YES! Gelungenes Comeback von Europas Segelnachwuchs vor Kiel
Deutschlands Segeltalente wollen Spaß und geben Gas

Knapp 550 Segeltalente aus zehn Ländern machten Kiel am vergangenen Wochenende zu ihrer Bühne. In sieben Disziplinen räumte der GER-Nachwuchs sechs Titel ab

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 07.06.2022
Hier rauschen 420er-Crews bei der YES ins Bild Hier rauschen 420er-Crews bei der YES ins Bild Hier rauschen 420er-Crews bei der YES ins Bild

@ ChristianBeeck.de Hier rauschen 420er-Crews bei der YES ins Bild

Das Comeback der Young European Sailings (YES) war ein Fest: Im ehemaligen Olympiarevier vor Kiel-Schilksee trafen sich am Wochenende rund 550 junge Seglerinnen und Segler aus zehn Ländern erstmals nach der Pandemie-Pause wieder zu ihrem europäischen Segelgipfel. In sieben Disziplinen räumte der stark repräsentierte deutsche Nachwuchs sechs YES-Titel ab. Nur im Ilca 4 konnte sich mit Mads Wegener ein Däne gegen Tom Struwe und Leif Lüders (beide Kieler Yacht-Club) auf den Plätzen zwei und drei durchsetzen. Gekämpft wurde außerdem um sechs Tickets zu den Youth Worlds in den Klassen 29er (W+M), 420er (W+M) und im Ilca 6 (W+M). Dazu ging es in den Klassen Ilca 7 (M) und Ilca 7 (W) um die Internationale Deutsche Junioren-Meisterschaft. Die Titel sicherten sich Pia Conradi vom Duisburger Yacht-Club und Julian Hoffmann vom Segelclub Alpsee-Immenstadt. Dabei reichte das Kieler Wetterangebot von Sonne und totaler Flaute zum Auftakt bis zu idealen Segelbedingungen am Sonntag. Die Wind- und Wetter-Kapriolen sorgten für Spannung auf dem Wasser. Das abwechslungsreiche Rahmenprogramm bot viel Spaß an Land.

Wettfahrtleiter Giesen: "Wir hatten das komplette Windangebot"

"Man hat allen, den Aktiven, den Organisatoren, der Wettfahrtleitung und den Gästen, angemerkt, dass sie froh waren, sich wieder treffen zu können. Sportlich faire Wettkämpfe auf dem Wasser und viel Spaß an Land waren die Etmale der YES 2022 nach zwei Jahren Corona-Pause", zog Organisationsleiter Dirk Ramhorst vom Kieler Yacht-Club glücklich Bilanz. "Wir hatten das komplette Windangebot, mit Flaute zu Anfang bis zu idealen Segelbedingungen zwischen zehn und 15 Knoten am Sonntag, an dem wir 34 Wettfahrten bei idealen Bedingungen in unter fünf Stunden segeln konnten“, berichtete der Oberste Wettfahrtleiter der YES-Regatten, Stephan Giesen (KYC), der auch die Herausforderung am Pfingstmontag meisterte und das richtige Zeitfenster bei Wind bis zu 20 Knoten für den Endspurt fand.

Die YES diente vielen jungen Teilnehmern vom German Sailing Team oder auf dem Weg dahin als Vorbereitung für die in zwölf Tagen stattfindende Kieler Woche (18. bis 26. Juni) und den U20-Aktiven (Jahrgang 2003 und jünger) auch zur Generalprobe für die Gemeinsame Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft (10. bis 16. August) vor Kiel. Dazu fielen in sechs Disziplinen die Vorentscheidungen, wer Deutschland in den Jahrgangsklassen 2004 bis 2010 vom 8. bis 15. Juli bei den Youth Worlds in Den Haag (Niederlande) vertreten darf. Die Rangfolge nach Punkten steht, doch die Benennung erfolgt noch durch den Ausschuss für Nachwuchsförderung des Deutschen Segler-Verbandes (AfN).

Christian Beeck/segel-bilder.de/Kieler Woche YES- und Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst

Die Ausscheidung für die Jugend-Weltmeisterschaft

Ein besonderes Prädikat der YES-Serie war die Qualifikation für die Youth Worlds des Weltsegelverbandes (World Sailing) im Juli in Den Haag (Niederlande). Bei den Ilca-6-Juniorinnen setzte sich nach den Qualifikationsserien in Workum (Niederlande) und vor Kiel Amaya Escudero (Deutscher Regatta Segelclub) durch. Im Ilca 7 der Junioren beherrschte Ole Schweckendiek (Kieler Yacht-Club) die Konkurrenz. In beiden Fällen dürfte die AfN-Nominierung für die Youth Worlds eine Formalie sein. Im 420er der Juniorinnen gewannen Amelie Wehrle/Amelie Rinn (Jollensegler Reichenau/Markelfinger Wassersport-Club) knapp vor den punktgleichen Valentina Steinlein/Lea Adolph (Bayerischer Yacht-Club), die den ersten Teil der Ausscheidungsserie beim Lupo-Cup in Torbole auf dem italienischen Gardasee noch gewonnen hatten. Bei Punktgleichheit entscheidet die YES-Regatta. Im 40er für männliche und Mixed-Crews setzten sich Jesper Fleischer/Theo Gnass vom Segelclub Rheingau in der deutschen Youth-Worlds-Ausscheidung durch. Im 29er setzte sich die Qualifikation aus den Serien des Europa-Cups in den Niederlanden und der YES zusammen. Bei den Mädchen dürften Jule Ernst/Louisa Schmidt (Deutscher Touring Yacht-Club) – sofern der AfN dies bestätigt – bei den Youth Worlds starten, bei den Jungen haben Anton und Johann Sach (Lübecker Yacht-Club) im 29er dominiert.

Komplettiert werden könnte die deutsche Mannschaft bei den Youth Worlds durch IQ-Foiler und Kiteboarder, die ohne Qualifikation benannt werden. Kandidat beim Formula Kite (M) ist Jan Vöster, der bereits 2021 bei den Youth Worlds in Oman Platz sieben belegte. Der 18-jährige Neuenburger ragt aus der sich neu bildenden Formula-Kite-Szene heraus. Die Entscheidung im Nacra 15 fiel bereits eine Woche vor Pfingsten nach der Qualifikation bei der EM in Carnac (Frankreich) und der Dutch Youth Regatta vor Workum (Niederlande). Hier waren die Ergebnisse der deutschen Crews für eine Empfehlung an den AfN allerdings nicht genügend überzeugend.

Sechs strahlende deutsche Sieger-Crews in sieben Disziplinen

Drei Tage lang haben sich die besten deutschen Nachwuchsseglerinnen und Nachwuchssegler in sieben Disziplinen mit Aktiven aus Dänemark, Großbritannien, Lettland, den Niederlanden, Polen, Schweden, der Schweiz, Tschechien und der Ukraine vor Kiel gemessen. Trotz der Wetterkapriolen mit der Flaute am Samstag und den enormen Drehern am Montag konnten bei guten Bedingungen insgesamt 54 Wettfahrten bei der YES gesegelt werden, die vom Kieler Yacht-Club und dem Norddeutschen Regatta Verein ausgerichtet wird. Den YES-Regattasieg sicherten sich im Ilca 6 die wieder erstarkte Hannah Anderssohn vom Warnemünder Segel-Club. Mit sieben Punkten Vorsprung und vier ersten Rängen gewann die 23-Jährige die Serie souverän. "Es waren traumhafte Bedingungen, auch wenn es von Land leichter aussah, denn der Wind hatte einige Dreher", erzählte die Rostockerin. In der männlich besetzten Bruderklasse war Ole Schweckendiek vom Kieler Yacht-CLub einmal mehr das Maß der Dinge. Nach dem flauen Auftakt zeigte der Kieler sein Können: Vier Rennen und vier Siege war die Bilanz am Pfingstsonntag. Es folgten ein weiterer Tagessieg und ein vierter Platz. "Es war heute extrem komplex. Der Wind schwankt zwischen fünf und 20 Knoten", so Schweckendiek. "Ich bin bisher sehr zufrieden. Es hätte eigentlich nicht besser laufen können", so der freudestrahlende YES-Sieger weiter. Der 17-Jährige hat in seinen jungen Jahren schon so einige Titel und Erfolge gehamstert, legte auch dieses Jahr erfolgreich los und strebt nun die Titelverteidigung bei der Kieler Woche an.

ChristianBeeck.de Im Ilca 6 dominierte Ole Schweckendiek die Konkurrenz

In der olympischen Männer-Klasse Ilca 7 gingen 47 junge Starter ins Rennen. Im rein deutschen Feld setzte sich Julian Hoffmann vom Segelclub Alpsee-Immenstadt durch und sicherte sich damit auch den Titel des Internationalen Deutschen Junioren-Meisters 2022. Hoffmann war 2018 Nachwuchssegler des Jahres, gewann die letzte YES vor der Pandemie im Jahr 2019 und trumpfte bereits im Vorjahr wieder mit Erfolgen auf. Bei der U21-EM siegte Hoffmann, bei der U21-WM 2021 erkämpfte er Platz drei. Damit agiert der Ilca-7-Segler weiter erfolgreich im Heckwasser seines großen Vorbildes und Vereinskameraden Philipp Buhl, Weltmeister von 2020 und zweimaliger Olympia-Teilnehmer.

@ ChristianBeeck.de Julian Hoffmann segelt im Ilca 7 im Heckwasser seines Vereinskameraden und Vorbilds Philipp Buhl auf Erfolgskurs

Anton und Johann Sach bleiben die 29er-Dominatoren

Die stärkste Zweihandklasse stellten vor Kiel die 420er mit 78 Jollen. Und traditionell mischten sich Crews aus der Schweiz in das starke deutsche Teilnehmerfeld. Den Sieg feierten Amelie Wehrle/Amelie Rinn (Jollensegler Reichenau/Makelfinger Wassersport-Club). Die 420er-Konkurrenz für männliche und Mixed-Teams gewannen Riccardo Honold/Benedikt Knapp (Stuttgart/Neuried). Starke Konkurrenz war im Nachwuchsskiff 29er am Start. Die Lübecker Kieler-Woche-Sieger des Vorjahres und IMMAC-Nachwuchssegler des Jahres 2021, Anton und Johann Sach, haben in diesem Jahr ein volles Programm auf dem Zettel. Der Mai-Auftakt vor dem dänischen Aarhus fiel wegen einer Corona-Erkrankung zwar noch aus, danach folgten Regatten vor Flensburg und die Youth-Worlds-Qualifikationsserien in den Niederlanden und jetzt vor Kiel. Mit Rang sechs in der ersten Qualifikationsserie in den Niederlanden und Platz eins vor Kiel verwiesen die Lübecker ihre schärfsten Konkurrenten in der Youth-Worlds-Qualifikation und der YES-Wertung (62 Crews aus fünf Nationen) auf die Plätze. Signe Visby Svendsen/Loke Idriss Kise sowie Gustav und Clement Asholm-Bradley aus Dänemark belegten in der YES-Wertung Rang zwei und drei. Vierte wurden die Schweden Felix und Aron Wichert vor den Kieler Lokalmatadoren Per Christoffer und Carl Frederik Schwall (KYC). Die Plätze sieben für Tschechien und neun für die Niederlande bezeugten die Internationalität in dieser Nachwuchs-Klasse.

ChristianBeeck.de Amelie Wehrle und Amelie Rinn gewannen die 420er-Serie vor Kiel

ChristianBeeck.de Die Skiff-Könner Anton und Johann Sach segeln erfolgreich im 29er

Im 29er (W) gewannen Jule Ernst und Louisa Schmidt (Deutscher Touring Yacht-Club), die bereits die erste Qualifikationsserie gewonnen hatten. Das mit 29 deutschen Crews kleinste Feld stellte die einst olympische Einhandklasse Europe. An Spannung aber konnte das Feld mit den anderen Disziplinen mithalten. Am Ende hatten die Binnenrevierspezialisten den Bug vorn. Es gewann Sophie Menke (Seglervereinigung Hüde) vor Robert Zink (Segel-Club Stevertalsperre) und Niklas Dahm (Segler-Club Dümmer). Mit zwei Siegen zum Abschluss entriss Menke den Männern den YES-Titel noch mit einem Punkt Vorsprung. Hier geht es zu allen YES-Ergebnissen (bitte anklicken!).

ChristianBeeck.de Hier wird kein Meter freiwillig hergeschenkt: die 29er-Flotte bei der YES


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Nachwuchsregatta

Anzeige