Olympia-Ausscheidung
WM-Silber für Stanjek/Kleen

Robert Stanjek und Frithjof Kleen holen als Vize-Weltmeister die erste WM-Medaille in einer olympischen Klasse für Deutschland seit 2008

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 17.12.2011

Richard Langdon/Ocean Images Robert Stanjek und Frithjof Kleen im Medalrace der WM

Dem Bad im Hafen folgte die Champagnerdusche an Land und Gratulationen der Teamkameraden, die das Team während des Rennens angefeuert hatten. „Das ist der Lohn für unseren Mut“, jubelte der 30-jährige Steuermann Stanjek vor der Medaillenzeremonie am Abend, „wir sind finanziell voll ins Risiko gegangen, haben privat viele Abstriche gemacht. Der Plan ist aufgegangen und ich bin sehr, sehr stolz auf meinen Vorschoter Frithjof Kleen – er ist ein Wahnsinnssegler.

Der 28-jährige Frithjof Kleen sagte: „Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, doch das ist erst der Anfang unserer Mission. Wir haben gleichzeitig die nationale Ausscheidung gewonnen und wollen 2012 um eine Medaille bei den Olympischen Spielen kämpfen.“

Die Starboot-Mannschaft Stanjek/Kleen hatte vor sechs Jahren schon einen ersten gemeinsamen olympischen Anlauf genommen, sich dann aber nach zweijähriger Zusammenarbeit im Streit getrennt. Einen Tag vor Heiligabend 2010 hatte Robert Stanjek die Initiative ergriffen und die Partnerschaft neu belebt.

„Ich danke Robert dafür, dass er die Idee und den Mut dazu hatte, es noch einmal zu probieren“, sagte Frithjof Kleen. Mit ihrer Silbermedaille bescherten Stanjek/Kleen der Flotte des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) das erste WM-Edelmetall seit Bronze durch Ulrike Schümanns Yngling-Crew 2008.

WM Perth Starboot

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Robert Stanjek und Frithjof Kleen gewinnen Silber

Die Berliner hatten sich mit Rang drei im Medaillenfinale am Samstag noch an den zweitplatzierten Amerikanern Mark Mendelblatt und Brian Fatih vorbei geschoben. Gold sicherten sich der brasilianische Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt und Bruno Prada. Robert Stanjek sagte nach dem Medaillenrennen: „Wir wussten, es war eng zwischen den Plätzen zwei und vier. Wir hatten eine Strategie, wussten ja, dass wir schnell sind. Wir wollten nur frei vom Start wegkommen, uns nicht in irgendwelchen Duellen verirren und unsere Linie finden. Wir sind recht konservativ gestartet. Dann haben wir den Schweden Schritt für Schritt begleitet und ihn irgendwann abgestreift. Als der sich verabschiedet hatte, war mit Blick auf das Gesamtergebnis nur noch der Ami da. Auch den haben wir irgendwann stehen lassen. Das Ganze war eine runde Sache vor total irrer Kulisse und tollem Publikum. Es herrschte absolute Gänsehautstimmung.“

Über die Silbermedaille freute sich in Perth auch der letzte deutsche Olympiateilnahmer im Starboot: Der Kieler Marc Pickel, der gemeinsam mit Ingo Borkowski in China Platz sieben erreicht hatte, ist der geistige Urheber des P Stars, auf dem Stanjek/Kleen seit einem Jahr auf der Erfolgswelle segeln. Über sein Boot sagte Stanjek: „Wir haben ein schönes, schnelles und simples Set-Up.“

Den bislang erfolgreichsten deutschen Tag der zweiwöchigen Titelkämpfe in Australien machte Lasersegler Simon Grotelüschen aus Lübeck komplett: Der Einhand-Steuermann verbesserte sich vor dem Medaillenfinale am Sonntag auf Platz zwei und greift nach der zweiten Medaille für den DSV und die Nationalmannschaft Sailing Team Germany. Grotelüschen sagte bei der Siegerehrung für Stanjek/Kleen: „Ich freue mich riesig für die beiden und bin jetzt fast ein bisschen erschöpft, so schön war das heute alles. Was für eine coole Stimmung hier! Ich konnte heute reichlich tolle Atmosphäre tanken und kann es den Jungs doch morgen vielleicht einfach nachmachen.“

Interview mit Simon Grotelüschen

Grotelüschen startet mit klarer Zielsetzung in das Medaillenfinale der Laser am Sonntag: „Es wird schwer sein, Tom Slingsby noch einzuholen. Aber ich bin froh, dass ich nicht der einzige bin, der das theoretisch noch schaffen kann. Das ist gut, denn sonst würde er mich wahrscheinlich in ein Matchrace verwickeln. Vielleicht kann ich ja das Medaillenrennen gewinnen. Das wäre toll.“

Kein Wunschfinale gab es am Samstag für Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann. Deutschlands beste 49er-Segler qualifizierten sich zwar für die Olympischen Spiele, verpassten aber als Gesamt-Dreizehnte das Medaillenfinale ebenso wie die junge Berliner Crew Erik Heil und Thomas Ploeßel, denen als elfte nach 15 Wettfahrten vier Punkte zum Sprung in die Top Ten fehlten.

Bei den 470er-Frauen ist die Deckungsstrategie von Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher (Berlin/Hamburg) offenbar aufgegangen. Nach heutigem Stand haben zwar die jüngeren Rivalinnen Tina Lutz/Susann Beucke mit ihrem 14. Platz in der Nationenwertung die Länder-Starterlaubnis für Deutschland ersegelt – dürfen aber selbst nicht an den Spielen teilnehmen. Denn ihr 20. Platz in der Gesamtwertung reicht nicht, um Kadelbach/Belcher in der innerdeutschen Qualifikation zu verdrängen. Dafür hätten sie 18. werden müssen, was durchaus im Bereich des Möglichen lag. Doch offenbar ließ die „Umklammerung“ durch Kadelbach/Belcher in den letzten Wettfahrten kein besseres Gesamtergebnis zu.

Die Tageszusammenfassung mit dem Duell der 470er-Frauen

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Themen: FremantleOlympische SpielePerth

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