America's Cup
"Britannia" soll den alten britischen Cup-Traum jagen

Sir Ben Ainslies Ineos Team UK hat sein Boot für den 36. America's Cup kurz nach American Magics "Patriot"-Premiere getauft. Der Name bleibt, die Form ist neu

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 17.10.2020
Taufe "Britannia" am 16. Oktober 2020 in Auckland Taufe "Britannia" am 16. Oktober 2020 in Auckland Taufe "Britannia" am 16. Oktober 2020 in Auckland

Harry KH / Ineos Team UK Taufe "Britannia" am 16. Oktober 2020 in Auckland

"Lange keinen Langkieler mehr im America's Cup gesehen." So lautete nur einer von Hunderten Kommentaren in den sozialen Netzwerken, die den am Freitagabend veröffentlichten Bildern und Videos des britischen Ineos Team UK von der Taufe der neuen Cup-Yacht mit dem bereits von der Vorgängerin bekannten Namen "Britannia" folgten. "Sieht aus wie ein Trimaran" hieß es ebenso wie immer wieder "Bringt den Cup nach Hause". Klar war auf den ersten Blick, dass der zweite britische Entwurf der neuen Cup-Generation sehr anders aussieht als der erste Versuch. Ähnlich war das auch schon einen Tag zuvor zu erkennen, als die Amerikaner mit der "Patriot" ebenfalls in Auckland ihre Folge-Version für die Herausfordererrunde zum 36. America's Cup präsentierten. Doch ganz so krass wie bei den Briten fielen die amerikanischen Veränderungen zunächst nicht ins Auge. Andererseits darf aus Erfahrung bezweifelt werden, dass bei den jüngsten Tauffeierlichkeiten der Briten und Amerikaner schon alles genau zu sehen war, womit die Teams später tatsächlich in die Rennen ziehen werden.

American Magic / Will Ricketson "Patriot" kurz vor der Taufe

Harry KH / Ineos Team UK Die neue "Britannia" in der Seitenansicht 

Die zur Entstehung der neuen "Britannia" veröffentlichten Eckdaten sind beeindruckend: 46.000 Baustunden und mehr als 90.000 Design-Stunden stecken in dem radikalen Geschoss. Dazu zwischen 75.000 und 100.000 CNC-Maschinenstunden. 17.300 Einzelteile ergeben das Boot, mit dem Sir Ben Ainslie und sein Team  – 169 Jahre nach der America's-Cup-Premiere in heimischen Gewässern immer noch sieglos und überaus hungrig auf die älteste Trophäe des internationalen Sports – ab dem 15. Januar 2021 im Prada Cup die Jagd auf die verschnörkelte Silberkanne eröffnen wollen. Zuvor steigt vom 17. bis zum 20. Dezember mit dem Weihnachtsrennen die nach den Corona-bedingten Streichungen einzig verbliebene Regatta der America's-Cup-Weltserie im Cup-Revier.

American Magic / Will Ricketson Das US-Team American Magic taufte seine zweite Cup-Yacht "Patriot" einen Tag vor den Briten

Harry KH / Ineos Team UK "Britannias" Kiel von unten

Die Briten haben angekündigt, dass sie für ihre neue Yacht Top-Geschwindigkeiten von mehr als 50 Knoten erwarten. Am Wind soll "Britannia" 30 Knoten schnell sein, vor dem Wind die mittleren oder hohen 40er erreichen. Die elfköpfige Crew darf insgesamt maximal 990 Kilogramm auf die Waage bringen. Niemand im Team macht sich Illusionen darüber, wie schwer es sein wird, das 36. Duell um den America's Cup im Kampf mit den amerikanischen und italienischen Herausforderern überhaupt zu erreichen und dann auch noch gegen die neuseeländischen Verteidiger zu gewinnen. "Es wird so schwer sein wie der Versuch, die All Blacks in ihrer Heimat zu besiegen", sagte der viermalige Olympiasieger und "Britannia"-Skipper Sir Ben Ainslie in Anspielung auf das Rugby-Weltklasseteam der Kiwis.

Zwei Monate bleiben allen Cup-Teams noch zur Vorbereitung ihrer fliegenden AC75-Yachten aufs erste Säbelrasseln im neuseeländischen Cup-Revier. Was Ainslies Mitstreiter, Finn-Olympiasieger und Cup-Taktiker Giles Scott, zu dieser Aussage verleitete: "Wir werden dieses Boot wohl nicht so viel auf dem Wasser segeln, wie wir es im Simulator gesegelt haben." Getauft wurde "Britannia" von Laura Clarke. Die britische Hochkommissarin in Neuseeland hatte dem Team beim komplizierten Umzug von England nach Neuseeland beigestanden.

Hier feiern die Amerikaner ihren Entwurf, der im 36. America's Cup siegen soll


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