Segeln olympisch
Wirkt der Zauber des "Medal Makers"?

Die deutschen Olympiasegler starten am Montag vor Miami in den ersten Weltcup der Saison. Es ist der frühe Formtest für eine lange Saison

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 24.01.2015

Lars Wehrmann/STG Philipp Buhl und das Audi Sailing Team Germany haben sich für den Saisonauftakt vor Miami viel vorgenommen

RICHARD LANGDOM/Skandia Team GBR DSV-Cheftrainer David Howlett will der DSV-Flotte wie seinem ehemaligen Schützling Sir Ben Ainslie zu Glanz verhelfen

Ob der Zauber des neuen DSV-Cheftrainers David Howlett schon wirkt? Geht es nach den deutschen Olympiaseglern, dann wollen sie die im vergangenen Jahr durchwachsene Bilanz nur zu gerne mit ein wenig Glanz erhellen. Vor Miami beginnt am Sonntag die erste Weltcup-Regatta der Saison 2015. Die DSV-Flotte ist mit ihren besten Aktiven am Start und will zeigen, wie hart und effektiv sie im Winter trainiert hat. Zwar ist Howlett erst wenige Wochen im Amt und hat noch nicht alle Leistungsträger treffen können, doch nicht wenige versprechen sich von seiner Arbeit neue Schubkraft.

"Wir hatten zwar noch keinen persönlichen Kontakt zu David Howlett, freuen uns aber sehr, einen so erfahrenen Medal Maker in unserem Team zu haben", sagte 49er-Vorschoterin Susann Beucke aus Strande. Gemeinsam mit Steuerfrau Tina Lutz hat Beucke zuletzt sechs segelfreie Wochen dafür genutzt, "unser Team um einige Kompetenzen zu erweitern". Beucke berichtet: "Wir haben bewusst eine lange wasserfreie Phase eingelegt, daher ist der Weltcup für uns eine Art Experiment: Wie viele Tage brauchen wir, um auf dem Boot wieder fit zu sein? Kann man überhaupt eine so lange Pause machen?" Lutz/Beucke werden inzwischen vom bekannten Langlauftrainer Wolfgang Pichler unterstützt. Außerdem kommt von Biathlon-Olympiasieger Jens Steinigen Schützenhife in den Bereichen Logistik und Organisation. "Jens hat eine für uns wertvolle Sichtweise auf das Segeln", so Beucke, "da er sehr erfahren im Sport ist, das Ganze aber aus dem Biathlon-Blickwinkel sieht. Wolfgang hat früher Jens trainiert, und das Gespann hilft uns ein bisschen aus der 'Betriebsblindheit'." Weitere Veränderungen der Teamarbeit wollen Lutz/Beucke in den kommenden Wochen bekanntgeben.

Medveczki Foto Es soll weiter aufwärts gehen: Laser-Radial-Europameisterin will vor allem mit gelungenen Starts punkten

Für Laser-Radial-Europameisterin Svenja Weger markiert der Weltcup "eine wichtige Standortbestimmung". Ihre Einschätzung: "Die komplette Weltspitze ist am Start, und man wird definitiv sehen, wo man steht und woran noch verstärkt gearbeitet werden muss!" Weger hat im Wintertraining "einen Schwerpunkt auf das Starten" gelegt, "möchte das Ganze in Miami möglichst gut umsetzen". Die Trainingsgruppe im der olympischen Frauen-Einhandjolle Laser Radial hat sich inzwischen verändert. Chiara Steinmüller ist ausgestiegen, Lena Haverland und Pia Kuhlmann sind zur Leistungsgruppe in Kiel dazugestoßen. Svenja Weger sagt: "Dieses Jahr wird sehr lang und intensiv, weil der Höhepunkt mit der WM erst im November kommt. Ich habe mein Studium zurückgeschraubt, um dem Segeln noch mehr Zeit widmen zu können."

Eineinhalb Jahre vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ringt das Audi Sailing Team Germany um Stammplätze in der Weltelite. Philipp Buhl hat sich diesen Platz mit WM-Bronze 2013 und Platz vier bei der WM 2014 längst erkämpft, zählt weiter zu den Aushängeschildern des deutschen Segelleistungssports. Der Sonthofener Sportsoldat verfolgt beim Saisonauftakt eigene Ziele: "Mein Primärziel ist es, meinen Rücken, der immer noch ab und an Probleme bereitet, im Griff zu haben. Darüber hinaus will ich viele Trainingsstunden ableisten und wieder ein gutes Gefühl fürs Boot bekommen."

Topfit gehen die 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel in die Rennen vor Miami. Nach dem Verletzungs-Aus bei der WM 2014 trainieren Heil und Plößel seit Tagen hochmotiviert in den US-Gewässern. Erik Heil berichtet: "Wir hatten einen super Start in die neue Saison. Bei hohen Temperaturen und top Segelbedingungen konnten wir viele technische Themen abarbeiten." Das Konzept für die Weltcup-Regatta umreißt Heil so: "Wir haben uns vorgenommen, in erster Linie wieder in taktisch-strategische Dinge hineinzufinden. Das haben wir jetzt lange nicht mehr auf dem Plan gehabt, und es wird im Laufe der Saison noch sehr wichtig. Wenn dabei ein top Ergebnis herauskommt, dann sind wir natürlich zusätzlich happy!" Heil und Plößel werden in diesem Jahr eine Trainings-Kooperation mit den dänischen Olympiasiegern Jonas Warrer und Anders Thomsen bilden. Mit dieser Leistungskonzentration wollen sie die Speedlücke zu den zuletzt überragend segelnden und dem Rest der Flotte enteilten neuseeländischen Weltmeistern Peter Burling und Blair Tuke schließen.

Jesús Renedo/Sofía Mapfre Wollen 2015 wieder jubeln dürfen: Die 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel

Zu den deutschen Hoffnungsträgern vor Miami zählen auch der Olympia-Vierte Toni WIlhelm, der sich nach der verpatzten WM 2014 wieder in Medaillennähe vorarbeiten will. "Das große Ziel für 2015 ist natürlich die Olympiaqualifikation. Nach meinem Wiedereinstieg im vergangenen Jahr möchte ich meine Leistungen noch mehr stabilisieren und ganz klar konstant um Medaillen mitkämpfen. Das Feld hier in Miami ist in diesem Jahr unglaublich stark, das macht die ganze Sache zu einem guten Test. Ich fühle mich gut und werde versuchen, das Maximum herauszuholen."

Marina Könitzer Kommt im Laser immer besser in Fahrt: Tobias Schadewaldt

Drei deutsche 470er-Crews bei den Männern, keine deutschen Starterinnen im 470er und fünf Laser-Radial-Steuerfrauen zählen zum DSV-Aufgebot vor Miami. Dazu kommen Philipp Buhl und Tobi Schadewaldt im Laser, Justus Schmidt/Max Boehme und Heil/Plößel im 49er sowie vier 49er-FX-Damencrews inklusive der WM-Fünften Victoria Jurczok und Anika Lorenz aus Berlin. In der neuen Mixed-Disziplin Nacra 17 wollen sich die Nachwuchsteams Peter Kohlhoff/Carolina Werner und Jan Hauke Erichsen/Lea Spitzmann weiter in Richtung Top Ten vorarbeiten.

tati Bei der WM 2014 vor Santander segelten sie im Endspurt auf Platz fünf: Victoria Jurczok und Anika Lorenz

Generelle Zielsetzung der Mannschaft ist die Aufbesserung der zuletzt ernüchternden Bilanz. Bei der Weltmeisterschaft 2014 hatten es die deutschen Seglerinnen und Segler in der Nationenwertung nicht unter die besten 15 Länder geschafft. Die Wettfahrten vor Miami laufen ab Montag bis zum 30. Januar. Die Medaillenrennen stehen am 31. Januar auf dem Programm. Mehr als 800 Segler und Seglerinnen aus 63 Nationen kämpfen um einen gelungenen Jahresauftakt.

OeSV/Domansiki Mit ihnen dürfte bei den 470er-Frauen zu rechnen sein: Die österreichischen Weltmeisterinnen Lara Vadlau und Jola Ogar haben sich einiges für die vorolympische Saison vorgenommen, wollen ihre Dominanz aus dem letzten Jahr fortsetzen


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Themen: Erik Heil/Thomas PlößelMiamiPhilipp BuhlSvenja WegerTina Lutz/Susann BeuckeToni WilhelmVictoria Jurczok/Anika LorenzWeltcup

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