America's Cup

Bertarelli-Kritik: "Katamarane im Kleid von Einrumpfern"

Absage aus der Schweiz: America's-Cup-Gewinner Ernesto Bertarelli bemängelt die neue Bootsklasse für den Cup und nennt sie als Grund für Alinghis Fernbleiben

Tatjana Pokorny am 30.05.2018
36. America's Cup
AC

Die neuen Einrumpfer für den 36. America's Cup: futuristische Foil-Riesen

Alinghi-Teameigner Ernesto Bertarelli

Der zweimalige America's-Cup-Gewinner Ernesto Bertarelli hat den neuen neuseeländischen Cup-Verteidigern eine doppelte Absage erteilt: Der Schweizer Alinghi-Rennstallbesitzer kritisiert die futuristische Bootsklasse der Monohulls mit ihren riesigen Foils, nennt sie "Katamarane im Kleid von Einrumpfern". Und sie seien auch der Grund, weshalb er Alinghis ursprünglich erwägte erneute Teilnahme am America's Cup nun ausschließe. 

Auf diesen Booten soll 2021 um die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports gekämpft werden

Im Segel-Nachrichtendienst "Scuttlebutt" wird Bertarelli diesbezüglich unmissverständlich zitiert: "Ja, ich hätte teilgenommen. Die Schweiz verfügt inzwischen über Segler, die das ohne Probleme mit der Nationalitätenregel machen könnten. Der erneute Bootswechsel hat den America's Cup mindestens zwei Teams gekostet. Eines ist Alinghi (das andere Artemis, d. Red.). Dann hätten sie von Beginn an sechs gehabt. Und es wäre einfach gewesen, auf acht zu erhöhen."

Parade in Auckland für das Emirates Team New Zealand

Im Zusammenspiel mit Patrizio Bertellis "Challenger of Record" Luna Rossa verantwortlich für die neue Bootsklasse im 36. America's Cup: Neuseelands Teammanager Grant Dalton (ganz links im Bild) und seine Cup-Verteidiger aus Neuseeland

Der Blick in die Cup-Historie zeigt, dass in früheren Zeiten mehr Konstanz herrschte. Die Zwölfer beispielsweise wurden über zehn aufeinander folgende Cup-Editionen genutzt, die 82 Fuß langen Boote der International America's Cup Class immerhin fünfmal hintereinander. Heute dagegen wird permanent neu erfunden: Der von den Neuseeländern initiierte Bootswechsel für die 36. Cup-Auflage 2021 ist bereits der dritte in Folge.

Der radikalste Wechsel hatte 2013 stattgefunden, als Larry Ellisons Oracle Team USA die bis dahin eingesetzten Monohulls durch Katamarane ersetzte. Allerdings hatte es in der Geschichte der prestigereichsten Regatta der Sportgeschichte auch zuvor schon einmal Katamarane gegeben. Was die Kiwis nun täten, so Bertarelli, sei der Wechsel zu einem nicht getesteten radikalen Einrumpf-Konzept, das auf Ballast-Foil-Armen basiere – aus seiner Sicht eine "neue Verrücktheit", die er nicht unterstützen wolle. Der Cup-Gewinner von 2003 und 2007 ist überzeugt, dass die Wahl der neuen Bootsklasse für das aktuell noch limitierte Teilnehmerfeld von nur vier offiziell gemeldeten Cup-Teams verantwortlich ist. Bislang sind offiziell nur das Emirates Team New Zealand, Patrizio Bertellis italienischer "Challenger of Record" Luna Rossa, Sir Ben Ainslies Ineos Team GB und der New York Yacht Club im Spiel. Es gibt allerdings Hinweise auf weitere Interessenten aus Amerika und Italien.

Ernesto Bertarelli

Zweimal Triumphator im America's Cup: Ernesto Bertarelli und sein Team Alinghi gewannen die verschnörkelte Silberkanne 2003 und 2007. Die Teilnahme am 36. America's Cup schloss der Schweizer Milliardär nun aus

36. America's Cup

Mit seinem neuen Ineos Team GB und einem britischen Rekord-Budget von 126 Millionen Euro startet Sir Ben Ainslie in seine zweite Cup-Kampagne unter britischer Flagge

Bertarelli äußerte seinen Unmut ungewöhnlich deutlich: "Ich verstehe das einfach nicht: Warum muss man das Boot für jede neue Auflage wechseln? Man konnte doch sehen, dass der vorherige Cup einer Richtung folgte. Man könnte die gleiche Arbeit in ein Folgeprojekt stecken, dabei aber weniger Risiko eingehen, einen Fehler zu machen. Schaut euch doch die Briten und Ben Ainslie bei der letzten Auflage an: Der beste Segler der Welt, aber er hatte ein falsches Boot – aus das Spiel."

36. America's Cup

Machtlos im 35. America's Cup: Sir Ben Ainslie war mit seinem Team Land Rover BAR als Co-Favorit in die Regatta gestartet, doch sein Boot hatte sich als flügellahm erwiesen

Tatjana Pokorny am 30.05.2018

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