America's Cup

Britischer Befreiungsschlag, schwarzer Schweden-Tag

Während sich Sir Ben Ainslies Team Land Rover BAR mit einem überzeugenden Sieg über Artemis von den jüngsten Rückschlagen erholte, verloren die Schweden zweimal

Tatjana Pokorny am 30.05.2017
35. America's Cup
ACEA 2017/Gilles Martin-Raget

Das engste Rennen zum Start der Rückrunde in der Qualifikation zum 35. America's Cup war das erste: Wieder kam es im Duell zwischen dem schwedischen Team Artemis und dem Emirates Team New Zealand, dessen Auftakt-Auflage gestern durch einen nicht berechtigten "Penalty" zugunsten der Neuseeländer entschieden worden war, zu mehreren Führungswechseln. Beiden Teams unterliefen Fehler, in deren Folge sie einen Strömungsabriss zu beklagen hatten und von den Foils fielen. Die Kiwis erwischte es vor der zweiten Wendemarke zuerst. Sie tauchten mit beiden Rümpfen tief in die Fluten des Great Sounds ein. Das Malheur kostete sie etwa 20 Sekunden. Schnell erarbeiteten sich Artemis-Steuermann Nathan Outteridge, sein Taktiker Iain Percy und die Crew mehr als 200 Meter Vorsprung. Doch dann erlebten die Schweden ihr eigenes Waterloo an der sechsten und letzten Wendemarke vor dem Sprint ins Ziel. Es war ein sehr teurer Fehler, der viel Zeit und den durchaus möglichen Sieg kostete. Insgesamt wirkten die Neuseeländer in diesem Duell taktisch und strategisch leicht überlegen. Vor allem die Positionierung der Kiwis war oftmals zielführender. "Und wir hatten ein paar wirklich gute Wenden", ergänzte Steuermann Peter Burling im Interview kurz nach dem Zieldurchgang.

Auch an Tag 4 gab es Überraschungen. Was die Steuermänner dazu sagten und wie sie ihre Leistungen erklären

35. America's Cup

Fotograf Ricardo Pinto hat diese imposante Szene in der America's-Cup-Stadt auf Bermuda eingefangen

Das zweite Rennen des Tages eröffneten die Titelverteidiger am Dienstagabend so souverän, dass im Duell mit den schwachen Franzosen fast Langeweile aufkam. Dagegen arbeiteten die Amerikaner mit einem kreativ gestalteten Camouflage-Steuerrad, dem aufgedruckten Spitznamen "Spitbull" für ihren Steuermann Jimmy Spithill (Spitzname: "Pitbull") und ihrem Taktiker Tom Slingsby auf einem Pedalantrieb. Fast lässig absolvierte Larry Ellisons Oracle Team USA den Kurs und erreichte die Ziellinie schließlich mit 1:31 Minuten Vorsprung vor dem Groupama Team France, das in seiner ersten Begegnung der Rückrunde nicht überraschen konnte. In der anschließenden Pressekonferenz erheiterte Spithill die Zuhörer mit einer frechen Antwort auf die Frage nach Slingsby auf dem "Fahrrad": "Die Kiwis haben eine Art von Rennrädern installiert. Wir haben ein BMX-Rad. Wir sind ja irgendwie eine jüngere Generation. Und das funktioniert ziemlich gut. Tom und unsere Shore-Crew arbeiten schon eine ganze Weile daran. Wir glauben, es ist eine ziemlich gute Mischung." Das Grinsen kann sich Jimmy dabei nur schwer verkneifen. Er ist 37 Jahre alt, sein Taktiker Slingsby 32. Der neuseeländische Rivale Peter Burling ist erst 26 Jahre alt. Man darf diese hübsche kleine Spithill-Spitze durchaus als Beginn einer Serie verstehen. Spithill ist ein Meister darin, seine Gegner frühzeitig "anzupieksen". Beim aktuellen Stand der Qualifikation haben sich die Kiwis im Kampf um die Rolle des späteren Herausforderers der Amerikaner als Favorit Nummer eins erwiesen.

Jimmy Spithill nach dem Sieg beim 34. America's Cup

Scherzte über das "BMX"-Rad an Bord der amerikanischen "17": Skipper Jimmy "Pitbull" Spithill, neuerdings mit dem Spitznamen "Spitbull" auf dem Steuer des Katamarans verewigt

Ein Befreiungsschlag gelang am Dienstag Sir Ben Ainslie und seinem Team Land Rover BAR im dritten Duell des Tages, in dem die zuvor von den Kiwis geschlagenen Schweden noch einmal ranmussten. Der Start ist sehr umkämpft. Lange kann Artemis Racing die Briten auf dem Weg zur Linie in Schach halten. Doch die kommen in den letzten Sekunden doch noch an der "Magic Blue" vorbei und überqueren sie fast zeitgleich, gehen jedoch mit wesentlich höherer Geschwindigkeit auf den Kurs. Es ist schon die Vorentscheidung in einem überraschend einseitigen Match. Nach offensichtlichen Veränderungen am Boot und intensiven Debriefings in Folge der Niederlagenserie haben die Engländer ihr Versprechen vom Vorabend gehalten, als Ainslie sagte: "Es ist noch lange nicht vorbei. Wir werden uns neu aufstellen und stärker zurückkommen!"

35. America's Cup

Die vorentscheidende Startszene im Duell zwischen Land Rover BAR und Artemis beginnt hier. In der Folge zeigen wir die Entwicklung Schritt für Schritt. Bis zum Durchbruch der Briten...

35. America's Cup

Hier kommen die Briten bereits mit dreifacher Geschwindigkeit von hinten, während die Schweden verlangsamt hatten, um nach gestern einen zweiten Frühstart zu vermeiden

35. America's Cup

Fast gleichzeitig, aber nicht gleich schnell gehen die Boote über die Startlinie, die Artemis einen Tick eher erreicht hatte, doch mit dem Vorteil aufgrund der langsamen Geschwindigkeit nichts anfangen kann

35. America's Cup

Das englische Timing zur Linie war besser, "Rita" ist mehr als doppelt so schnell unterwegs in Richtung Wendemarke 1

35. America's Cup

Kurz danach ist der Geschwindigkeitsunterschied zwischen den beiden Booten dramatisch – Artemis hat das Rennen hier verloren

Auffällig waren die neuen Foils unter Ainslies "Rita" und der Einsatz von Jono Macbeth. Der Neuseeländer ist einer der wenigen Nicht-Briten im sehr national geprägten Team Land Rover BAR und genießt als Sailing Team Manager Ainslies totales Vertrauen. Zusammen mit Ainslie hat Macbeth den 34. America's Cup in Diensten der Amerikaner mitgewonnen. Zusammen haben sie 2013 nach acht abgewehrten Matchpunkten den neunten und entscheidenden Siegpunkt gegen Neuseeland errungen. Für Macbeth war das bereits der dritte Cup-Sieg seiner Karriere. Einmal hatte er die Kanne 2000 mit seinen Landsleuten in den Himmel über Auckland gehoben, zweimal triumphierte er mit den Amerikanern. Ainslie hat Macbeth von dort mit in sein neues Team genommen und mit ihm zusammen die Mannschaft aufgebaut, die den Cup erstmals für Großbritannien gewinnen soll.

35. America's Cup

Das war schon besser: Sir Ben Ainslies Daumen zeigt wieder nach oben. Neben ihm sitzt Taktiker Giles Scott. Insgesamt haben die beiden fünf olympische Goldmedaillen gewonnen. Heute konnten sie einiges von ihrem Können zeigen

35. America's Cup

Einen Ringkampf möchte man mit diesem Hünen nicht ausfechten müssen. Sailing Team Manager und Grinder Jono Macbeth zählt zu den engsten Vertrauten von Sir Ben Ainslie im Team Land Rover BAR

Kennengelernt haben sich die beiden aber noch früher: Als Mitglieder im Emirates Team New Zealand gewannen sie 2007 den Louis Vuitton Cup der Herausforderer und verpassten den Sieg gegen Alinghi im Finale nur knapp. Mit Macbeth ist als Grinder am Dienstag ein auch psychologisch für Ainslie wichtiger Mann an Bord gekommen – vorerst mit durchschlagendem Erfolg. Der sympathische und bescheidene Neuseeländer ist als Mensch das Gegenteil von jenem Heeresführer und Tyrannen Macbeth, den William Shakespeare in seiner gleichnamigen Tragödie beschreibt. Der segelnde Macbeth ist überaus beliebt im Team Land Rover BAR und gilt als starker Motivator.

35. America's Cup

Jono Macbeth (links) bei einem Besuch der Red Hot Chili Peppers

35. America's Cup

Die Ergebnisse vom ersten Tag der zweiten Round-Robin-Runde in der Qualifikation

35. America's Cup

Der Stand nach dem ersten Tag der Rückrunde in der Qualifikation zum 35. America's Cup

35. America's Cup

Und diese Begegnungen sind für Mittwochabend geplant

Tatjana Pokorny am 30.05.2017

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online