Zweite Formel-1-Ehe für den America's Cup
Das Cup-Comeback: Alinghi Red Bull Racing durchgestartet

Erst hat sich Sir Ben Ainslies Cup-Syndikat Ineos Britannia mit dem Mercedes-AMG Petronas F1 verheiratet, nun folgen die Eidgenossen mit Alinghi Red Bull Racing

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 14.12.2021
Die erste Pressekonferenz des neuen Cup-Teams Alinghi Red Bull Racing mit Rennstallbesitzer Ernesto Bertarelli (r.) und dem erfahrenen neuseeländischen Skipper Brad Butterworth (3. v. r.) Die erste Pressekonferenz des neuen Cup-Teams Alinghi Red Bull Racing mit Rennstallbesitzer Ernesto Bertarelli (r.) und dem erfahrenen neuseeländischen Skipper Brad Butterworth (3. v. r.) Die erste Pressekonferenz des neuen Cup-Teams Alinghi Red Bull Racing mit Rennstallbesitzer Ernesto Bertarelli (r.) und dem erfahrenen neuseeländischen Skipper Brad Butterworth (3. v. r.)

Screenshot/Alinghi Red Bull Racing/Pressekonferenz Die erste Pressekonferenz des neuen Cup-Teams Alinghi Red Bull Racing mit Rennstallbesitzer Ernesto Bertarelli (r.) und dem erfahrenen neuseeländischen Skipper Brad Butterworth (3. v. r.)

Fast zwölf Jahre nach seinem letzten Rennen im America's Cup am 14. Februar 2010 startet Ernesto Bertarellis Schweizer Team Alinghi wieder durch. Die Eidgenossen haben ein neues Team formiert und greifen als Alinghi Red Bull Racing nach der ältesten internationalen Trophäe der Sportwelt. Nach dem britischen Team Ineos Britannia, das sich mit dem Formel-1-Team Mercedes-AMG Petronas zusammengetan hat, hat nun auch die Mannschaft des Milliardärs und Regattaseglers Bertarelli unter dem Vereinsdach der Société Nautique de Genève aufgerüstet. Das neue Team wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Alinghi Red Bull Racing Segler, Alinghi-Gründer und Rennstallbesitzer Ernesto Bertarelli auf der Pressekonferenz beim Handshake mit Doppel-Olympiasieger und Red-Bull-Mann Hans-Peter Steinacher

tati Das waren noch Zeiten: Ernesto Bertarelli im 32. America's Cup auf dem roten Sofa des Alinghi-Hauptquartiers in Valencia

"Wir waren eigentlich nie wirklich weg, haben über die Jahre weiter Regatten mit schnellen Booten bestritten, was unsere DNA ist. Wir werden es mit in der Schweiz geborenen Seglern angehen", sagte der 56-jährige Bertarelli, dessen Team Alinghi den America's Cup als erste europäische Mannschaft in Neuseeland gewinnen und 2007 vor Valencia verteidigen konnte. Fragen zum Team-Budget und zum möglichen Erwerb einer gebrauchten AC-75-Cup-Yacht aus dem 36. America's Cup beantwortete das Team zunächst nicht. Dagegen betonte Bertarelli mehrfach seine Begeisterung für das Land der Ausrichter: "Meine Familie, mein Team und ich selbst haben uns in Neuseeland immer sehr wohl gefühlt und würden dort gerne segeln. Wir sind aber auch für jeden anderen Austragungsort bereit." Die Kiwis hatten zuletzt weiter für ihre Übersee-Pläne geworben, weil die Finanzierung von Event und Team im eigenen Land in Corona-Zeiten schwierig schwierig geworden sei. Im Gespräch sind als mögliche Austragungsorte das irische Cork, Valencia und Dschidda in Saudi-Arabien.

Alinghi/Th. Martinez So sind die die Schweizer als Cup-Team in bester Erinnerung

Zur Partnerschaft mit den aktuellen Formel-1-Weltmeistern von Red Bull, für die der Niederländer Max Verstappen am Sonntag zu seinem ersten und dem fünften WM-Titel seines Teams raste, sagte Bertarelli: "Red Bull bringt Siege in die Partnerschaft ein. Wir treten gegen Mercedes und Ineos an, vielleicht ja auch gegen Ferrari. Das ist unglaublich aufregend!" Mit Bertarellis Ferrari-Hinweis ist eine mögliche Kooperation von Patrizio Bertellis Rennstall Luna Rossa mit dem legendären Rennstall aus Maranello angesprochen. Noch aber haben die Italiener selbst sich nicht offiziell zum Antritt im 37. America's Cup geäußert. Bekannt ist allerdings, dass auch sie bereits Leute eingestellt haben.

Die neuen Partner Alinghi und Red Bull haben sich in den vergangenen Jahren als Gegner auf dem Wasser in der Extreme Sailing Series kennen- und schätzengelernt. Doppel-Olympiasieger Hans-Peter Steinacher, der Red Bull bei der Pressekonferenz vertrat, erinnert sich an einen denkwürdigen Moment 2014 im chinesischen Qingdao. Damals war es zwischen ihm und der Crew um seinen Segelpartner Roman Hagara auf "Red Bull" fast zum Crash mit dem Schweizer Team Alinghi gekommen. "Das war sowas wie unser erster Kuss", erzählte Steinacher, "jetzt geht es um das Größte, das man im Segelsport erreichen kann. Wir als Red Bull werden alles tun, um das Team erfolgreich zu machen."

Das Startgeld von rund 1,33 Millionen Euro hat das Team bereits bezahlt. Red Bulls Formel-1-Teamchef Christian Horner, dessen Stimme nach dem aufregenden Formel-1-Wochenende und den vielen WM-Siegesfeiern noch angeschlagen war, sagte: "Wir nehmen die Formel-1-DNA und verwenden sie für das Boot. Da ist die volle Energie drin." Das Team Alinghi Red Bull Racing wird sein Hauptquartier in der Nähe von Lausanne in Écublens aufbauen, wo auch der AC75-Bootsrumpf entsprechend der Bestimmungen der Cup-Stiftungsurkunde entstehen wird. Die künftige Segel-Crew beschrieb das Team als "100 % Swiss made".

Alinghi Red Bull Racing Red Bulls Teamchef Christian Horner war nach der WM-Siegesfeier seines Formel-1-Rennstalls am vergangenen Wochenende auch am Dienstag noch in bester Laune, meldete sich mit lädierter Stimme, aber heiter und optimistisch zu den Plänen des neuen Cup-Teams Alinghi Red Bull Racing

Team Alinghi/T. Martinez So feierte das Team Alinghi einst seinen Cup-Triumph. Geht es nach den Schweizern, darf auch der neue Gipfelsturm mit roten Rosen und in Siegerlaune enden…

Als Skipper stellte Alinghi Red Bull Racing den viermaligen America's-Cup-Gewinner Brad Butterworth, 62, aus Neuseeland vor, der mit seiner Erfahrung zum dritten Schweizer Cup-Sieg nach 2003 und 2007 beitragen soll. Das könnte in einer Rolle geschehen, wie sie Max Sirena als Dirigent für das Luna Rossa Prada Pirelli Team im 36. America's Cup ausgeübt hat. Butterworth sagte, er wolle "die alte Schule in die neue Welt tragen". Als Steuermann zählt der Schweizer Arnaud Psarofaghis zum noch kleinen Kernteam, das die Schweizer am Dienstag vorstellten. Der 37. America's Cup findet 2024 statt. Über das Austragungsrevier soll bis März 2022 entschieden werden. Das Alinghi-Red-Bull-Racing-Ziel bis dahin brachte Projektleiter Silvio Arrivabene auf einen Nenner, indem er sich erneut auf den aktuellen Red-Bull-WM-Triumph am vergangenen Wochenende bezog: "Wir haben am Sonntag gesehen, wie sich ein Traum realisiert hat. Nun gehen wir wieder darauf los."


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Themen: America's Cup

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