America’s Cup

Demonstration unbegrenzter Mittel

Oracle Team USA hat vor San Francisco zum ersten Mal mit zwei eigenen AC72-Kats trainiert. Das kann sich kein anderes Team leisten

Lars Bolle am 27.06.2013
Zwei-Boot-Training von Oracle Team USA auf der Bucht von San Francisco

Zwei-Boot-Training von Oracle Team USA auf der Bucht von San Francisco

Als vor zwei Jahren Russell Coutts, Teamchef des Verteidigers Oracle Team USA, die Regeln für den neuen America’s Cup vorstellte, war von bezahlbaren Kampagnen und überschaubaren Gesamtbudgets die Rede. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass dieses Konzept offenbar gescheitert ist, so lieferte diesen gestern der Verteidiger selbst. Er segelte erstmals mit zwei AC72-Katamaranen auf der Bucht von San Francisco.

Das kann sich kein anderes Team erlauben, schlicht wegen fehlender finanzieller Mittel. Von den drei Herausforderern haben nur die Neuseeländer überhaupt zwei Kats gebaut. Doch ihnen fehlen laut Teamchef Grant Dalton die Möglichkeiten, um zwei Boote zu besetzen und auszustatten. So wurden etwa viele Beschläge des ersten Kats demontiert und auf dem zweiten eingesetzt.

Die Verteidiger verschaffen sich mit ihrem Zwei-Boot-Testprogramm einen klaren Vorteil – keine andere Methode bringt im Segeln mehr Fortschritt als der direkte Vergleich zweier ähnlicher Boote. Nach der Kenterung im vergangenen Jahr wurde das erste Boot des amerikanischen Teams stark modifiziert und verfügt jetzt unter anderem über einen Flügel im Race-Design. Zudem ist auch das zweite Boot unter Steuermann Ben Ainslie mit einer Top-Besatzung ausgestattet. "Mit zwei Booten haben wir die Chance, mehr Geschwindigkeit zu produzieren", sagt James Spithill, Steuermann des ersten US-Bootes. Es ermögliche außerdem, echte Rennsituationen zu erleben und so Erfahrungen für das Cup-Finale zu sammeln.

Bis zu diesem Finale hat Oracle Team USA nun noch zwei Monate Zeit, um Veränderungen zu testen, wie etwa die angestrebten beweglichen Trimmklappen am Ruder.

Die Teams Luna Rossa (l.) und Emirates Team New Zealand beim gemeinsamen Training

Die Teams Luna Rossa (l.) und Emirates Team New Zealand beim gemeinsamen Training

Den Verteidigern bleibt da nur das gemeinsame Training, doch haben sie dabei wesentlich schlechtere Karten. Die Zeit läuft davon, wenn die ersten Ausscheidungs-Races tatsächlich schon am kommenden Wochenende beginnen. Außerdem sind die Boote nicht vergleichbar, denn die Neuseeländer haben eines der zweiten Generation, die Italiener dagegen fahren mit einem Kat der ersten Generation über die Bucht. Zudem sind echte Vergleiche nur möglich, wenn man die genaue Konfiguration des anderen Bootes kennt. Dafür müssten sich beide Teams, die Konkurrenten sind, detailliert austauschen.
 

Lars Bolle am 27.06.2013

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online