America's Cup
David gegen Goliath, oder?

Das 34. Match um den America's Cup beginnt am Samstag. Die Segelwelt hält den Atem an: Können die Kiwis Larry Ellisons Elitetruppe stürzen?

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 06.09.2013

Ch. Cameron; G. Grenier/Oracle Team USA; Montage: YACHT Dean Barker, 41, vs. James "Jimmy" Spithill, 34: Team New Zealand fordert Oracle Team USA zum Duell

Es ist viel passiert in diesem 34. America's-Cup-Zyklus. Viele Negativ-Meldungen haben ihn geprägt: zu wenige Teilnehmer, zu teure und zu gefährliche Boote und ein tödlicher Trainingsunfall, der den britischen Olympiasieger und Familienvater Andrew Simpson aus dem Leben riss.

Trotz futuristischer Formel-1-Boliden namens AC72 verlief die Herausforderserie glanzlos: Der Louis Vuitton Cup war so langweilig wie nie zuvor, weil es für das überragende Emirates Team New Zealand auf den neuen, schwer beherrschbaren Booten keine ebenbürtigen Gegner gab. Gleichzeitig hatte der Schock über den Verlust Simpsons sogar einigen der furchtlosesten Segler die Leichtigkeit des Seins genommen. Kein Boden, auf dem Begeisterung und Euphorie für den neuen revolutionären America's Cup gedeihen konnten. "Vieles wird verziehen werden", so hat der weise britische Cup-Experte Stuart Alexander vor diesem Gipfeltreffen der Giganten prophezeit, "wenn die Funken im September-Showdown fliegen. Es gibt vieles zu verzeihen."

Guilain Grenier/Oracle Team USA Doppelt hält besser: Beide Oracle-Boote beim Training. Skipper Spithill verriet bei der Vorab-Pressekonferenz, dass sein Team im 34. America's-Cup-Duell das zweite neuere Boot segeln werde

Nun auch noch den Betrugsskandal, der harte Jury-Strafen gegen Oracle Team USA nach sich zog. Streit und Ärger an vielen Fronten. Das alles möchten die amerikanischen Gastgeber ab Samstag mit einer Galavorstellung und der erfolgreichen Verteidigung der begehrtesten Segelkanne des internationalen Segelsports am liebsten vergessen machen. Doch zur Sicherheit ließ deren angriffslustiger Steuermann James "Jimmy" Spithill nach den jüngsten Rückschlägen für sein Team schon einmal verlauten: "Wir sind die Außenseiter." Die Sperre für seinen langjährigen Segelkameraden und Nummer-1-Wingtrimmer Dirk de Ridder tue seinem Team vier Tage vor dem ersten Startschuss weh. Krokodilstränen oder echtes Drama? Bis vor kurzem noch galten die Amerikaner als kaum schlagbar. Sollte sich das Blatt tatsächlich gewendet haben?

Am Samstag beginnt es nun, das mit viel Spannung erwartete Duell zwischen Verteidiger Oracle Team USA und dem zweimaligen Cup-Sieger und Herausforderer Emirates Team New Zealand mit dem eher ruhigen Skipper Dean Barker. Der österreichische Fernsehsender Servus TV überträgt die Rennen ab 22.15 Uhr live.

Schon der erste Tag kann die Vorentscheidung bringen: Wird ein Team dem anderen deutlich überlegen sein, so wie es Jochen Schümann und viele weitere Experten erwarten? "Wir wissen es nicht. Und ich glaube, sie wissen es auch nicht", hatte Barker in der letzten großen Pressekonferenz vor dem Start gesagt. Auf die Frage, ob er Mitleid mit den gebeutelten Verteidigern hätte, sagte der 41-Jährige trocken: "Die sind schon groß und gute Segler. Die werden klarkommen."

Chris Cameron/ETNZ Schnell, schneller, Team New Zealand: Können die Kiwis den Amerikanern den Cup entreißen?

Fakt ist: Mit dem amerikanischen und dem neuseeländischen Team treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die Amerikaner schöpfen aus dem Vollen, kennen keine Geldsorgen. Dem auf Wirtschafts- und Finanzdienstleistungen spezialisierten Nachrichtensender Bloomberg sagte Emirates Team New Zealands Manager Grant Dalton: "Die Milliardäre setzen die Standards. Es ist einfach irrwitzig außer Kontrolle geraten und teuer."

Team New Zealand ist im Konzert des 34. America's Cup das einzige Syndikat, das maßgeblich von kommerziellen Sponsoren und der eigenen Regierung finanziert wird. Allein der Bloomberg-Vergleich zwischen Ellison und dem Staat Neuseeland sagt viel: Ellison, einer der zehn reichsten Menschen der Welt, soll über ein Vermögen von 40,6 Milliarden US-Dollar verfügen. Neuseelands Bruttoinlandsprodukt betrug im dritten Quartal 2012 laut Wirtschaftsexperten etwa 30,3 Milliarden US-Dollar. Neuseelands Regentschaft als Cup-Sieger und Verteidiger zwischen 1995 und 2003 soll etwa eine Milliarde NZ-Dollar in die neuseeländische Wirtschaft gespült haben – und war damit ein nennenswerter Wirtschaftsfaktor. So erklärt sich das intensive Engagement des Landes für das Emirates Team New Zealand, dem insgesamt etwa 60 Millionen Euro für den Staatsauftrag "Holt den America's Cup zurück" zur Verfügung stehen. Ellisons Team operiert laut Schätzungen mit mehr als dem Doppelten.

Dennoch halten es inzwischen immer mehr Kenner für möglich, dass David Goliath zu Fall bringen könnte. Die letzte Begegnung zwischen Oracles australischem Steuermann Spithill und Dean Barker gewann der Neuseeländer mit seiner eingeschworenen Mannschaft im Louis Vuitton Cup 2007 vor Valencia, als er die italienische "Luna Rossa" und deren damaligen Steuermann Spithill mit 5:0 vom Kurs fegte. Dass in dieser Woche gleich zwei neuseeländische Nachwuchs-Teams ganz oben auf dem Podium im neuen Youth America's Cup standen, hat das Selbstbewusstsein der Kiwis zusätzlich beflügelt. Barker erklärte bei der Pressekonferenz genüsslich, wie stolz er auf diese geballte Kiwi-Nachwuchskraft sei. Die amerikanischen Talent-Teams belegten in der Flotte der zehn Teams aus acht Ländern die Plätze fünf und zehn.

Gilles Martin-Raget/ACEA Die erste Siegesfeier liegt schon hinter ihnen: Den Louis Vuitton Cup gewannen die Kiwis souverän

Deutsche Fernsehzuschauer, die ihre Nachtruhe am Samstag nicht dem America's Cup opfern wollen, können die Ereignisse am Sonntag in der ZDF Sportreportage ab 17.10 Uhr in der Zusammenfassung sehen. Dort stehen zwar das junge deutsche Team All in Racing und der Youth America's Cup im Mittelpunkt, doch von den ersten Duellen um die verschnörkelte Silberkanne berichtet Reporter Nils Kaben auch.


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Themen: America's CupDean BarkerEmirates Team New ZealandJimmy SpithillOracle Team USA

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