Regatta
America's Cup: Heute Nacht wieder Rennen, Briten droht DSQ

Am frühen Morgen startet das Finale der Herausforderer. Die Briten sind mit einer gelben Karte vorbelastet

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 12.02.2021
Luna Rossa (vorn) gegen Ineos Team UK in den Round Robins Luna Rossa (vorn) gegen Ineos Team UK in den Round Robins Luna Rossa (vorn) gegen Ineos Team UK in den Round Robins

COR 36 | Studio Borlenghi Luna Rossa (vorn) gegen Ineos Team UK in den Round Robins

Für Cup-Fans wird es eine kurze Nacht. Um 16.00 Uhr neuseeländischer Zeit, 4.00 Uhr früh in Deutschland, beginnt das Finale des Prada Cup. Das britische Ineos Team UK und das italienische Luna Rossa Team treffen aufeinander. Maximal 13 Rennen werden gesegelt, wer zuerst sieben Mal gewinnt, ist bester Herausforderer und tritt ab 6. März gegen Verteidiger Neuseeland an. Das Prada-Cup-Finale kann sich theoretisch über eine Woche hinziehen.

COR 36 | Studio Borlenghi Wer den Prada Cup gewinnt, kämpft um den America's Cup

Und es verspricht einiges an Spannung. Das letzte Mal, dass Ineos Team UK und Luna Rossa Prada Pirelli gegeneinander antraten, war in der Round Robin 4 in einem Match, in dem neun Führungswechsel stattfanden und über den Sieg erst auf den letzten Metern entschieden wurde. Es könnte also eine lange und hart umkämpfte Serie werden.

Jedoch treffen die Kontrahenten bei Weitem nicht in dem Zustand aufeinander, in dem sie sich vor drei Wochen trennten. Die Briten konnten sich bereits nach den Round Robins für dieses Finale qualifizieren und die drei Wochen Rennpause für Verbesserungen am Boot nutzen. Bereits in den drei Wochen seit dem Christmas Race und bis zum Beginn der Round Robins hatten sie enorme Fortschritte in Bezug auf Bootsgeschwindigkeit und Bedienung gemacht.

Dass der jetzige Entwicklungssprung jedoch ebenso deutlich ausfallen wird, ist eher unwahrscheinlich. Tatsächlich hatte es schon Spekulationen gegeben, die Briten hätten im Christmas Race nicht alles gezeigt, was sie können. Das entspricht wohl sogar der Wahrheit, hatte jedoch nicht den Grund, die Gegner zu verwirren. "Wir wussten, dass wir in einigen Bereichen Schwächen hatten und hatten auch schon die Lösungen", sagt der Konstrukteur Rolf Vrolijk, der die Briten berät. "Uns fehlte aber die Zeit, die Modifikationen noch vor dem Christmas Race vorzunehmen, und wir mussten mit bekannten Schwächen antreten."

Zeit ist bei der britischen Kampagne von Beginn an ein entscheidender Faktor. Sie waren nicht in die Erarbeitung der Klassenregeln involviert wie Luna Rossa und die Neuseeländer. Das verschaffte diesen einen Entwicklungsvorteil. "Wir waren immer etwa sechs bis sieben Monate zurück", sagte Ineos-Skipper Sir Ben Ainslie.

Deshalb wird es jetzt spannend zu sehen sein, ob sein Team die erneuten drei Wochen Rennpause ähnlich nutzen konnte. Vor allem im Schwachwindbereich hatte es noch Defizite gegeben. "Wir wissen, dass wir bei Leichtwind schneller sein müssen", so Ainslie. "Das war für uns eine Art Achillesferse. Luna Rossa hat besonders bei Leichtwind seine beste Leistung erbracht."

"Wir haben in dieser Zeit sehr hart gearbeitet, und unser Team hat sich an die Aufgabe gehalten, jede Unze Leistung aus dem Boot herauszuholen", so Ainslie. "Es war eine schwere Zeit, besonders für das Landteam. In den letzten zehn Tagen waren wir wieder auf dem Wasser und haben versucht, die Intensität zu steigern und sicherzustellen, dass wir fit sind."

Jedoch ist das britische Team mit einer gelben Karte belastet. Schon vor Beginn der Round Robins hatten die Italiener erfolgreich gegen ein Segelsystem bei den Briten protestiert, das angeblich nicht regelkonform gewesen sein soll. Dabei handelt es sich um eine Trimmleine zur Bedienung des Großsegels, welche durch ein Loch im Segel von einer Seite zur anderen geführt wird. Löcher sind jedoch verboten. Die Großsegel der Kraken-Foiler bestehen aus zwei aneinander liegenden Folien, also quasi zwei Großsegeln. Dürfte zwischen diesen Luft eingesogen werden, könnte mit einer Art Luftpolster das Profil beeinflusst werden. Das ist verboten. Das Loch bei den Briten diente jedoch nicht diesem Zweck, weshalb es auch von den Vermessern als nicht leistungssteigernd eingestuft wurde. Regelkonform war es dennoch nicht, weshalb die Italiener mit ihrem Protest durchkamen und die Briten eine Verwarnung erhielten.

Zwar dauern die Verhandlungen in diesem Fall immer noch an. Um die gelbe Karte loszuwerden, bedarf es aber der Zustimmung der Italiener, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie diesen Vorteil aufgeben werden. Bei einem erneuten Verstoß droht den Briten die Disqualifikation von der betreffenden Wettfahrt. Das könnte durchaus eine entscheidende im Finale sein. "Das ist das Spiel. Wir werden mit offenen Augen in das Prada-Cup-Finale gehen, was einige Taktiken betrifft", sagte Ainslie.

Doch auch die Italiener waren nicht untätig. Teamdirektor Max Sirena: "Zu Beginn dieser Kampagne waren wir bei Starkwind in der Geschwindigkeit etwas unterlegen, vielleicht, weil wir nicht viele windige Tage hatten, als wir mit Boot Nummer zwei starteten. "Als wir die Round Robin beendet hatten, haben wir begonnen, bei mehr Wind mit dem Boot zu arbeiten, und jetzt fühlen wir uns ziemlich sicher in Bezug auf die Windverhältnisse. Als wir am Freitag im Halbfinale gefahren sind, war es der windigste Tag, an dem wir gesegelt sind, und wir haben diesen Tag genutzt, um die Art und Weise zu entwickeln, wie wir das Boot segeln. Und wir waren wirklich zufrieden mit der Leistung."

Zusätzlich wurde einiges am Boot erneuert: "Seit wir das letzte Mal gegen Ineos Team UK angetreten sind, haben wir neue Foils, einen neuen modifizierten Mast und einen neuen Segelsatz auf das Boot gebracht und zudem viel Entwicklung in die Softwaresysteme gesteckt", sagte Sirena. "Und wir haben uns stark in der Kommunikation verbessert. Insbesondere an Bord, da wir beim letzten Rennen viele Fehler gemacht haben und wir versuchen wollen, mit einem Fehler weniger als Ineos aus dem Finale hervorzugehen."

Für Samstag stehen zwei Wettfahrten auf dem Programm, ebenso für Sonntag. Dann gibt es eine zweitägige Rennpause, bevor vom 17. bis 21. dieses Monats wieder jeweils zwei Rennen gefahren werden sollen. Das mögliche 13. und letzte Match wäre dann am 22. Februar; das Finale kann aber auch schon am 19. Februar zu Ende sein, sollte einem Team ein 7:0-Durchmarsch gelingen.

Das obere Windlimit wurde übrigens nicht, wie ursprünglich geplant, von 21 auf 23 Knoten angehoben, sondern bleibt unverändert. Alle Wettfahrten werden live kostenlos übertragen und sind auf der  Cup-Webseite , auf  Youtube  sowie  Facebook  zu verfolgen. Für Mobilgeräte ist keine Extra-App erforderlich. Die Wiederholungen sollen direkt nach Ende jeder Wettfahrt auf diesen Kanälen bereitgestellt werden.


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Themen: AinslieAmerica's CupIneos Team UKLuna Rossa

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