Regatta
America’s Cup: Sieg für die Men in Black

Der Cup bleibt in Neuseeland. Das Heimteam fährt seinen siebten Sieg ein, die Italiener unterliegen, schlagen sich aber noch einmal wacker

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 17.03.2021
Champagnerdusche für Team New Zealand nach dem siebten Wettfahrtsieg Champagnerdusche für Team New Zealand nach dem siebten Wettfahrtsieg Champagnerdusche für Team New Zealand nach dem siebten Wettfahrtsieg

ACE | Studio Borlenghi Champagnerdusche für Team New Zealand nach dem siebten Wettfahrtsieg

Sie haben es wieder getan: Zum vierten Mal gewinnt Neuseeland den America’s Cup, nach 1995, 2000 und 2017. Zum zweiten Mal können ihn die Kiwis verteidigen, zweimal in Folge gewinnt der erst 30-jährige Steuermann Peter Burling mit seiner Crew. Das italienische Team Luna Rossa geht auch in seinem fünften Anlauf leer aus, unterlag auf denselben Gewässern bereits vor 20 Jahren den Neuseeländern mit 5:0, schlägt sich dieses Mal jedoch beachtlich mit einem 7:3. Und es geht wahrscheinlich weiter für die Italiener.

Fünf Millionen Neuseeländer werden in dieser Nacht feiern, haben sie doch bewiesen, dass ihr kleines Land zumindest im Segelsport die ganze Welt besiegen kann. 60 Millionen Italiener hingegen werden weinen, oder vielleicht auch nur ein großer Teil von ihnen. Auf jeden Fall ist wieder eine große Chance verstrichen, die älteste, kontinuierlich ausgetragene Sportveranstaltung der Welt auf den alten Kontinent zu holen. Dabei bewahrheitete sich eine alte Regel des Cups: Das schnellste Boot gewinnt.

Die Neuseeländer hatten das schnellere Boot. Bei Leichtwindbedingungen zwischen acht und zwölf Knoten waren sie auf allen Kursen etwa zwei Knoten schneller als die Italiener, bei Geschwindigkeiten zwischen 30 und 40 Knoten sind das immerhin fünf bis siebeneinhalb Prozent.

Dennoch sah es zu Beginn des Cup-Finales so aus, als könnten die Italiener Paroli bieten. Vor allem am Start erwies sich das Steuermannduo Francesco Bruni/Jimmy Spithill zunächst als cooler, angriffslustiger und erarbeitete sich ein ums andere Mal Vorteile. Dazu trug auch bei, dass die Italiener zuvor durch eine teilweise harte Ausscheidung der Herausforderer gehen mussten, sie waren also geübt im Zweikampfmodus mit diesen 75-Fuß-Rennmaschinen. Die Neuseeländer hingegen trainierten bis zum Beginn des Cup-Finales allein.

Sie hatten so zwar mehr Zeit, am Speedpotenzial zu arbeiten, verfügten jedoch über keine Erfahrung auf dem Rennkurs unter Wettfahrtbedingungen. So schafften sie es in den ersten Rennen teilweise nicht, ihren Geschwindigkeitsvorteil in Siege umzusetzen. Waren die Italiener erst einmal vorn, was ihnen nur durch gute Starts gelang, gab es für die Neuseeländer bei konstanten Bedingungen kaum Überholmöglichkeiten. Die gestörten Winde des Gegners voraus fraßen den Geschwindigkeitsvorteil auf. Es stand nach sechs Wettfahrten 3:3, nur wenige hatten das den Italienern zugetraut.

ACE | Studio Borlenghi Das neuseeländische Boot war technisch überlegen

Doch das Team um Steuermann Peter Burling lernte dazu, die letzte Wettfahrt war ein Paradebeispiel für diese Lernkurve. "Wir wollten rechts starten, wollten nach rechts segeln, um so mit freiem Wind unsere Geschwindigkeit zu nutzen", so Burling.

Die Neuseeländer starteten rechts von den Italienern und dicht an ihnen, rollten mit dem Startsignal sofort in eine Wende nach rechts. Bei der nächsten Begegnung waren sie vorn und gaben die Führung nicht mehr ab. Zwar kämpften die Italiener wacker und hielten die Wettfahrt bis zum Leetor mit einem geringen Rückstand offen. Von da an jedoch zogen die Neuseeländer davon.

Das war es also mit dem 36. America’s Cup.

Wie wird die Zukunft des America's Cup aussehen?

Das wird stark davon abhängen, wer der nächste erste Herausforderer wird, der sogenannte Challenger of Record. Dieses Mal war es das Luna Rossa Prada Pirelli Team. Steuermann Francesco Bruni machte direkt nach dem Ziel Andeutungen, dass es weitergehen werde: "Ich bin mir sicher, dass es nicht vorbei ist für Luna Rossa, dass Patrizio Bertelli weitermachen wird." Bertelli, Prada-Besitzer, ist der Haupt-Geldgeber des italienischen Teams.

Doch auch das britische Ineos Team dürfte Ansprüche auf die erste Herausforderung stellen; denn dieser Cup hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig diese frühe Positionierung ist. Verteidiger Neuseeland und erster Herausforderer Italien hatten etwa ein Jahr lang am neuen Regelwerk für diesen Cup gearbeitet und sich damit einen zeitlichen Vorsprung für Entwicklungen vor den Teams Ineos UK und American Magic gesichert. Am Ende standen genau die beiden Teams im Finale, die am meisten Entwicklungszeit hatten.

Der 36. America’s Cup hat viel geboten: Foilende Einrumpfer, Geschwindigkeiten über 50 Knoten, spannende Wettfahrten, innovative Technik. Was fehlte, waren mehr Teams. Es wird interessant zu beobachten sein, wie die Neuseeländer die Karten für die 37. Verteidigung in voraussichtlich vier Jahren legen werden. Sie müssen den Spagat zwischen den Interessen von milliardenschweren Mäzenen und eher Sponsoring-finanzierten Kampagnen schaffen, müssen die Cup-Begeisterung auch außerhalb Neuseelands aufrecht erhalten oder neu entfachen, dennoch muss sich am Ende der Fokus aller auf Neuseeland richten.


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Themen: America's Cup

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