Silverrudder 2017
Zeitlupensegeln im Silverrudder

Langsam wie nie, spannend wie immer: Bei der 6. Auflage des Solo-Klassikers rund Fünen sind vor allem Geduld und Stehvermögen gefordert

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 23.09.2017
Silverrudder 2017 Silverrudder 2017 Silverrudder 2017

tati Silverrudder 2017

Harte Arbeit für die Teilnehmer: Die flauen WInde rund Fünen machen die 6. Auflage des Solo-Klassikers Silverrudder zum Stresstest. Gefragt sind Stehvermögen, Geduld und – Zeit! Die meisten Teilnehmer haben eine zweite Nacht auf See zu bestehen – eine echte Härteprüfung. Schon die Starts für die insgesamt neun Wertungsgruppen verliefen teilweise kurios. Rückwärtstreiben und Ankern waren mit von der Partie. Und das nicht zu knapp. Viele Boote hatten mehr als eine Stunde gebraucht, um die Startlinie überhaupt überqueren zu können. Die kleinsten Boote der Gruppe "Kielboote Mini" hatten den Reigen eröffnet, die großen Mehrrumpfer ("Multihulls Large") waren am Freitagnachmittag um 14 Uhr als Letzte ins Rennen gegangen. Zwischendurch hatten sich die Flotten immer wieder vermischt, weil die Skipper bei bis zu zwei Knoten Gegenstrom ohne Wind nicht vom Fleck gekommen waren.

Volle Halle, gut gelaunte Gastgeber und ein überzeugender Wettfahrtleiter: So begann die 6. Auflage des Silverrudders in der charmant dekorierten Bootshalle von Svendborg

tati Bei den Starts ging es für die Teilnehmer nicht immer nur vorwärts: Rückwärtstreiben und Ankern waren Teil der Auftakt-Kür

Schon am Vorabend der beliebten dänischen "Challenge of the Sea" war klar, dass es voraussichtlich das langsamste Silverrudder seiner noch jungen Geschichte werden würde. Und so hat es sich auch entwickelt. In der Gruppe Medium 2 feierte der 70 Jahre alte Niels Thomsen mit dem Start auf seiner Scanmar 33 "Tustinne" einen historischen Rekord: Der dänische Landwirt ist nun der einzige Segler, der an allen Silverrudders inklusive der aktuellen Auflage teilgenommen hat.

tati Rekordteilnehmer Niels Thomsen (70): Der dänische Landwirt war mit seinem Start der einzige Silverrudder-Teilnehmer, der an allen Auflagen teilgenommen hat

Insgesamt hatten 422 Teilnehmer gemeldet. Nach Abzug der 101 nicht abgeholten Tracker verblieb trotzdem noch eine Weltrekordflotte von 321 Soloseglern. Nach den ersten 24 Stunden hatten rund 35 Starter auf teilweise spiegelglatter See aufgegeben und Kurs auf Svendborg oder direkt auf den Heimathafen genommen. Bis zum Zieldurchgang dürften ein paar weitere hinzukommen, die darum bangen, am Montag wieder pünktlich bei der Arbeit erscheinen zu können. Das Flautensegeln verlangt den Teilnehmern in diesem Jahr mehr persönlichen Einsatz ab, lässt ihnen weniger Zeit für Ruhephasen. "Man muss bei so wenig Wind viel mehr arbeiten, viel mehr ackern", berichtete "Gruppe L"-Rekordhalter Andreas Rohde von der "Ratzfatz 3", der mit seiner Ankunft in der Nacht auf Sonntag rechnete. Nach einer schönen Kreuz hatte er sich mit vielen anderen Booten bei zwei Knoten Wind und zwei Knoten Fahrt durchs Kattegatt gequält, bevor eine leichte Brise die Boote nach dem Passieren des nordöstlichen Zipfels von Fünen mit Kurs auf die Große Beltbrücke minimal unterstützte. Rohdes Rekordmarke wird in diesem Jahr ebenso wenig fallen wie irgendeine andere.

tati Dänen-Darling Jan Møller wurde beim Start vom Publikum angefeuert, holte sich wie der erste französische Teilnehmer und Seascape-Designer Sam Manuard etwas Schwung auf der rechten Kursseite der Hafenmauer

Während Jan Andersens "Black Marlin" am frühen Abend als "First Ship Home" im Ziel vor Svendborg erwartet wird, kämpft sich der Rest der Flotte weiter dem Ziel entgegen. Es wird eine sehr lange Nacht im beschaulichen dänischen Hafenort werden. Mit neuen Rekordzeiten ist auf andere Weise zu rechnen als erhofft – so lange hat das Silverrudder noch nie gedauert.

Hier geht es zum Tracker

tati 101 Tracker waren vor dem Start liegen geblieben. Die meisten der nicht angetretenen Skipper fürchteten die Überlänge des Flautenrennens


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Themen: Black MarlinNiels ThomsenSilverrudderSvendborg

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