America's Cup
"Cupgate": betrogen und gelogen

Vier Tage vor Beginn des 34. Cup-Duells hat die Jury harte Strafen gegen die Verteidiger ausgesprochen. Die Akten lesen sich wie ein Krimi

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 04.09.2013

G. Grenier / Oracle Team USA Oracle Team USA im Doppel-Training: Nach der Sperre für einige Teammitglieder muss die Kernmannschaft umformiert werden

Vier Tage vor dem Start des 34. Duells um den America’s Cup am Sonntag hat die Internationale Cup-Jury in San Francisco harte Strafen gegen Verteidiger Oracle Team USA ausgesprochen.

Drei Mitglieder von Larry Ellisons Segelrennstall wurden für die Restdauer des laufenden Cup-Zyklus gesperrt, darunter mit Trimmer Dirk de Ridder ein Mitglied der Kernmannschaft um Steuermann James Spithill. Dirk "Cheese" de Ridder ist auch in Deutschlands Regattasegelszene bekannt. Mit Skipper John Kostecki und der "illbruck Challenge" hatte der Niederländer das Volvo Ocean Race 2001/2002 gewonnen.

Screenshot aus Jury-Beschluss Das Betrugsobjekt: Kingpost-Beschlag mit verlängernder Kohlefaserplatte und zusätzlichem Laminat

Oracle Racing/G. Grenier "Cupgate": Die Jury ist abschließend nicht sicher, ob sie alle an der Gewichtsmanipulation Beteiligten überführt hat

Den Beschuldigten wurde laut Jury grob unsportliches Verhalten und Betrug nachgewiesen. Sie waren direkt oder indirekt daran beteiligt, als mindestens einem US-Katamaran vom Typ AC45 während der America’s-Cup-Weltserie (ACWS) unerlaubt zusätzliches Gewicht hinzugefügt wurde. Die beiden in Folge gewonnenen ACWS-Titel hatte das US-Team schon einige Wochen vor dieser Jury-Entscheidung freiwillig zurückgegeben.

Mit Dirk de Ridder ging die Jury in ihrem Urteil nach einmonatiger Beweisaufnahme und Zeugenvernehmungen besonders hart ins Gericht: "Die Jury ist überzeugt davon, dass Dirk den Befehl oder die Anweisung gegeben hat, dem vorderen Kingpost Gewicht hinzuzufügen. Dirk wusste, dass das Gewicht hinzugefügt worden war. Dirk wusste, dass es sich um eine Verletzung der AC45-Klassenregel handelt. Dirk hat in der Anhörung zu dieser Sache nicht die Wahrheit gesagt."

Außerdem wurde das amerikanische Team für schuldig befunden, das Image des America’s Cup beschädigt zu haben. Das Oracle Team USA muss nun am Samstag mit zwei Minuspunkten in das Duell gegen Team New Zealand starten und nicht neun, sondern elf Mal gewinnen, um die bekannteste Trophäe des Segelsports erfolgreich zu verteidigen.

Die Cup-Jury hatte den Fall seit dem 4. August untersucht und viele Zeugen gehört, darunter auch die Beschuldigten. Der viermalige America’s-Cup-Sieger Russell Coutts, CEO des verurteilten Teams, sagte gegenüber der Jury, er sei "geschockt und enttäuscht" von der Jury-Entscheidung.

bmor-photo Russell Coutts hadert mit der harten Jury-Entscheidung

Im Statement seines Teams sagte Coutts: "Es waren nur einige unserer 130 Teammitglieder in die Regelverstöße involviert. Sie geschahen ohne das Wissen unseres Managements oder der Skipper. Wir sind mit den beispiellosen Strafen der Jury nicht einverstanden, aber wir haben keine Wahl, müssen an Bord unseres Regattabootes die notwendigen Crew-Veränderungen vornehmen und in den nächsten vier Tagen im Training unser Bestes tun, um zum Start des 34. America’s Cup bereit zu sein."

Die Jury machte deutlich, dass sie über die Sperren, die Punktstrafe und eine Geldstrafe in Höhe von 250.000 US-Dollar (die Hälfte davon geht an eine Stiftung im Namen des verstorbenen Cup-Seglers Andrew Simpson, über die Bestimmung der anderen Hälfte soll San Franciscos Bürgermeister verfügen) hinaus keine durchaus möglichen noch härteren Strafen aussprechen wollte, damit der Kampf um den Cup auf dem Wasser entschieden werden könne. Gleichzeitig stellten der australische Vorsitzende David Tillett und die vier Jury-Mitglieder klar, dass sie Zweifel hätten, ob sie tatsächlich alle an diesem Betrugsskandal Beteiligten haben entlarven können. So ist in den Entscheidungsprotokollen von einem "Segler X" die Rede, gegen den die Anklage jedoch fallengelassen wurde. Die Ermittlungsakten der Jury, ihre Berichte und Entscheidungen lesen sich wie ein Krimi. Die Dokumente finden sich auf der Homepage des America's Cup (www.americascup.com).

In einer eilig verfassten Pressemitteilung der Cup-Veranstalter hieß es am späten Dienstagabend deutscher Zeit: "Die Internationale Jury hat bestätigt, dass nur eine Handvoll Personen involviert waren und dass alle Senior-Mitglieder des Managements von Oracle Team USA, darunter Skipper Jimmy Spithill und CEO Russell Coutts, Generalmanager Grant Simmer und Shore Team Direktor Mark Turner – weder Kenntnis hatten noch involviert waren."


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