Regatta
America's Cup: Quo vadis?

Nach dem America's Cup ist vor dem America's Cup: Die Segelwelt diskutiert die Optionen der alten und neuen neuseeländischen Verteidiger, die – noch – schweigen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 2 Monaten
Das Emirates Team New Zealand gewann den 36. America's Cup am 17. März zum vierten Mal seit 1995 Das Emirates Team New Zealand gewann den 36. America's Cup am 17. März zum vierten Mal seit 1995 Das Emirates Team New Zealand gewann den 36. America's Cup am 17. März zum vierten Mal seit 1995

ACE | Studio Borlenghi Das Emirates Team New Zealand gewann den 36. America's Cup am 17. März zum vierten Mal seit 1995

ACE | Studio Borlenghi Schnell, schneller, "Te Rehutai": Mit ihrem AC75-Geschoss haben die Neuseeländer erneut ein altes America's-Cup-Gesetz bestätigt: Das schnellste Boot gewinnt die Kanne

Während der Jubel über den Erfolg des "Teams der fünf Millionen" im Pazifikstaat Neuseeland noch lange nicht verhallt ist und Fans in aller Welt in Bildern und Clips vom 36. Match um den America's Cup schwelgen, ist das Fundament für den 37. America's Cup bereits gelegt. Wie genau es aussieht und was auf ihm entstehen soll, bleibt aktuell aber noch das Geheimnis der alten und neuen Verteidiger und ihres künftigen "Challenger of Record". Der ist nach übereinstimmen Berichten neuseeländischer Medien mit Sir Ben Ainslies Ineos Team UK bereits gefunden und besiegelt. Dafür gibt es zwar namentlich weiterhin keine offizielle Bestätigung der beteiligten Teams, dennoch berichten in der Regel gut informierte Kiwi-Medien über diese neue neuseeländisch-britische Ehe als Fakt. Wie etwa das Online-Magazin "stuff": "Team UK ist der nächste Challenger of Record, der an der Seite von Verteidiger Team New Zealand arbeitet. Sir Ben Ainslies Syndikat, getragen vom britischen Milliardär Sir Jim Ratcliffe, wird die italienische Kampagne Luna Rossa im nächsten Cup-Zyklus ersetzen."

Lloyd Images / Ineos Team Uk Gespannt wartet die Cup-Welt darauf, welche Rolle Sir Jim Ratcliffe und Sir Ben Ainslie im 37. America's Cup spielen werden

Die "Scheidung" vom bisherigen italienischen "Challenger of Record" und die "Neuvermählung" mit den Briten spricht nicht dafür, dass zwischen Neuseeländern und Azzurri bei den Vorbereitungen für den 36. America's Cup in fordernden Pandemie-Zeiten viel Harmonie herrschte – denn sonst wäre eine Fortsetzung der "Ehe" für das Emirates Team New Zealand sicher die einfachere Variante gewesen, als sich wieder an einen neuen Partner zu gewöhnen. Was den Ausschlag für die neue "Cup-Heirat" zwischen Kiwis und Briten gegeben hat, ist noch nicht klar. Ein spannendes Gerücht dazu jagt das nächste. So wie das von der Idee eines möglichen Exklusiv-Duells zwischen Neuseeland und dem Cup-Mutterland Großbritannien im kommenden Jahr vor der Isle of Wight, dort, wo 1851 einst alles begann. Eine verrückte Idee? Ein historisches Traumszenario? Würden die Kiwis nie machen? Keiner weiß es aktuell so ganz genau. An finanziellen Möglichkeiten, ein solches "Deed of Gift"-Match zur Zufriedenheit und Begeisterung der beteiligten Teams finanziell zu stemmen, hätte der britische Rennstallbesitzer Jim Ratcliffe wohl. Er gilt als vermögendster Mann Großbritanniens.

EXKLUSIV-MATCH IM MUTTERLAND?

Das heiß diskutierte mögliche "Match im Mutterland" könnte aber ebenso gut ein von den Kiwis wohlkalkuliertes und klug gestreutes Gerücht sein, um zu erreichen, was bereits im Ansatz geschehen ist: ihre Regierung über die überschwenglichen Glückwünsche von Premierministerin Jacinda Ardern hinaus zur frühen Zusicherung starker finanzieller Unterstützung für die Folgekampagne zu bewegen, damit die Nationalhelden nur ja nicht auf den Gedanken kommen, das heimische Segelparadies Neuseeland für die nächste Verteidigung aus monetären Gründen gegen eines in Übersee einzutauschen. Aktuell lassen die Kiwis an den Schalthebeln der Macht die Cup-Welt auf die Skizzierung der Zukunft warten – und befeuern die brodelnde Gerüchteküche damit erst recht.

ACE | Studio Borlenghi Motivator, Dominator, Terminator: America's-Cup-Gewinner und Skiff-Olympiasieger Peter Burling, sein Flugregler und 49er-Vorschoter Blair Tuke und das Emirates Team New Zealand bleiben das Maß der Dinge im America's Cup. Stellvertretend für alle reckt Teamplayer Burling die schwere Kanne in den Himmel über Auckland

Emirates Team New Zealand Der America's Cup in seiner Vitrine in der RNZYS in Auckland

Nur die royale Verbindung zwischen der Royal New Zealand Yacht Squadron (RNZYS) in Auckland und der Royal Yacht Squadron (RYS) auf der Isle of Wight, die scheint tatsächlich zu existieren, wenn sie auch bislang offiziell namentlich unbestätigt blieb. Bestätigt ist lediglich, dass es eine Herausforderung gegeben hat, die angenommen wurde. Ebenso bestätigt ist, dass der britische RYS-Kommodore James Sheldon und sein Team in den vergangenen Tagen in Auckland weilten und das große Finale beobachtet haben. RNZYS-Kommodore Hayden Porter bestätigte gegenüber mehreren neuseeländischen Medien: "Wir haben eine Herausforderung für den 37. America's Cup erhalten. Da werden noch eine Menge Details folgen; es werden sich in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten Diskussionen entwickeln. Daraus wird sich alles Weitere ergeben. Das hat alles auf dem Wasser stattgefunden – alle Details werden schon in einer kleinen Weile enthüllt."

ACE | Studio Borlenghi Geschlagen, aber aufrecht: Der italienische Teamchef Max Sirena und sein Steuermann Francesco Bruni in einem bewegenden Moment nach der Niederlage der Azzurri. Die Szene fing Altmeister Carlo Borlenghi mit dem sicheren Auge für die großen Augenblicke ein

Der siebte und letzte Renntag des 36. America's Cup zum Genießen

America's-Cup-Fans und auch potenzielle Teams für den neuen Zyklus halten den Atem an und warten sehnsüchtig auf die wichtigsten Informationen. Der in Italien stürmisch auf allen Titelseiten gefeierte und aufgrund seiner Beständigkeit im Kampf um den America's Cup hochverehrte Prada-Patriarch Patrizio Bertelli hat über seine Cup-Segler bereits erklären lassen, dass er für eine siebte Herausforderung bereit wäre. Dafür müsste es allerdings auch einen 37. America's Cup geben, der allen interessierten Herausforderern offensteht. Die älteste umkämpfte Trophäe der Sportwelt bleibt nicht nur für Bertelli ein Stück Silber großer Begierde. Vorerst jedoch steht die kitschig verschnörkelte Kanne in ihrer bekannten Vitrine im eigenen Raum der Royal New Zealand Yacht Squadron – wenn sie nicht gerade auf einem der geplanten Triumphzüge des siegreichen Teams durchs Heimatland sein wird.

Zu den großen Siegern des 36. America's Cup zählt "The Boss": Grant Dalton, das attestieren ihm auch die notorisch kritischen neuseeländischen Medien, mit denen Dalton mehr als einmal im Clinch lag, ist mit dem erneuten Triumph endlich aus dem langen Schatten seines legendären Vorgängers Sir Peter Blake getreten, dessen Name seit dem ersten Cup-Sieg der Kiwis 1995 für neuseeländische Segelgüte steht. Der am 6. Dezember 2001 von Piraten bei einer Amazonas-Expedition ermordete Weltumsegler, Cup-Triumphator und Umweltschützer Sir Peter Blake hatte die erfolgreiche Cup-Ära seiner Landsleute vor mehr als drei Jahrzehnten mitbegründet und eingeläutet. Inzwischen ist Grant Dalton längst sein souveräner Nachfolger. Der fünfmalige Whitbread-Round-the-World-Weltumsegler und Haudegen hatte das Cup-Steuer für die Kiwis nach der deprimierenden 0:5-Heimniederlage 2003 in Auckland zur Stunde null übernommen. Dalton ist mit seinem Team seitdem nicht ohne Grund sehr, sehr weit gekommen, auch wenn er im Zwischentief die dramatische 8:9-Niederlage der Kiwis gegen das Oracle Team USA 2013 in San Francisco wegzustecken hatte und beinahe abgetreten wäre. Dafür aber ist er zu sehr Kämpfer und stolzer Neuseeländer – in guten wie in schlechten Zeiten. Nach zwei Siegen in Folge bleibt "Dalts" der Dreh- und Angelpunkt bei der Gestaltung der Cup-Zukunft.

Emirates Team New Zealand Ein Königreich für seine Gedanken: Grant Dalton wird stark mitbestimmen, auf welchem Kurs der America's Cup in die Zukunft segelt

Carlo Borlenghi Dieses neuseeländische Triumphbild mit Grant Dalton, Skipper Glenn Ashby und Steuermann Peter Burling (v.r.) entstand nach dem Bermuda-Sieg 2017. Man könnte es jetzt wieder verwenden, denn alle Schlüsselmitglieder im Emirates Team New Zealand sind geblieben und haben erneut gemeinsam gewonnen…


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: America's CupEmirates Team New ZealandGrant DaltonLuna Rossa Prada Pirelli

Anzeige