125. Kieler Woche
Zwei Siege motivieren deutsche Olympiasegler

Vicky Jurczok und Anika Lorenz haben erstmals die Kieler Woche gewonnen. Eine gute Motivation für anstehende Aufgaben – wie auch für Finn-Sieger Phillip Kasüske

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 30.06.2019
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www.segel-bilder.de / Kieler Woche 125. Kieler Woche

Die 125. Kieler Woche ging am Sonntag mit einem "karibischen Finale" zu Ende: In Wind und Sonne satt traten die jeweils besten zehn Teams in den olympischen Disziplinen an. In zwei von sechs Klassen konnten sich Crews des German Sailing Teams durchsetzen: Den Berlinerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz vom Verein Seglerhaus am Wannsee reichte im 49erFX-Finale Rang vier zum ersten Triumph auf der Förde. Vereinskamerad Phillip Kasüske setzte sich in der schwächer besetzten Finn-Flotte zum zweiten Mal nach 2016 durch.

tati Vicky Jurczok und Anika Lorenz (l.) mit reichlich Sieger-Silber und bester Laune

Für die Olympia-Neunten Jurcok/Lorenz kam der Heimsieg nach einigen schwächeren Ergebnissen in dieser Saison als Motivationsschub vor den Pre-Olympics im japanischen Olympiarevier für 2020 gerade recht. "Dieser Sieg fehlte uns noch auf der Liste – und er tut gut." Die 29-jährige Steuerfrau und ihre 28-jährige Vorschoterin umarmten sich nach dem Zieldurchgang lange. Den letzten größeren Erfolg hatte das für die Pre-Olympics qualifizierte Duo im Juli 2018 mit Silber bei der Europameisterschaft ersegelt. Die wichtigste Aufgabe für dieses Jahr steht aber noch bevor, denn die deutschen 49erFX-Crews müssen noch den Nationenstartplatz für die olympische Regatta 2020 sichern. Das soll bei der Weltmeisterschaft im Dezember im Doppelpass mit Tina Lutz und Susann Beucke klappen, die bei der Kieler Woche auf Platz fünf segelten.

www.segel-bilder.de / Kieler Woche Verteidigten ihre Führung auch im Finale mit Platz vier und feierten am späten Nachmittag ausgelassen im Olympiazentrum Kiel-Schilksee: die 49erFX-Seglerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz

Phillip Kasüske, dessen Klasse den olympischen Nationenstartplatz für Olympia 2020 noch sichern muss, sagte nach seinem zweiten Sieg im Heimat- und Trainingsrevier: "Dieser Sieg bedeutet für mich einen Motivationsschub und Lichtblick, nachdem wir zuletzt bei den großen Events nicht gut punkten konnten." Den deutschen Finn-Seglern bleibt nach zwei verpassten Chancen noch eine Last-Minute-Chance, den olympischen Startplatz für Deutschland im Finn beim Weltcup vor Genua 2020 zu erkämpfen. Dort werden sie im Leichtwindpoker aber starke Konkurrenz im Ringen um nur noch einen olympischen Startplatz für einen europäischen Segler haben.

Hier noch einmal in der Wiederholung: die live kommentierten und ereignisreichen Finalläufe der Olympiasegler in der Strander Bucht

www.segel-bilder.de / Kieler Woche Holte einen von zwei Siegen für das German Sailing Team, das damit auch die Nationenwertung in den Olympia-Disziplinen gewann

www.segel-bilder.de / Kieler Woche Auch für ihn persönlich war es der zweite Kieler-Woche-Sieg: Finn-Steuermann Phillip Kasüske

tati Paul Kohlhoff

Die Medaillenrennen der Mixed-Katamaran-Crews und im 49er verliefen in böigen Winde reich an Kapriolen. Die Titelhoffnungen der Kieler Nacra-17-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer platzten, als die 20-jährige Vorschoterin über Bord ging, weil sie sich in einem hektischen Manöver nicht richtig in den Trapezgurt eingehakt hatte. Ihre sehenswerte Schwimmeinlage und eine starke Aufholjagd führte GER-77 zwar noch auf Rang acht, doch es reichte knapp nicht zum Sprung aufs Podium. Zu Platz vier sagte Steuermann Paul Kohlhoff, dessen Crew das hochklassig besetzte Feld drei Tage lang im Gelben Trikot angeführt hatte: "Es war von dem unglücklichen Manöver Alicas strategische Ansage, die uns die Führung beschert hatte. Wir sind natürlich megatraurig und enttäuscht. Aber wir werden unseren Weg beharrlich weiter gehen und jetzt noch enger zusammenrücken. Wir glauben an unseren Prozess." Seinen zweiten Kieler-Woche-Sieg im Nacra 17 feierte der österreichische Rio-Bronzemedaillengewinner Thomas Zajac mit Vorschoterin Barbara Matz. Zajac sagte: "Das war wahnsinnig spannend. Die Kieler Woche zu gewinnen ist ein Mega-Ding für uns."

Felix Diemer / German Sailing Team Die Kieler Nacra-17-Mixed-Crew Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer im Finale

www.segel-bilder.de Kein Happy End, aber dennoch ein starker Auftritt bei der Kieler Woche von Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer im Nacra 17

Bei den 49ern hatten Tim Fischer (Kiel) und Fabian Graf (Berlin) zwar schon vor dem Finale keine Siegchancen mehr, sich aber deutlich Besseres vorgestellt als eine Kollision, eine durch ein Jury-Boot verursachte Kenterung, zwei Strafkringel, von denen zumindest einer aus deutscher Sicht falsch herum vergeben worden war, und Platz zehn in der Endabrechnung. "Es war die skurrilste Regatta, die wir je gesegelt sind. So viel Pech in einem Rennen zu haben ist wirklich nicht normal", sagte Fischer. Gleichzeitig entzauberten die Neuseeländer Logan Dunning Beck/Oscar Gunn ihre Landsleute mit dem ersten Kieler-Woche Sieg im 49er. Die Olympiasieger und America's-Cup-Gewinner Peter Burling und Blair Tuke beendeten das Kräftemessen vor Kiel nur als Fünfte, weil sie zwar zum Auftakt hatten punkten, im weiteren Verlauf der Kieler Woche in leichteren Winden allerdings nicht hatten glänzen können. Das Schlusswort der Jubiläumsauflage kam von Wetterberater Meeno Schrader: "Das Wetter dieser 125. Kieler Woche war für die Geschichtsbücher."

Hier geht es zu den Ergebnissen.

Felix Diemer / German Sailing Team Die 49er-Akrobaten Tim Fischer und Fabian Graf in Aktion

www.segel-bilder.de / Kieler Woche Freuten sich über Platz zwei wie über einen Sieg: die polnischen 49er-Segler Lukasz Przybytek und Pawel Kolodzinski


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Themen: 125. Kieler Woche49er49erFXFinnNacra 17Paul Kohlhoff/Alica StuhlemmerPhillip KasüskeTim Fischer/Fabian GrafVicky Jurczok/Anika Lorenz

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