Segeln olympisch
"Wir müssen uns steigern"

Das deutsche Laser-Quartett hat sich bei der WM für die Goldflotte qualifiziert. Bester DSV-Starter war am Samstag RS:X-Surfer Toni Wilhelm

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 13.09.2014

Vincenzo Baglione "Oben ohne" an die Spitze: Der französische Weltranglisten-Erste Pierre Le Coq übernahm bei den RS:X-Surfern zum Ende der zweitägigen Qualifikation die Führung. Mit seinem Nachnamen (dt.: der Hahn, der Gockel) hat die reduzierte Bekleidung sicher nichts zu tun. Die Leistung gab seinem "Outfit" recht

"Ich hatte vor lauter Wut über mich selbst eine Kieferverspannung", sagte Tobias Schadewaldt nach seinen beiden Wettfahrten am Freitag mit einiger Selbstironie. Mit den Rängen 14 und zwölf und Platz 26 nach der zweitägigen Qualifikation hatte sich der Oldenburger zwar souverän für die Goldflotte der Hauptrunde qualifiziert. Doch er stellte umgehend klar: "Zufrieden war ich mit mir heute nicht."

Wie schon am Vortag bei Philipp Buhl hatte auch am Samstag sowohl Buhl als auch Schadewaldt in einem der beiden Rennen jeweils wieder eine einzige Fehlentscheidung an der Kreuz die bereits erkämpfte Top-Platzierung zunichte gemacht. "Ich war lange Dritter", berichtete Schadewaldt über Wettfahrt drei, "da ist so eine falsche Entscheidung schon ärgerlich. Die Kunst besteht hier darin, den richtigen Dreher zu nehmen. Und das ist eigentlich gar nicht so sonderlich schwierig. Da müssen wir uns in der Goldflotte steigern." Am Wind lag es bei den Laserseglern nicht. Der wehte laut Schadewaldt "mit wunderbaren zwei bis vier Windstärken".

Schadewaldt hatte sich nach Platz elf im 49er bei den Olympischen Spielen 2012 und dem Rücktritt seines Vorschoters Hannes Baumann dazu entschieden, in seine frühere Paradeklasse Laser zurückzukehren. In diesem Frühjahr von einem lange nicht erkannten Pfeifferschen Drüsenfieber zurückgeworfen und doppelt belastet durch Job und Training, war der Oldenburger nicht optimal in die Saison gestartet. Bei der WM aber zeigte er im ersten Rennen mit Rang drei, dass er wieder voll da ist. "Ich konnte in den letzten zehn Wochen gut trainieren. Ich bin gesund und fit – das ist ein Schlüsselfaktor. Ich bin jetzt bereit, mich auch mit den Besten der Welt zu messen. Und ich habe ein neues Schiff. Das mag das i-Tüpfelchen sein."

Die Qualifikationsergebnisse von Buhl (19.) und Schadewaldt (26.) nach vier Rennen klingen nicht imposant. Dennoch haben beide in den ersten beiden WM-Tagen in der Flotte der insgesamt 147 Starter aus mehr als 80 Nationen gezeigt, dass sie mit den weltbesten Laser-Seglern auf Augenhöhe agieren können. Und sie haben als erste Disziplin den deutschen Nationenstartplatz für die Olympischen Spiele gesichert. Auch deswegen sagt Bundestrainer Thomas Piesker: "Die gute Nachricht ist, dass sich nicht nur Philipp und Tobi für die Goldflotte qualifiziert haben, sondern auch Theodor Bauer und Fabian Gielen dabei sind. Also das gesamte Laser-Team. Es war aber für Philipp und Tobi heute wieder viel mehr drin. Wenn wir in der Hauptrunde die unnötigen Fehler abstellen können, dann ist weiterhin alles bis hin zu den Medaillen möglich." Die Führung bei den Lasern hat – wer sonst? – nach kleinem Auftaktpatzer inzwischen Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt übernommen. Dafür reichten ein Tagessieg und ein dritter Rang am zweiten Tag ganz lässig.

Sailing Energy Zwei olympische Goldmedaillen, zweimal Silber, einmal Bronze, neun WM-Titel im Laser und auch drei Kieler-Woche-Siege hat er auf seinem unfassbaren Karriere-Konto: Robert Scheidt ist "Mr. Laser". Der 41-Jährige will 2016 in seiner Heimat noch ein letztes Mal um den Olympiasieg kämpfen und segelt bei der WM vor Santander schon wieder in bestechender Form

Keinen guten Tag erwischte parallel zu den Männern Europameisterin Svenja Weger. Die Laser-Radial-Steuerfrau vom Potsdamer Yacht-Club rutschte nach den Rängen 29 und 26 von Platz zehn auf Platz 30 zurück. Den Cut für die Goldflotte überstand sie damit trotzdem. Außerdem für die Top-Flotte der Hauptrunde qualifiziert sind Pauline Liebig mit Platz 49 und und Chiara Steinmüller ganz knapp mit Platz 60 nach vier Wettfahrten.

Sailing Energy Vorn ist normalerweise da, wo sie ist: Bei den Olympischen Spielen 2012 "verlor" sie Gold, gewann "nur" Silber. Auf dem Weg nach Rio zählt Marit Bouwmeester bei allen großen Regatten zum engsten Favoritenkreis. Vor Santander liegt die Niederländerin und ehemalige Freundin von Sir Ben Ainslie nach der Qualifikation auf Platz drei

Toni Wilhelm "super solide"

Marina Könitzer Es läuft: Toni Wilhelm ist erfolgreich in die WM gestartet

Bester DSV-Starter war am zweiten WM-Tag Toni Wilhelm. Der RS:X-Surfer erkämpfte in den flauen und sehr drehenden Winden auf seiner Bahn einen dritten und einen vierten Rang. Damit liegt der Olympia-Vierte aus Dogern zunächst auf Platz sechs in Schlagdistanz zur Spitze. Der Blick auf die hinter Wilhelm liegenden Stars der Surfszene verrät, wie hoch Wilhelms Leistung zu diesem frühen Zeitpunkt einzuschätzen ist: Platz sieben belegt nach zwei Rennen der Weltranglisten-Erste Ricardo Santos aus Brasilien. Platz acht hat der griechische Europameister Byron Kokkalanis inne. Auf Platz neun lauert mit Przemyslaw Miarcynski jener Mann, der Wilhelm bei den Olympischen Spielen 2012 im dramatischen Finale noch die Bronzemedaille abgerungen hat. Zehnter ist zum Auftakt der WM der "fliegende Holländer" und souveräne Olympiasieger Dorian van Rijsselberge aus den Niederlanden. Und von Platz elf greift morgen der britische Weltmeister Nick Dempsey an. Spitzenreiter ist Weltcup-Gewinner Pierre Le Coq. Toni Wilhelms eigene Worte behalten ihre Gültigkeit: "Es wird ein großer Kampf." Und der Schwarzwälder ist mittendrin. "Für mich war es heute ein super solider Auftakt nach Plan. Ich habe kurz vor WM-Start noch eine richtig gute Finne gefunden. Meine Geschwindigkeit ist gut. Ich bin happy."

Am Sonntag steigen erstmals auch die 470er-Männer und Frauen ins WM-Geschehen ein. Die Isaf-Weltmeisterschaft aller zehn olympischen Disziplinen endet am 21. September mit den letzten Medaillenrennen. Mit dem Start der ersten Medaillenrennen ab 18. September beginnt die Live-Übertragung der Regatta im Internet. Bereits ab Sonntag soll es erste 2-D- und 3-D-Live-Trackings geben. Bislang allerdings hatten die Veranstalter so große Probleme mit ihrem Ergebnisdienst, dass diese Ankündigung zumindest mit einiger Vorsicht genossen werden muss.

Und hier die Höhepunkte von Tag 2 im Video:

http://youtu.be/3qgWR-Blldw


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