America’s Cup
AC-Protokoll bringt Neues und Brisanz

Das neue Regelwerk enthält sowohl Innovatives als auch Potenzial für Kontroversen. Indes noch unbenannt bleibt der nächste Austragungsort

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 04.06.2014

Abner Kingman/ACEA Jimmy Spithill rührt die Werbetrommel für den AC35 und seinen Arbeitgeber Oracle Team USA

Der America’s Cup wird wieder umgekrempelt. Viel kommt neu, manches bleibt und Zündstoff gibt es wieder genug im neuen Regattaprotokoll , das gestern, mehr als sieben Monate nach der letzten Wettfahrt des letzten Cups, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Einige Highlights des 78 Seiten starken Dokuments: neue Boote, neuer Austragungsmodus, eine Setzliste der Herausforderer, Bonuspunkt fürs Finale, eine Nationalitätenklausel und eine "asymmetrische” Bootsverteilung, die es nur dem Verteidiger gestattet, zwei Schiffe zu bauen.

Die Boote
Die neuen Katamarane werden wieder von Flügelriggs angetrieben und auf Foils segeln. Mit 62 Fuß (knapp 19 Meter) werden die Boote mehr als drei Meter kürzer sein als die AC72, die 2013 zum Einsatz kamen. Die Anzahl der Besatzung geht von elf auf acht zurück, womit Kosten gespart werden sollen.

Das Pikante: Während die Herausforderer alle nur ein Boot (ein Paar Rümpfe und ein Paar Crossbeams) bauen dürfen, ist es Oracle Team USA als Verteidiger erlaubt, zwei Schiffe zu bauen und damit Tests durchzuführen. Die Amerikaner müssen allerdings mit dem älteren Boot das Cup-Match bestreiten. Nur wenn kapitaler Bruch passiert, darf auf das Ersatzboot zurückgegriffen werden. Wenn aber der Cup-Herausforderer irreparable Schäden an seinem Boot erleidet, rückt der zweite nach.

"Das war ein Streitpunkt”, erklärte Iain Murray, Chef des offiziellen Herausforderers Team Australia, das gemeinsam mit Cup-Verteidiger Oracle Racing die Regeln aushandelte. "Ich bin sicher, dass viele Leute hier einige Dinge lieber anders gelöst sehen würden." Die potenziellen Herausforderer seien aber froh, so Murray, dass es endlich Regeln gäbe, womit sie sich der Geldbeschaffung und in der Folge dem Segeltraining zuwenden können.

Andrea Francolini/Team Australia Iain Murray, ehemaliger Regattadirektor beim America's Cup, jetzt Chef des offiziellen Herausforderers Team Australia

Der Modus 
Anders als bisher in der Geschichte des America’s Cups wird der Verteidiger schon in den Vorrunden gegen die Herausforderer segeln. In den beiden kommenden Jahren wird dies bei der America’s Cup World Series der Fall sein, die 2015 und 2016 wieder auf den AC45 ausgetragen wird (die laut Regeln foilen werden dürfen). Mindestens sechs Regatten pro Jahr sollen dabei stattfinden, und jedes Team soll eine Regatta in seinem Land veranstalten. Die Ergebnisse sind die Grundlage für eine Setzliste für die weiteren Qualifikationsregatten.

Ab 2017 werden die neuen AC62 eingesetzt, und zwar bei der sogenannten America’s-Cup-Qualifikationsserie, die von allen gesegelt wird. Der Sieg wird mit einem Bonuspunkt belohnt, der ins America’s-Cup-Match mitgenommen wird. Siegt Oracle, steht es schon 1:0 für den Verteidiger, noch ehe eine Wettfahrt beim eigentlichen Cup-Match gesegelt wird. Siegt ein Herausforderer, heißt das noch lange nicht, dass dieses Team den Punkt auch tatsächlich in Anspruch nehmen kann, weil es sich erst in den Challenger Playoffs gegen die anderen drei Top-Herausforderer durchsetzen muss, um ins Finale zu kommen.

Andrea Francolini/Team Australia Team Australia beim Training vor Sydney. Bei der nächsten America's Cup World Series werden die AC45 wohl auf Foils unterwegs sein

"Ich glaube, es muss um etwas gehen, um das man wirklich kämpfen will”, sagte Oracle-Skipper Jimmy Spithill in einem Interview der Associated Press. Sein Team war beim letzten Cup bekanntlich wegen illegaler Manipulationen bei der America’s Cup World Series mit zwei Strafpunkten belegt worden. "Vom ersten Tag an wird gekämpft werden, weil jeder das (Cup) Match mit einem Punkt Vorsprung beginnen will." Die America’s-Cup-Regatta ist eine Best-of-13-Serie. Wer zuerst sieben Siege auf dem Konto hat, gewinnt.

Eintrittskarten für Teilnehmer
Das Meldegeld beträgt 2 Millionen US-Dollar und ist in zwei Raten zu bezahlen, wobei die Meldefrist von 9. Juni bis 8. August läuft. Spekulationen über die Anzahl der Teilnehmer erweisen sich zu diesem Zeitpunkt als müßig, doch man darf zumindest auf sechs Teams hoffen. Neben Verteidiger Oracle, dem offiziellen Herausforderer Team Australia und den revanchelüsternen Neuseeländern dürften auch Artemis und Luna Rossa wieder dabei sein. Und Sir Ben Ainslie wird am 10. Juni das britische AC-Team vorstellen.

www. dailyecho.co.uk Sir Ben Ainslie und der Union Jack. Am 10. Juni stellt er in London sein AC-Team vor

Windlimit
Das Protokoll sieht für alle Wettfahrten in allen Veranstaltungen Windlimits von fünf bis 25 Knoten vor, gemessen über eine Minute in zehn Metern Höhe über der Wasseroberfläche. Doch die endgültige Entscheidung, ob gefahren werden kann oder nicht, liegt beim Regattadirektor.

Die Nationenklausel
Zwei der acht Segler auf den AC62-Kats (einer der fünf auf den AC45) müssen den Pass des Landes haben, in dem sich der Yachtclub befindet, den das betreffende Team repräsentiert.

Youth America’s Cup
Der Erfolg der Premiere im Vorjahr soll wiederholt bzw. verlängert werden. Die Veranstalter sprechen von "bis zu zwei” Youth-America’s-Cup-Regatten, die jüngeren Seglern den Einstieg in die geschlossene Gesellschaft der America’s-Cup-Teams erleichtern sollen.

Jimmy Spithill über zum neuen Protokoll

Austragungsort
Das ist und bleibt die Gretchenfrage. Im Rennen sind u. a. noch San Francisco, San Diego, Bermuda und Chicago. Viel wird davon abhängen, wie die einzelnen Bewerber die Prognosen einschätzen, die für die Anzahl der Herausforderer, die zu erwartenden Zuschauer und das damit verbundene Umsatzvolumen für die regionale Wirtschaft. Die vor dem letzten Cup von den Veranstaltern genannten Schätzungen für den wirtschaftlichen Effekt der Veranstaltung (1,4 Mrd. US-Dollar) waren haltlos. Die Wahrheit lag bei etwa einem Viertel (364 Mio. US-Dollar), und am Ende musste der Steuerzahler für den Verlustausgleich im Stadtbudget zur Kasse gebeten werden. Die endgültige Entscheidung zum Austragungsort für 2017 soll bis spätestens zum 31. Dezember 2014 fallen.


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Themen: AC-ProtokollAmerica's CupBen AinslieIain MurrayJimmy SpithillOracle Team USARegattaprotokollTeam Australia

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