America's Cup
Alinghi lässt die Muskeln spielen

Die America’s-Cup-Sieger gewinnt ungeschlagen Act 4. Deutschland belegt Platz zehn

  • Carsten Kemmling
 • Publiziert am 21.06.2005

Es geht auch ohne Russell Coutts. Das hat Alinghi eindrucksvoll mit seinem überlegenen Sieg beim ersten ernsthaften Aufeinandertreffen aller zwölf America’s-Cup-Teams bewiesen. Die Schweizer gewannen heute das Abschlussrennen gegen Luna Rossa mit großem Abstand, obwohl sie sich für den Gesamtsieg eine Niederlage hätten leisten können.

Das Team hatte noch im vergangenen Jahr bei den Show-Rennen gegen BMW Oracle den Eindruck erweckt, als würde es seinen Vorsprung verlieren. Aber Jochen Schümann, dessen Position bei Alinghi seit der Trennung von Coutts noch stärker geworden sein soll, stellte für Valencia ein verändertes, aber schlagkräftiges Team zusammen.

So musste Ernesto Bertarelli seinen Platz als Navigator an Juan Vila abgeben. Der Chef war bei den ersten Rennen noch nicht an Bord und wurde auch bei dem wichtigen Prestige-Rennen gegen BMW Oracle nicht eingesetzt. Danach war er an der Runner/Grinder-Position zu sehen. Außerdem hat der spanische 470er-Olympiasieger Jordi Calafat die Position am Traveller von dem erfahrenen Murray Jones übernommen.

Eine weitere Veränderung war der Einsatz von SUI 75. Das neuere Schiff, das eigentlich beim America’s-Cup-Finale 2003 eingesetzt werden sollte, war bisher noch kein offizielles Rennen gesegelt. Rolf Vrolijk hatte es in Auckland zu Testzwecken sogar mit einem Hula-Rumpfanhang ausgerüstet, wie ihn die Neuseeländer besaßen. Valencia hat gezeigt, dass der in Hamburg lebende Alinghi-Chef-Designer seit des Cup-Gewinns nicht auf der faulen Haut gelegen hat.

Vor allem die Neuseeländer waren beeindruckt von der Vorstellung der SUI 75. Taktiker Terry Hutchinson sagte dem online-Magazin „The Daily Sail“: „Alinghi zeigt besonders bei 14 bis 16 Knoten eine bessere Höhe als wir ... Sie hatten schon bei der SUI 64 etwas, das wir nicht haben. Und auch die 75 ist in diese Richtung getunet. Vielleicht ist sie sogar noch etwas schneller bei leichtem Wind.“

Das mussten auch die Italiener von Luna Rossa heute beim letzten Rennen der Match-Race-Serie feststellen. James Spithill überließ Peter Holmberg fast kampflos die taktisch bessere rechte Startlinienseite, passierte zwar etwas schneller die Linie, hätte aber in Lee von Alinghi mehr als eine Bootslänge herausholen müssen, um vor den Schweizern wenden zu können. Das Speed-Rennen auf die linke Seite verloren sie klar und bekamen danach keine Überholmöglichkeit mehr. Das Rennen ging mit einer Minute verloren.

Das zweite spannende Rennen der Schwergewichte entschied Team New Zealand nach einem mutigen Start gegen BMW Oracle knapp für sich. Dean Barker wurde von seinem Strategie-Team nach dem Start auf die linke Seite gelotst, erwischte dort eine kräftige Linksdrehung und lag an der Luvtonne 32 Sekunden vorn. Danach holten die Amerikaner zwar permanent auf, aber das Rennen ging mit 17 Sekunden verloren und damit auch der zweite Gesamtrang.

Das spannendste Rennen des Tages lieferte sich überraschend das franko-chinesische Team mit Mascalzone Latino. Trotz klar verlorenem Start überholte CHN 69, die gestern wegen eines gebrochenen Großbaums nicht mehr zum zweiten Rennen des Tages angetreten war, die Italiener kurz vor der Luvtonne nach einem heftigen Wendeduell und führte mit 36 Sekunden. Am Ende der zweiten Kreuz schätzte Team China dann die Steuerbord-Anliegelinie zur Luvmarke falsch ein. Es segelte zu hoch und damit einen Umweg, der die Italiener auf 10 Sekunden heranbrachte. Auf dem letzten Vormwind-Kurs überholte Mascalzone Latino und siegte mit 29 Sekunden.

Das deutsche Rennen verlief dagegen eher unspektakulär. Am Anfang des Vorstarts machte Jesper Bank noch aus der Not eine Tugend. Bisher hatte er immer Probleme, beim dial up das Schiff effektiv zu stoppen. Also wendete er diesmal schnell beim ersten Aufeinandertreffen, bei dem er mit Wind von Backbord ausweichen musste, und nahm wieder Speed auf. Das reichte aus, um vor dem Bug von +39 wenden zu können und die sichere rechte Seite der Startbox zu ergattern.

Allerdings konnte er dann beim Start die Italiener nicht genug unter Druck setzen, um die rechte Seite zu bekommen. Er startete in Lee des britischen Steuermanns Ian Percy und musste sich auf ein Speed-Rennen auf die linke Seite einlassen. Dabei zeigte es sich, dass das deutsche Boot der ehemaligen SUI 59 von Alinghi nicht gewachsen ist. Die Italiener hatten zwar ein gebrochenes Ruder aus dem Vorstart des gestrigen Nachmittagsrennen ersetzen müssen, aber das beeinträchtigte offenbar nicht ihre Geschwindigkeit. Sie siegten mit einem Abstand von 56 Sekunden.

Für mehr Spannnung sorgte das Duell zwischen Schweden und Spanien mit Karol Jablonski am Steuer. Der Deutsch-Pole schaffte es zwar, in der Vorstartphase Magnus Holmberg einen Penalty anzuhängen, als der zu eng vor ihm halste, aber dafür ging der Start um 7 Sekunden verloren. Das reichte den Schweden, um genügend Vorsprung herauszuarbeiten. Sie drehten auf der Ziellinie ihren Strafkreis, der etwa 35 Sekunden dauert, und gingen 10 Sekunden vor dem Gegner ins Ziel.

Endergebnis

1. Alinghi, 11 Siege
2. Emirates Team New Zealand, 10 Siege
3. BMW Oracle Racing, 9 Siege
4. Luna Rossa, 8 Siege
5. Victory Challenge, 6 Siege
6. Desafio Espaniol, 6 Siege
7. K-Challenge, 4 Siege
8. Mascalzone Latino Capitalia Team, 4 Siege
9. + 39 Challenge, 4 Siege
10. United Internet Team Germany, 3 Siege
11. China Team, 1 Sieg
12. Team Shosholoza, 0 Siege


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Themen: America's Cup 2005EventsFlight 11Regatta

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