Weltcup
Wo Sieger alles können müssen

Zur Halbzeit Platz vier in der Nationenwertung: Die DSV-Flotte schlägt sich bei der Generalprobe im Olympiarevier mehr als respektabel

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 07.06.2012

onEdition Philipp Buhl in seinem Element: Der Sportsoldat segelt vor Weymouth auf der Erfolgswelle

Nach dem ersten Tag prangte die deutsche Nationalflagge sogar auf dem zweiten Rang der Nationenwertung beim Weltcup der olympischen und paralympischen Segler vor Weymouth. Inzwischen haben einige Teams bei der „Sail for Gold“-Regatta zwar ein paar Federn lassen müssen, doch das Gesamtresultat der deutschen Segelnationalmannschaft beim Weltcup vor Weymouth verdient zur Halbzeit immer noch die Note „Gut“ und macht Appetit auf die olympische Regatta, die am 29. Juli im selben Revier beginnt.

Aushängeschild sind nach sechs von zehn Wettfahrten in den meisten olympischen Disziplinen weiter die Laser-Überflieger, die sich schon zum Auftakt herausragend in Szene gesetzt hatten und das Weltklassefeld der 96 Einhand-Athleten gemeinsam angeführt hatten. Der Sonthofener Sportsoldat Philipp Buhl ist vier Wettfahrten vor dem Medaillenfinale immer noch Zweiter, Simon Grotelüschen nur aufgrund eines Frühstarts leicht nach hinten auf Platz sechs gerutscht. Fast synchron haben der Olympia-Hoffnungsträger Grotelüschen und sein starker Sparringspartner Philipp Buhl jeweils schon zwei Tagessiege ersegelt. Immer öfter sprechen nun auch die Moderatoren der Live-Übertragungen aus England von den beiden „Germans“. Erheiternde Schwierigkeiten begleiten die Aussprache des Namens Grotelüschen, doch der Lübecker gibt den Kommentatoren genügend Anlass zum Üben – bis zu den Olympischen Spielen sollte der Name sitzen. Teamkollegin Franziska Goltz dagegen kämpft weiter um eine überzeugende Olympiaform, lag am Donnerstagmorgen auf Platz 28.

RS:X-Surfer Toni Wilhelm aus Dogern ist mit einem Tagessieg und einem dritten Rang ausgerechnet in von ihm früher so wenig geschätzten Leichtwindbedingungen hervorragend in die olympische Generalprobe gestartet. „Das hat mir so richtig viel Selbstvertrauen gegeben“, freute sich der Sportwissenschaftler, der als Einziger im Audi Sailing Team Germany schon einmal bei Olympischen Spielen gestartet ist (2004). Am Donnerstag griff Wilhelm von Position sieben aus an, weil er sich an den vergangenen Tagen auch drei zweistellige Ergebnisse eingefangen hat. Teamkameradin Moana Delle aus Kiel segelt als Achte ebenfalls auf Kurs Medaillenfinale.

onEdition Dominierten Weltmeister Hamish Pepper im Duell: Starboot-Vizeweltmeister Stanjek/Kleen

Die britischen Gewässer zwischen Weymouth und der Halbinsel Portland haben sich bislang von ihrer launischen Seite gezeigt, geben einen Vorgeschmack auf das, was den Olympiaseglern in sechs Wochen blühen kann: Dem flauen Auftakt folgten heftig verregnete Wettfahrten. Starboot-Steuermann Robert Stanjek, der mit Frithjof Kleen nach sechs Rennen Platz zehn belegte und um das selbst gesteckte Ziel – die Teilnahme am Medaillenrennen – kämpfen muss, konstatierte: „Wer hier olympische Medaillen gewinnen will, der muss einfach alles können.“ Finn-Klassensprecher Robert Deaves fand das passende Wort für die Segelbedingungen: „Abscheulich!“

Sogar „Big Ben“ Ainslie, Olympiafavorit, dreimaliger Olympisieger und Lokalmatador, bestätigte wie kompliziert das englische Revier vor Devons Küste zu lesen ist: „Das Revier ist einfach technisch extrem schwer zu segeln. Auch wenn die Leute denken, dass wir hier einen Heimvorteil haben, bleibt es hier draußen doch höchst schwierig.  Es gibt einige ungewöhnliche Dinge. Du musst auf alles vorbereitet sein und jede Möglichkeit nutzen, einen Vorsprung herauszuholen. Manche Leute scheinen diese Möglichkeiten öfter als andere zu bekommen...“ Ainslie lag zur Halbzeit auf Platz zwei knapp hinter seinem Landsmann Giles Scott, aber niemand zweifelt daran, dass der siebenmalige Weltmeister auch bei dieser Regatta am Ende die Bugspitze vorne haben wird. Matthias Miller lag nach sechs Wettfahrten auf Platz 25.

Im 470er zeigen Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher, dass sie mit ihrer neuen Trainerin Ruslana Taran gut in Fahrt kommen. Zwar leisteten sich die Berlinerin und die Hamburgerin zum Auftakt wieder einen Frühstart, haben aber inzwischen auch mit einem Tagessieg und einem vierten Rang nachweisen, dass sie der Weltspitze durchaus gefährlich werden können. Als Zehnte kämpfen die deutschen Frauen mit guten Aussichten um einen Platz im Finale. Dafür wird sich der bayerische 470er-Express mit Ferdinand Gerz und Patrick Follmann in den ausstehenden vier Rennen steigern müssen: Die Olympiastarter lagen nach sechs Rennen auf Platz 19 sechs Ränge hinter den Berlinern Jasper Wagner und Dustin Baldewein.

Luft nach oben haben auch Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann. Die Kieler 49er-Segler suchen als Sechzehnte noch nach ihrem Rhythmus in dem zur Zeit garstigen Bedingungen, die Frithjof Kleen als „echt ruppig“ bezeichnete. Dennoch war Starboot-Vorschoter Kleen zur Halbzeit bester Dinge: „Wir sind schnell, die Stimmung im Team ist gut. Wir fahren jetzt voll auf Angriff.“

onEdition Das deutsche Sonar-Team mit Steuermann Jens Kroker kommt immer besser in Fahrt

Mit der gleichen Devise hat sich Heiko Kröger nach durchschnittlichem Einstieg in die die „Sail for Gold“-Regatta inzwischen beharrlich nach vorne gearbeitet. Mit einem Tagessieg in der fünften Wettfahrt hat der 46-Jährige gezeigt, dass er das Siegen noch nicht verlernt hat. Nach zwei vierten Plätzen 2004 und 2008 will der Kieler auch bei den Paralympics in diesem Sommer endlich wieder aufs Treppchen segeln. Das Sonar-Team um den in Brasilien lebenden Steuermann Jens Kroker kommt nach Anfangsproblemen ebenfalls langsam in Fahrt. Die konstant ansteigende Kurve der Paralympics-Sieger von 2008, die zuletzt einen dritten Rang erkämpften und insgesamt auf Platz neun liegen, verrät den Trainingsmangel des Trios, aber auch seine Fähigkeit, sich schnell wieder zusammen zu finden.

Die zur Halbzeit erfolgreichsten drei Nationen sind die Briten mit nur 39 Zählern vor Frankreich (139 Punkte) den USA (144) und Deutschland (171). Damit tun die Briten wieder einiges für ihren königlichen Ruf: In sechs von zehn olympischen Disziplinen belegen ihre Teams einen Podiumsplatz,  in zwei weiteren liegen sie unter den Top 5.  In den drei Paralympics-Klassen segeln sie ebenfalls siegverdächtig. Die Gastgeber der Olympischen Spiele halten, was sie versprochen haben.


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