Barcelona World Race
Zusammen mit "Sodebo" ums Kap

Um 12.35 Uhr passierte "Neutrogena" die legendäre Landmarke. Thomas Coville befand sich mit seinem Trimaran querab und filmte

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 08.03.2011

Boris Herrmann Boris Herrmann (r.) und Ryan Breymaier vor Kap Hoorn

Es war ein feierlicher Augenblick: Gerade war die Sonne genau über dem Kap aufgegangen. Kurze Zeit später erschien am westlichen Horizont die "Sodebo" von Thomas Coville, der ebenfalls gerade nonstop – aber einhand – um die Welt segelt. Pünktlich am Kap waren beide Schiffe querab.

Bereits seit einigen Tagen standen sie in Mailkontakt. Dennoch ist es fast unglaublich, dass die Yachten, ohne aufeinander gewartet zu haben, nun exakt zeitgleich den südlichsten Punkt Amerikas passierten. Ein chilenisches Kriegsschiff befand sich außerdem in der Nähe. „Das war nach einem Frachter am Morgen die erste Schiffsbegegnung seit Wochen", erklärt Herrmann. "Der Augenblick war phantastisch, allein dafür haben sich die Strapazen gelohnt. Das Adrenalin schießt durch die Adern und macht schon jetzt Hunger auf ein Wiedersehen nächstes Jahr.“

Per Live-Videoschaltung erlebten Herrmanns Chef Roland Jourdain und die gesamte Landmannschaft im französischen Concarneau die Kap-Hoorn-Umrundung mit. Großer Applaus auf der französischen Seite. "Wir sind sehr stolz auf euch", versichert Jourdain den beiden Co-Skippern, "haltet durch!"

barcelonaworldrace.org Brechende Wellen – auf den letzten Meilen des Pazifiks

„Stolz, Genugtuung, aber auch Erleichterung“ sind die wichtigsten Gefühle der beiden Kap Hoorniers. Hinter ihnen liegt ein weiter Weg, der den Teilnehmern bereits sehr viel abverlangt hat. Manch ein Kontrahent musste  auch einen Zwischenstopp einlegen oder sogar aufgeben. Zwischen dem Kap und dem Zielhafen Barcelona liegen nun noch etwa 6.900 Seemeilen in einem Seegebiet, das taktisch eine Menge Optionen offenlässt.

Vor allem wird das Ziel jedoch sein, den vierten Platz zu halten. "Neutrogena" wird derzeit im Schonmodus gesegelt, seit das Schiff am vergangenen Donnerstag beim Sturz in ein tiefes Wellental Schaden am Kiel genommen hat. „Es war der härteste Aufprall während des Rennens bisher", erklärte Herrmann, "Und danach hielt der Kiel plötzlich nicht mehr in seiner nach Luv ausgeschwenkten Position, sondern pendelte frei nach Lee.“ Sofort trat in der Bilge am Schwenkmechanismus Hydrauliköl aus. Während zweitägiger Reparaturversuche musste die Mannschaft die Geschwindigkeit drosseln, arbeitete Tag und Nacht in ständigem Telefonkontakt mit Technikern ihres Teams und des Herstellers des beschädigten Hydraulikzylinders.

Boris Herrmann "Sodebo" mit Thomas Coville vor dem Kap

Letztlich gelang es, das Problem soweit zu minimieren, dass bei gemäßigten Windbedingungen wieder voll gesegelt werden kann. „Wenn es aber ruppiger wird, besonders mit steilen Wellen, müssen wir das Risiko begrenzen, dass auch noch der zweite Hydraulikzylinder seinen Geist aufgibt", so Herrmann. Denn die defekten, inneren Dichtungen des ersten Zylinders sind mit Bordmitteln nicht zu reparieren. „Es ist schwer zu sagen, wie stark uns das auf dem letzten Teilstück beeinträchtigen wird. Im Zweifel können wir jedoch nicht mehr auf Angriff segeln.“

Zusätzlich zu den Problemen mit dem Schiff machte den Co-Skippern am vergangenen Wochenende ein Sturm das Leben schwer. Am Sonntag maßen sie 40 Knoten Wind im Durchschnitt, Stärke acht bis neun. In der heftigsten Bö, die etwa eine Minute lang anhielt, zeigte das Instrument sogar 62 Knoten an. Die Wellen waren bis zu 15 Meter hoch. In der gestrigen Videokonferenz sprach Herrmann von den Folgen:  „Viermal wurden wir an dem Tag platt auf Wasser gedrückt. Doch anders als es beim Boxen erlaubt ist, sind wir auch nach vier Niederschlägen wieder aufgestanden.“

Doch auch die anderen Schiffe haben Probleme. Nach ihrem Stopp in Neuseeland und dem Abwettern von Ex-Atu hatte "Groupe Bel" zuletzt wieder stark aufgeholt, "Mirabaud" überholt und den Rückstand auf "Neutrogena" bis auf 90 Meilen minimiert. Jetzt klagen jedoch auch die beiden Co-Skipper über Kielprobleme. "Mirabaud" segelt seit dem Ausfall von Michéle Paret im Spar- und Einhandmodus. Es scheint, als würde die Rennentscheidung letztlich zwischen "Virbac Paprec 3" und "Mapfre" ausgetragen werden. Beide Schiffe liegen nur 170 Meilen auseinander, vor ihnen liegt die ITC, und bis Barcelona nur noch eine Strecke von 5.300 Seemeilen.

Boris Herrmann Der gebrochene Beschlag des Stags

Ergänzung, 18.30 Uhr: Kurz nach Rundung des Kaps schreibt Ryan Breymaier in einer Mail, dass der Beschlag des Stag für den Solent (Fock) gebrochen ist. Das Segel fiel ins Wasser, musste geborgen werden. Derzeit suchen sie treibend Schutz vor der Küste Chiles, um zu klarieren, bevor es dunkel wird. Danach werden sie die Verfolgung wieder aufnehmen. Breymaier betont: "Wir brauchen keine Hilfe und werden die Reise nonstop fortsetzen."

Thomas Coville konnte "Neutrogena" vor dem Kap filmen. Hier das Video:


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Themen: Barcelona World RaceBoris HerrmannKap HoornNeutrogenaRyan BreymaierSodebo

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