Regatta
America's Cup: 1:1, spannender Beginn, wichtige Erkenntnisse

Das erste Aufeinandertreffen von Verteidiger und Herausforderer im America's Cup ging unentschieden aus. Die Rennen enthüllten einiges

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 10.03.2021
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COR 36 | Studio Borlenghi .

Der erste Tag des 36. America's Cup enttäuschte nicht. Verteidiger Emirates Team New Zealand und Herausforderer Luna Rossa Prada Pirelli konnten jeweils ein Rennen gewinnen. Die wichtigste Erkenntnis aus diesen beiden Races ist, dass es keinen Raum für Fehler gibt, dass beide Boote in diesen Bedingungen etwa gleich schnell sind und dass dann der Start entscheidet, welches Team im Ziel vorn sein wird. Den ersten Start gewannen die Neuseeländer und dann auch die Wettfahrt, im zweiten Aufeinandertreffen war es umgekehrt.

Rennen 1 und 2 in der Aufzeichnung

"Wir sind sehr zufrieden mit der Geschwindigkeit des Bootes, und es ist offensichtlich, dass wir noch einige sehr gute Rennen haben können", sagte Francesco Bruni, Co-Steuermann bei den Italienern, nach den Rennen. Der Sieg im zweiten Rennen sei für sein Team  "ein Stück weit eine Entlastung gewesen. Was wurde nicht alles vor dem Rennen behauptet, die Kiwis seien fünf, sogar zehn Knoten schneller. Das war offensichtlich nicht der Fall."

Der Tag zeigte, dass es gar nicht darauf ankommt, ob eines der Boote einen leichten Geschwindigkeitsvorteil hat. In manchen Situationen schienen die Neuseeländer einen Tick schneller zu sein, dafür die Italiener manövrierfähiger. Vielmehr zwingt der enge Rennkurs mit seinen Begrenzungen die Crews zu frühen Wenden oder Halsen, ein Geschwindigkeitsvorteil kann kaum ausgespielt werden. Das Boot, welches einmal die Führung übernommen hat, ist so kaum zu überholen, da es das zurückliegende Boot mit den eigenen Abwinden ausbremsen kann. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht neu, im gesamten Prada Cup gab es nur ein Rennen mit einem Führungswechsel.

COR 36 | Studio Borlenghi Die Foils der Neuseeländer, im Vergleich zu denen der Italiener mit etwa 20 Prozent weniger Fläche, brachten bei diesem Wind keinen entscheidenden Vorteil

Das bestätigte auch Peter Burling, Steuermann der Neuseeländer: "Wenn man am Start hinten ist, wird es sehr schwer zu passieren. Aber wir sind sehr froh, dass wir dicht dran bleiben konnten." Bruni ergänzte: "Das hat viel mit den Bedingungen zu tun. In diesen sehr stabilen Windverhältnissen profitiert das führende Boot. Wenn der Wind böiger wird mit stärkeren Drehern, werden wir mehr Führungswechsel sehen."

Rennen 1

America's Cup Die Neuseeländer sind am Start etwas dichter an der Linie und haben etwas mehr Geschwindigkeit

Bei zehn bis zwölf Knoten Wind starteten beide mit Wind von Steuerbord. Die Neuseeländer hatten an der Linie mehr Geschwindigkeit und lagen sofort etwa eine halbe Bootslänge voraus in Luv der Italiener – für diese eine hoffnungslose Situation. Wären sie so weiter gesegelt, hätten die Neuseeländer sie vermutlich überlaufen und in der Kontrolle gehabt. Spätestens an der Kursbegrenzung, welche beide zur Wende gezwungen hätte, hätten die Neuseeländer in Luv voraus der Italiener gelegen, eine noch hoffnungslosere Position, da diese nicht sofort wegen der Begrenzung hätten wegwenden können.

America's Cup Das Luvmanöver der Italiener. Die Kiwis sind zu schnell und können sich aus der Überlappung befreien

Co-Steuermann Jimmy Spithill, der bei den Italienern auf der Steuerbordseite steuert und in diesem Moment am Ruder war, entschied sich zu einem Verzweiflungsmanöver. Er luvte an, um die Neuseeländer zur selben Reaktion zu zwingen und diese damit entweder von den Foils zu holen oder zum Wegwenden zu verleiten, was eine Aufgabe der Kontrolle bedeutet hätte. Doch das Manöver misslang. Die Neuseeländer waren zu schnell, rutschten über die Italiener, lösten die Überlappung und konnten frei weiter segeln. Im Gegenzug kostete das Manöver die Italiener viel Speed, und sie lagen endgültig in den Abwinden der Neuseeländer. Das Rennen war entschieden.

Rennen 2

America's Cup Die Neuseeländer liegen zu tief hinter der Linie

Bei etwas mehr Wind um 13 Knoten ging das Vorstartduell zunächst ähnlich aus wie im ersten Rennen. Die Italiener näherten sich der Linie mit Wind von Steuerbord, die Neuseeländer folgten im Kielwasser. Diesmal jedoch stimmte das Timing der Neuseeländer nicht. "Wir wollten in Luv starten, lagen aber zu weit hinter der Linie, das war ein klarer Fehler", sagte Burling. Kurz vor dem Start mussten die Neuseeländer wenden, um zur Linie zu segeln, die Italiener waren aber bereits dort, wendeten mit dem Startsignal ebenfalls und lagen sofort in Luv gleichauf mit den Neuseeländern, was Kontrolle über diese und einen Vorsprung von etwa 70 Metern bedeutete. Die jetzt mit Spannung erwartete Antwort auf die Frage, ob sich die Neuseeländer mit ihrem vermeintlich besseren Speed aus solch einer Situation befreien könnten, wurde beantwortet: Sie können es nicht. Die Italiener bauten ihren Vorsprung immer weiter aus.

America's Cup Die Neuseeländer müssen wegwenden, die Italiener gehen sofort mit und kontrollieren das Rennen

Doch die Italiener machten es noch einmal spannend. Nach dem zweiten Vormwindgang hatten sie einen Vorsprung von 430 Metern. Am Leetor entschieden sie sich für die rechte Seite des Kurses, offenbar, weil sie diese für die bessere hielten. Die Neuseeländer gingen nach links und gewannen. Am Luvtor betrug ihr Rückstand nur noch zwölf Sekunden von zuvor 24. Und sie holten auf dem letzten Vormwindgang weiter auf. Im Ziel waren es nur noch sieben Sekunden Rückstand.

Am Donnerstag ist der einzige Ruhetag, ab Freitag geht es jeweils um 4.15 Uhr morgens mit jeweils zwei Wettfahrten pro Tag weiter.


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Themen: America's Cup

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