Regatta
"Der America's Cup ist unser Licht am Ende des Tunnels"

Auch im America's Cup ist in Corona-Zeiten nichts mehr, wie es war: Die Teams müssen ihre Boote ohne Regatta-Praxis entwickeln. Ein Überblick

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor einem Jahr
"Britannia" im Trainingseinsatz "Britannia" im Trainingseinsatz "Britannia" im Trainingseinsatz

Ineos Team UK "Britannia" im Trainingseinsatz

"Wenn die Zeit kommt und die Teams ihre Operationszentralen in Auckland sicher einrichten können, dann würde ich hoffen, dass der America's Cup zum Leuchtfeuer der Hoffnung am Horizont wird." So emotional äußerte sich jüngst "American Magic"-Skipper Terry Hutchinson zur Cup-Perspektive in Corona-Zeiten. Etwas anderes als die fragile Hoffnung darauf, dass nach dem Ausfall aller bislang geplanten Vorregatten bis Dezember zumindest das Vorspiel in Auckland, die Herausfordererserie (Prada Cup) und der 36. America's Cup presented by Prada stattfinden können, bleibt Seglern, Technikern, Partnern und Fans momentan nicht.

American Magic "American Magic"-Skipper Terry Hutchinson

Hutchinsons amerikanisches Team hat seit Mitte März weder mit dem Testboot noch mit der AC75-Yacht "Defiant" gesegelt. Ein genaues Datum für die Wiederaufnahme des Trainings mit der Cup-Yacht steht noch nicht fest. Währenddessen treibt das Team vom New York Yacht Club den Bau seiner zweiten Cup-Yacht in Rhode Island voran – eine schwere Aufgabe ohne die Regatta-Erkenntnisse, die alle Mannschaften so dringend für die Entwicklung ihrer futuristischen Geschosse der neuen anspruchsvollen AC75-Klasse benötigt hätten. Die Entsendung dieses zweiten Bootes nach Auckland ist für Ende August geplant. Sollte die Reise per Schiff erfolgen, wird sie etwa einen Monat dauern.

Das italienische Luna Rossa Prada Pirelli Team hat inzwischen den gebrochenen Bugspriet seiner ersten Cup-Yacht repariert und zuletzt elektrische Motoren an Bord von "Luna Rossa" eingebaut, die anstelle der Grinder arbeiten. Auf diese Weise können die Italiener ihr Wassertraining auch unter Einhaltung der Abstandsregeln wieder aufnehmen. Auch Sir Ben Ainslies britisches Ineos Team UK muss seit der eiligen Rückkehr aus Cagliari auf den Wassereinsatz verzichten, testet intensiv im AC75-Simulator. Der viermalige Olympiasieger Ainslie sagt: "In Zeiten wie diesen brauchen wir alle ein Licht am Ende des Tunnels. Für uns ist es der America's Cup."

SailGP Sir Ben Ainslie – hier nach dem Sieg seines Teams bei der SailGP-Regatta in Sydney. Es war einer der letzten segelsportlichen Höhepunkte in diesem Jahr, bevor die Corona-Pandemie den internationalen Regattasport für viele Monate zum Erliegen brachte

American Magic Die amerikanische "Defiant" – zurzeit an Land

Bereits wieder im Einsatz sind die Cup-Verteidiger aus Neuseeland. Die Kiwis trainieren und testen seit dem 28. April mit ihrem Zwölf-Meter-Testboot Te Kāhu, weil Cup-Yacht Nummer 1 noch nicht vom Transport nach Italien zurück ist. Die Mannschaft um Teamchef Grant Dalton hat auch den Bau ihrer zweiten Cup-Yacht wieder aufgenommen.

Die jüngste Nachricht aus Cup-Kreisen kam zum Wochenende: Der Australier Iain Murray wurde als neuer Regatta-Direktor für die Herausfordererserie Prada Cup und das 36. Duell um die Silberkanne vorgestellt, übernimmt die seit Ende 2019 vakante Position, die durch den Rücktritt seines Vorgängers John Craig entstanden war. Mit Murray haben die Cup-Organisatoren die Schlüsselposition mit einem internationalen "Schwergewicht" der Szene besetzen können. Der Australier genießt viel Anerkennung in den verschiedenen Lagern. Für den Mann aus Sydney wird es der dritte Einsatz in dieser Position sein. Zuvor hatte er dem America's Cup seit 1983 auch als Skipper und Designer seinen Stempel in unterschiedlichsten Positionen aufgedrückt. Den ersten eigenen Cup-Einsatz erlebte er 1983 auf der Zwölf-Meter-Yacht "Advance", bevor er 1987 mit "Kookaburra" die australische Verteidiger-Ausscheidung gewann, die im Cup selbst von Dennis Conners "Stars & Stripes" besiegt worden war. Murray war auch an Bord der "One Australia", als die im America's Cup 1995 auf dramatische Weise mittig brach und sank. Bei den Olympischen Spielen 2008 war Murray vor Qingdao im Starboot mit Andrew Palfrey auf Platz acht. Mit Murray assoziiert die Cup-Welt vor allem zwei wertvolle Eigenschaften: Erfahrung und Integrität.

America's Cup Regatta-Direktor für den 36. America's Cup: Iain Murray


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Themen: America's CupAmerican MagicEmirates Team New ZealandIons Team UKLuna Rossa Prada Pirelli TeamPeter BurlingTerry Hutchinson

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