America's Cup
Aus für San Francisco, Chicago wackelt

Nun ist offiziell, was YACHT online bereits berichtete: San Francisco verliert den Cup! Aber auch Geheimfavorit Chicago hat ein Problem

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 12.06.2014

ACEA So hat alles begonnen: Die Vision der amerikanischen Cup-Verteidiger von ihrem 34. America's Cup in San Francisco. Die Auflage ist inzwischen Geschichte – und die kalifornische Hafenstadt hat den Cup schon wieder verloren

ACEA Er weiß längst, wohin die Reise geht: Oracle Team USAs CEO Russell Coutts

Der blaue Brief erreichte San Franciscos Bürgermeister Ed Lee am Dienstagabend per E-Mail: Schwarz auf weiß stand da geschrieben, was die Spatzen in der Welt des America's Cup seit geraumer Zeit vom Dach pfeifen: Die kalifornische Hafenstadt, die 2013 trotz vieler Tiefschläge eine tolle Segelkulisse für die Duelle des 34. America's Cup abgegeben hatte, ist für die Folgeauflage aus dem Rennen. Coutts schrieb unter anderem: "Mit Blick auf die enge Terminplanung und das Bedürfnis der Teams nach der Festlegung des Austragungsortes war es nötig geworden, die Liste der letzten Kandidaten-Städte zu reduzieren. Deswegen haben wir die schwierige Entscheidung fällen müssen, dass San Francisco nicht mehr zu den möglichen Kandidaten zählt, die den 35. America's Cup ausrichten wollen."

Chris Cameron/ETNZ Good bye, Golden Gate Bridge! Die Cup-Katamarane nehmen nun Kurs auf ein anderes Revier. San Francisco wurde einmal gemolken und hat nun ausgedient...

Der Brief des CEO's der Cup-Verteidiger beinhaltet keine weiteren Erklärungen. Doch es ist bekannt, dass San Francisco nach dem Verlust von rund 11,5 Millionen US-Dollar bei der Ausrichtung des letzten America's Cup (YACHT online berichtete http://www.yacht.de/sport/americas_cup/das-aus-fuer-san-francisco/a89427.html ) nicht erneut auf Mittel der Stadt hätte zurückgreifen wollen. Der Bürgermeister hatte außerdem gefordert, dass die Cup-Organisatoren zum einen Miete für die Piers zahlen und sich zum anderen beim Bau neuer Cup-Stätten an die üblichen Tariflöhne für die Arbeiter halten. Offensichtlich schmeckten diese Bedingungen den Verteidigern von Larry Ellisons Rennstall Oracle Team USA nicht. Es ist weniger als ein schwacher Trost, wenn sie darauf verweisen, dass man mit Blick auf den 36. America's Cup ja wieder offen für neue Verhandlungen sei. Es ist sogar geradezu frech, denn dazu müssten das Oracle Team USA den Cup erst wieder erfolgreich verteidigen. Was wiederum fest eingeplant sein dürfte...

Mit Chicago, San Diego und Bermuda sind nun noch drei Reviere im Rennen um die Cup-Austragungsrechte. Eine ganze Weile lang galt Chicago als heimlicher Favorit. Doch die Stadt am Michigansee im US-Bundesstaat Illinois hat ein Problem, auf das führende Cup-Experten wie Cory E. Friedman inzwischen öffentlich hinweisen. Laut Cup-Stiftungsurkunde ("Deed of Gift") aus der Feder des ersten Cup-Mitgewinners George Schuyler darf ein herausfordernder Club nur einer sein, der "seine jährliche Regatta auf einem Seekurs auf dem offenen Meer oder einem Meeresarm oder einer Kombination aus beidem" ausrichtet.

Während die Definition von "Meer" unstrittig ist, wird nun – wieder einmal – der Begriff "Meeresarm" diskutiert. Als der Chicago Yacht Club 1987 mit Buddy Melges und der Kampagne "Heart of America" am America's Cup teilnahm, wurde vom zuständigen New Yorker Gericht bestätigt, dass der Michigansee (Teil der Großen Seen) als "Meeresarm" angesehen wird. Das allerdings geschah im Schnellverfahren und ohne jeden Widerspruch der Konkurrenz.

Rechtexperte Friedman hält die damalige Auffassung für eine wenig durchdachte Fehlentscheidung, die einer Anfechtung heute nicht standhalten würde. Friedman sagt, dass George Schuyler den Begriff "Meeresarm" absichtlich gewählt habe und die Großen Seen deshalb nicht in Frage kämen, weil sie zwar ihre eigene Tide hätten, nicht aber der Meerestide (wie beispielsweise der Hudson River) unterlägen. 1987 hätte laut Friedman nur einfach niemand die Absegnung des Reviers als "Meeresarm" angefochten. Friedman ist sicher: Schuyler wollte die Großen Seen nicht im Cup sehen.

Es müssten sich mit Blick auf den 35. America's Cup also Verteidiger und Herausforderer darüber einig sein, dass sie dort segeln wollen. Nur dann wäre eine mögliche Klage ausgeschlossen. Nicht ohne Hintergedanken fragt der Segelinformationsdienst Scuttlebutt, in dem Friedman seine Auffassungen regelmäßig veröffentlicht, danach, was die Verteidiger den Herausforderern wohl als Gegenleistung angeboten hätten, wenn denn wirklich Chicago Austragungsort werden sollte.

G. Grenier / Oracle Team USA San Francisco war einmal: Hier trainierten die Cup-Katamarane von Oracle Team USA unter guten bedingungen zwischen Alcatraz und der Golden Gate Bridge


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