America's Cup

Crash zum Auftakt: "Garstiger großer schwarzer Rumpf"

Der erste Qualifikationstag zum 35. America's Cup haben mit einem Crash begonnen: Die Briten haben es im Duell mit dem SoftBank Team Japan erneut krachen lassen

Tatjana Pokorny am 28.05.2017
35. America's Cup
LLOYD IMAGES

Die ersten Rennen im Kampf um den America's Cup haben – fast – wie erwartet begonnen. Top-Favorit und Titelverteidiger Oracle Team USA hat seine beiden Rennen gewonnen: Souverän besiegten Skipper Jimmy Spithill und seine Crew das französische Groupama Team France. Und nach mehreren Führungswechseln auch das Emirates Team New Zealand. Auffällig war, dass Oracle von Rennen eins zu Rennen zwei gleich zwei Grinder ausgetauscht hat. Begeistert aber war Steuermann Spithill nach den Rennen nicht: "Wir freuen uns über die beiden Siege, sind aber nicht zufrieden. Wir hatten einige schlechte Wenden und es dadurch den Kiwis erlaubt, wieder an uns vorbeizukommen. Die Jungs sind heute Abend nicht glücklich. Wir können uns bis zu den morgigen Rennen deutlich verbessern."

Mit einem lauten Knall krachte Sir Ben Ainslies Team Land Rover BAR seitlich in den Katamaran der Japaner, die in diesem Beitrag nicht nur den Vorfall, sondern auch die Schäden zeigen

35. America's Cup

Prestige-Sieg: Das Oracle Team USA setzte sich gegen die Dauer-Rivalen aus Neuseeland durch

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Glücklich über die beiden Siegpunkte, aber nicht zufrieden mit der eigenen Leistung: Skipper Jimmy Spithill (l.) und seine Crew

Die französischen Außenseiter dagegen haben ihre beiden Auftakt-Duelle gegen die Amerikaner und gegen die Neuseeländer verloren. Am meisten überraschte jedoch das britische Team Land Rover BAR: Zunächst mit dem Sieg gegen das im Training zuletzt so dominante schwedische Team Artemis Racing und dann mit der zweiten selbst verursachten Kollision binnen zehn Tagen – in diesem Fall mit dem SoftBank Team Japan. Während die Segler beider Teams weitgehend unversehrt blieben, obwohl die beängstigenden Zeitlupen erahnen ließen, wie knapp sie schlimmeren Folgen entgangen sind, trugen beide Boote, insbesondere die britische "Rita" heftige Schäden und ein Loch im Rumpf davon. Japans Skipper Dean Barker ging am Abend zuversichtlich davon aus, dass sein Team am Sonntag wieder startklar sein wird. Ainslie war sich da nicht ganz so sicher: "Ich bin leider kein Bootsbauer. Unser Boot ist wirklich ziemlich heftig beschädigt. Das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde. Ich kann nur hoffen, dass wir morgen wieder einsatzbereit sind. Unsere fantastische Shore-Crew wird alles Menschenmögliche daür tun."

Barker: "Ben hat sich entschuldigt"

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Szenen, die Sir Ben Ainslie nach eigenen Worten zuletzt vor 30 Jahren im Opti erlebt hat: Nach dem Crash drohte der britische Kat fast zu sinken

Der Crash ereignete sich in der umkämpften Vorstartphase des jeweils zweiten Duell der beteiligten Briten und Japaner. "Es war unglücklich", beschrieb Sir Ben Ainslie den Vorfall, "wir sind auf dem Foil ein bisschen zu hoch gekommen und seitlich weggeglitten." Aus der Perspektive von SoftBank-Skipper Dean Barker hatte die Situation so ausgesehen: "Man weiß ja, was da kommt, kann es aber nicht aufhalten. Ich sah einen garstigen großen schwarzen Rumpf seitlich auf uns zukommen, der dann auf unserem Rumpf landete. Wir haben auch einige Schäden davongetragen (Red.: u.a. Bruch der Steuerrads), doch wir werden die Aufgaben hoffentlich bis morgen lösen können. Ben hat sich entschuldigt. Es war klar ihr Fehler. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass beide Shore-Crew über Nacht einen riesigen Berg Arbeit haben werden." Der Punkt ging nach dem Penalty für die Briten an die Japaner, die das Ziel 48 Sekunden vor Land Rover BAR erreichten. Beide Teams konnten die Wettfahrt beenden, doch die Briten kamen anschließend nur noch mühsam in den Hafen. Ainslie sagte: "Unser Boot war kurz vor dem Untergehen. Wir haben mit allen Mitteln Wasser rausgepumpt. So etwas habe ich zuletzt vor 30 Jahren im Opti gemacht."

35. America's Cup

Wichtiger Sieg für die Moral: Nach schwachen Trainingsergebnissen hatte das britische Team Land Rover BAR viel Kritik einstecken müssen, während sich das schwedische Team Artemis Racing sehr stark präsentiert hatte. Zu Beginn der Cup-Qualifikation war es anders herum: Die Briten siegten

Über die Kollision vergaß Ainslie aber nicht, den zuvor errungenen eindrucksvollen Sieg gegen die Schweden auszukosten: "Wir hatten ein fantastisches Rennen gegen Artemis. Viele erfahrene Cup-Beobachter hatten uns schon abgeschrieben. Wir aber haben heute gepunktet, als es wirklich zählte. Ich denke, wir haben viele unserer Kritiker zum Schweigen bringen können. Wir waren ein gutes Team, auf das ich sehr stolz bin." Auch das Team Land Rover BAR hatte für das zweite Rennen des Tage szwei Grinder ausgewechselt. Die Schweden, die ihre beiden Duelle mit identischer Crew absolvierten, haben den ersten Tag aber ebenfalls mit ausgeglichener Bilanz abgeschlossen, weil sie in ihrer zweiten Begegnung das SoftBank Team Japan besiegen konnten.

So führen nach den ersten sechs Duellen die Briten und die Amerikaner das Klassement an. Die Briten, weil sie mit zwei Bunuspunkten aus der Weltserie in die Qualifikation gestartet sind und nun insgesamt drei Zähler vorweisen können. Die Amerikaner, weil sie mit einem Bonuspunkt in die Qualifikation gestartet sind und mit den beiden Samstag-Siegen ebenfalls auf drei Zähler kommen.

Hier geht es zum Zwischenstand nach Tag 1.

Was die Skipper zu den Leistungen ihrer Teams am ersten Tag sagten

Tatjana Pokorny am 28.05.2017

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