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America’s Cup: Briten als "Challenger of Record" bestätigt

Sir Ben Ainslies Team ist federführender Herausforderer im 37. America’s Cup. Angekündigt ist das Comeback einer strengen Nationalitäten- und der Ein-Boot-Regel

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor einem Monat
Cup-Ouvertüre in Cowes am 31. August 2018 Cup-Ouvertüre in Cowes am 31. August 2018 Cup-Ouvertüre in Cowes am 31. August 2018

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Der erfolgreichste Olympiasegler der Sportgeschichte erhält seine dritte America’s-Cup-Chance unter britischer Heimatflagge: Sir Ben Ainslie und das Ineos Team UK – im 36. America’s Cup dem italienischen "Luna Rossa"-Team im Herausforderer-Finale 1:7 unterlegen – will es wissen. Die Briten übernehmen mit der Rolle des "Challenger of Record" mitentscheidende Verantwortung bei der Planung für den 37. America’s Cup. Die Herausforderung wurde laut Presse-Statement der Briten am 17. März an Bord der Yacht "Imagine" von Bertie Bicket, Vorsitzender der Royal Yacht Squadron, überbracht und von Aaron Young, Kommodore des Royal New Zealand Yacht Squadron, akzeptiert.

Lloyd Images / Ineos Team Uk Wo Sir Jim Ratcliffe und Sir Ben Ainslie hinwollen, ist klar: Der America's Cup soll endlich nach Großbritannien zurückkehren

Wie in modernen Zeiten üblich, wurde die Vereinbarung beim Zieldurchgang der Neuseeländer zu ihrem vierten America’s-Cup-Sieg nach 1995, 2000 und 2017 unterzeichnet. Nur so können der Verteidiger und der vorab gewählte "Challenger of Record" verhindern, dass ein anderes Team dem von den Verteidigern gewählten Spielpartner für die kommende Auflage dazwischengrätschen kann.

Mit der Bestätigung ihrer neuen Rolle verkündeten die Briten am Freitagmorgen auch die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit ihrem Titelsponsor: "Ineos hat bestätigt, dass sie Sir Ben Ainslies Team weiter dabei unterstützen, die älteste Sporttrophäe zu gewinnen und die Kontinuität zu gewährleisten, die ein Eckpfeiler jedes erfolgreichen America’s-Cup-Teams ist." Damit nimmt zum ersten Mal seit der Sir-Thomas-Lipton-Ära zwischen 1899 und 1930 ein britisches Team dreimal in Folge am America’s Cup teil.

ACE | Studio Borlenghi Auch der 37. America's Cup soll auf den Einrumpf-Foilern der AC75-Klasse bestritten werden

DIE AC75-KLASSE BLEIBT

Teamchef Sir Ben Ainslie, der den America’s Cup 2013 mit dem Oracle Team USA gewinnen konnte, die Silberkanne aber unbedingt in ihr Ursprungs- und sein Heimatland Großbritannien zurückholen will, sagte: "Das Ineos Team UK will an der Seite des Emirates Team New Zealand und unseren jeweiligen Yacht-Clubs dafür arbeiten, die Entwicklung des historischen Events voranzubringen." Gleichzeitig bestätigten die Briten die Beibehaltung der neuen futuristischen Foil-Einrumpfer: "Die Einführung der AC75-Klasse hat sich als Moment der Transformation in der Geschichte des America’s Cup erwiesen und wird der Grundstein einer wahrhaft leuchtenden Zukunft sein."

Die "Ehe" zwischen den Neuseeländern und den Briten ist ein spannendes Projekt mit einigem Potenzial. 170 Jahre nach der Cup-Premiere 1851 rücken die Engländer damit ihrem großen Traum näher, die Trophäe erstmals seit der damaligen Niederlage wieder in ihr Mutterland zurückzuholen. Um den America’s Cup wird bereits 45 Jahre länger gerungen als um Medaillen bei den modernen Olympischen Spielen. Zuletzt stand 1964 mit der Zwölf-Meter-Yacht "Sovereign" ein britischer Herausforderer in einem Duell um den America’s Cup.

Die herausfordernde Royal Yacht Squadron (RYS) gilt als wichtigster Yacht-Club Großbritanniens. Das weltbekannte Clubhaus befindet sich im Cowes Castle auf der Isle of Wight im Südwesten Englands. Gegründet wurde der Verein als The Yacht Club am 1. Juni 1815. Als erstes deutsches Mitglied wurde dort einst Kaiser Wilhelm II. aufgenommen, später mit dem Hamburger Hans-Otto Schümann auch der "Vater des deutschen Hochseesegelsports".

Gleichzeitig mit den Briten bestätigten auch die Kiwis den neuen "Challenger of Record". Die Royal New Zealand Yacht Squadron hat die Herausforderung unserer langjährigen britischen Freunde der Royal Yacht Sqaudron erhalten und bestätigt", sagte Aaron Young. Es sei großartig, die RYS vor dem Hintergrund wieder an Bord zu haben, dass sie die Trophäe erstmals präsentiert habe. Das von weiteren potenziellen Herausforderern sehnsüchtig erwartete Protokoll mit den Eckdaten für den 37. America’s Cup jedoch wird noch auf sich warten lassen. Die Verteidiger kündigten es für "die kommenden acht Monate", also für den Zeitraum bis November 2021 an.

ACE | Studio Borlenghi Hier feiern die Kiwis noch, doch hinter den Kulissen wurden die Weichen für den 37. America's Cup im Doppelpass mit den Briten bereits gestellt

DIE EIN-BOOT-REGEL KOMMT

Klargestellt ist bereits, dass die AC75-Klasse beibehalten wird. Dazu die Vorschrift, dass jedes Team nur eine neue AC75 für die kommende Edition bauen darf. Das spart einerseits Kosten, räumt Verteidiger und "Challenger of Record" aber bereits jetzt enorme Vorteile gegenüber neuen Herausforderern ein, die möglicherweise erstmals mit einem Boot der AC75-Klasse dabei sein wollen. Ebenfalls neu in Planung: Es wird im 37. America’s Cup nur ein verantwortlicher Veranstalter für die Durchführung aller Rennen und das Management der kommerziellen Aktivitäten eingesetzt. Damit sollen Auseinandersetzungen wie im 36. America’s Cup zwischen den neuseeländischen Verteidigern und dem italienischen "Challenger of Record" vermieden und der America’s Cup auf ein solideres Managementfundament gestellt werden. Weitere "kostensparende Kampagnenpakete" wurden angekündigt, um eine höhere Anzahl von Herausforderern und den internationalen Aufbau neuer Teams zu beflügeln.

COMEBACK DER NATIONALITÄTENREGEL

Künftige Cup-Segler eines Teams müssen entweder seit dem 19. März den Pass des Landes besitzen, für das sie antreten, oder mindestens zwei von drei Jahren vor dem 18. März 2021 physisch in dem Land präsent gewesen beziehungsweise für das Land im America’s-Cup-Einsatz gewesen sein. Das ist eine harte Regel, weil die Daten nach Ende des heutigen Tages in der Vergangenheit liegen. Ein Schelm, wer dabei an die nun beschränkten Möglichkeiten für Cup-Größen wie einen Jimmy Spithill oder andere Top-Akteure denkt. Als Ausnahme soll sogenannten Entwicklungsländern ein Ermessensspielraum seitens der Veranstalter eingeräumt werden. Da bleibt die Frage, welche Länder mit Blick auf den America’s Cup als solche eingestuft werden. Die Bekanntgabe des kommenden Austragungsreviers soll bis spätestens September 2021 erfolgen.

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Themen: America's CupEmirates Team New ZealandJim RatcliffeRoyal Yacht SquadronSir Ben Ainslie


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