America's Cup
Bitteres Déjà-vu: Aus für Australien

Die Ereignisse überschlagen sich: Der australische Challenger of Record zieht sich zurück. Ersatz ist aber möglicherweise schon in Sicht ...

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 19.07.2014

Andrea Francolini/Team Australia Team Australias Management hatte große Träume, doch nun wollen Chef Ian Murray, Skipper Mathew Belcher und Finanzier Sandy Oatley ihre Meldung zurückziehen

2011 gab es dieses Szenario erstmals in der damals 159-jährigen Geschichte des America's Cup: ein Challenger of Record, der nicht bis zu den Cup-Rennen durchhält und ersetzt werden muss. Larry Ellisons Verteidiger-Team hatte sich damals das italienische Syndikat Mascalzone Lationo zum Challenger of Record gewählt, also zu jenem Herausforderer, der seine Herausforderung als Erster an den Verteidiger übergibt und alle anderen Herausforderer in den Verhandlungen über die nächste Auflage gegenüber dem Verteidiger vertritt. Vor drei Jahren mussten die Italiener jedoch mangels finanzieller Mittel aufgeben. Ihre Rolle hatte für den 34. America's Cup dann das unglückliche schwedische Team Artemis übernommen.

Nun erwischt es die amerikanischen Verteidiger schon ein zweites Mal – ein trauriger historischer Rekord. Dieses Mal wirft der australische Challenger of Record vom Hamilton Island Yacht Club vorzeitig das Handtuch. Der aktuelle Challenger of Record hat dem Verteidiger mitgeteilt, dass er seine Herausforderung für den 35. America's Cup zurückziehen wird!

Andrea Francolini/Team Australia Die erste Trainingsfahrt von Team Australia

Die Argumente für den Rückzug sind die gleichen wie die, die aus den Lagern aller anderen Herausforderer seit Monaten zu hören sind und über die YACHT online gestern gestern zuletzt berichtet hatte: Es sei zu hart, sich auf eine Regatta vorzubereiten und Partner zu gewinnen, für die es keine Veranstaltungsdaten und keinen Veranstaltungsort gibt.

Während die Verteidiger die Deadline für Herausforderungen auf den 8. August dieses Jahres festgesetzt haben und bis Jahresende rund drei Millionen US-Dollar an Meldegeldern fordern, bleiben sie selbst weiterhin entscheidende Informationen zum 35. America's Cup schuldig. Der bekannte neuseeländische Fernsehkommentator Peter Montgomery hat die vertrackte Lage laut New Zealand Herald als "erneute Wendung in den Vorbereitungen auf die nächste Regatta" bezeichnet und nüchtern kommentiert: "Wieder beißt ein Challenger of Record ins Gras."

In einer kurzen Pressemitteilung der Cup-Verteidiger hieß es in der Nacht auf Samstag: "Die America's-Cup-Organisatoren haben eine Nachricht der Vorsitzenden des Hamilton Island Yacht Club darüber erhalten, dass sich Team Australia vom 35. America's Cup zurückziehen will."

In der Pressemitteilung wird Russell Coutts als Direktor der America's Cup Event Authority (ACEA) zitiert: "Wir sind sehr enttäuscht über diese Neuigkeiten. Wir waren begeistert davon, Australien als Herausforderer dabeizuhaben, und wir hatten uns auch darauf gefreut, Regatten der America's-Cup-Weltserie in Australien auszutragen."

Schnell war das Aus der Australier aber abgehakt und Coutts Blick zügig in die Zukunft gerichtet: "Unsere Konzentration gilt auf dem weiteren Weg den Teams, die ihre Herausforderungen bereits überbracht haben, sowie Teams, die uns vor Meldeschluss am 8. August darüber informiert haben, dass sie melden wollen. In der Zwischenzeit wird ACEA weiter daran arbeiten, ein Austragungsrevier für den 35. America's Cup 2017 zu finden. Der Auswahlprozess ist gut vorangeschritten und verfolgt weiter das Ziel, den Austragungsort im Oktober bekanntzugeben."

In der Pressemitteilung der Veranstalter wird auch der Brite Sir Ben Ainslie zitiert, der sein America's-Cup-Team Ben Ainslie Racing im vergangenen Monat in London erstmals öffentlich vorgestellt hatte. "Wir halten an unserer Unterstützung für das ungebrochene Bemühen des Verteidigers fest, der ein kommerzielleres Format anstrebt, das dieser historischen Trophäe eine tragfähige Zukunft bringen soll. BAR wird sich um die Austragung zweier Regatten der America's-Cup-Weltserie in den Jahren 2015 und 2016 in unserem neuen Zuhause in Portsmouth bewerben – ein wichtiger Bestandteil auf unserem Weg zum 35. America's Cup. Obwohl der Rückzug des Challenger of Record bedauerlich ist, so ist er doch nicht ungewöhnlich. Wir werden mit unseren Vorbereitungen für den 35. America's Cup fortfahren und freuen uns auf eine aufregende Zukunft."

Ob Ben Ainslies Worte der Kommentar des möglicherweise nächsten Challenger of Record waren, mochte angesichts der Nachrichtenlage noch niemand bestätigen. Ganz unwahrscheinlich ist es aber nicht. Immerhin kennt man sich gut. Ben Ainslie half den Amerikanern, den Cup zu gewinnen und absolvierte im Oracle Team USA seine Meisterprüfung, bevor er sein eigenes Dream Team unter britischer Flagge zum historischen Griff nach der Silberkanne formierte.

BAR/Lloyd Images Ben Ainslie träumt vom historischen ersten America's-Cup-Sieg für Großbritannien, das Mutterland der Silberkanne


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Themen: America's CupHamilton Island Yacht ClubOracle Team USA

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