen. Sein SoftBank Team Japan wird in Seglerkreisen aufgrund der Technologie-Partnerschaft mit den Amerikanern auch "Mini-Oracle" genannt. Bekanntester japanischer Segler an Bord und Team-Manager ist Kazuhiko Sofuko. Das Team operiert mit geschätzten 40 Millionen Euro und setzt auf eine weitgehend neuseeländisch geprägte Kern-Crew.

Vorherige Cup-Starts des Teams: 0

Gesamtzahl AC-Einsätze der Segel-Crew (Top 6): 18

Durchschnittsalter der Segel-Crew (Top 6): 42 Jahre

35. America's Cup

Das SoftBank Team Japan gilt aufgrund der Technologie-Partnerschaft mit den Titelverteidigern als "Mini-Oracle", sollte aber nicht unterschätzt werden

Gesamtzahl Segler im Team: 11

35. America's Cup

Kampflustig, unerschrocken und kreativ: Franck Cammas führt das Groupama Team France in die Herausforderer-Qualifikation zum 35. America's Cup

GROUPAMA TEAM FRANCE

Der David unter den Goliaths und wie die Japaner als Team erst 2015 gegründet: Das Groupama Team France und sein gleichnamiger Katamaran gelten nicht nur bei den Buchmachern als krasser Außenseiter. Das kleinste Budget von rund 20 Millionen Euro setzt den Möglichkeiten der kreativen Franzosen natürliche Grenzen. Dennoch haben Skipper Franck Cammas, Volvo-Ocean-Race-Sieger, zweimaliger Weltmeister in der Katamaran-Class-C und seglerischer Tausendsassa, und sein Team einige interessante Asse im Ärmel. Eines davon ist der deutsche "Foil-Guru" Martin Fischer. Der 1962 im niedersächsischen Celle geborene Design-Koordinator der Franzosen konstruiert seit 2011 Foils (A-Class, Flying Phantom, GC32) und zählt international zu den renommiertesten Experten im "fliegenden" Segel-Business. Die Franzosen gelten zwar als krasse Außenseiter, haben aber das Zeug dazu, dem einem oder anderen Gegner ein Bein zu stellen. Ihr Erreichen der Challenger Playoffs käme jedoch einer kleinen Sensation gleich.

Vorherige Cup-Starts des Teams: 0

esamtzahl AC-Einsätze der Segel-Crew (Top 6): 4

Durchschnittsalter der Segel-Crew (Top 6): 39 Jahre

Gesamtzahl Segler im Team: 9

35. America's Cup

Bleu-Blanc-Rouge: Das Groupama Team France startet unter französischer Flagge

Tatjana Pokorny am 25.05.2017

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online