Jules Verne Trophy
"Wir gehen runter auf 52° Süd"

Boris Herrmann meldete sich erstmals von Bord der "Idec Sport" bei der YACHT. Das Team schlägt jetzt Südkurs ein. Zieht "Spindrift " nach?

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 02.12.2015

DPPI/Pierrick Contin

Die kurze Mail von Bord lässt erahnen, wie intensiv das Segeln eines solchen Riesenbootes mit nur sechs Mann bei Geschwindigkeiten über 30 Knoten auf dem Weg in den Southern Ocean ist:

"Hier ein paar Zeilen. Es geht alles so schnell, der Rhythmus ist intensiv. Schreiben nur bedingt möglich. Bei gerade 38 Knoten hüpft der Laptop in meinem Schoß. Wegen der Wachen verschwimmen die Tage ineinander. Es sollen schon zehn sein. Das ging schnell. Fast ein Viertel der Zeit schon. Das eigentliche Abenteuer beginnt jetzt. Es soll in den kommenden Tagen auf 52 Grad Süd gehen, weil ein Hoch südlich von Kapstadt den Weg versperrt. Wir haben gerade eine Insel namens Tristan da Cunha ganz nah passiert. Das lässt einen träumen. Ferne unzugängliche Inseln, an denen man nicht anlegen kann, weil sie wie steile Klippen aus dem Meer ragen. Welche Geheimnisse sie wohl verbergen? Wasserfälle, Wälder, Affen, Höhlen...? Der erste Albatros kündigt den großen Süden an. Möge dort bitte wenig Eis schwimmen!"

Volodija/Navionics Stand des Rekordversuchs heute Nachmittag mit Wetterprognose für 18 Uhr

Gestern abend hatte Skipper Francis Joyon den Auftakt für diesen langen Schlag gen Süden eingeleitet und war mit dem feuerroten Tri stark abgefallen, um Meilen in die tiefen Breiten zu machen. Der Rivale "Spindrift 2" blieb bislang weiter auf 20 Grad östlicherem Kurs – Boris Herrmanns Team querte gestern das Kielwasser des großen schwarzen Tris. Dass es gut lief, meldete auch Skipper Joyon begeistert über die Top-Speeds von Bord, während Bernard Stamm am Ruder war: "41,3 …  43 knots….”. In 24 Stunden legte "Idec Sport" 710 Seemeilen zurück, nur knapp 80 unter der eigenen bisherigen Bestmarke. Das Team versucht wieder, an die Richtzeit von "Banque Populaire V" heranzukommen, hinter die sie zurzeit rund 350 Seemeilen zurückgefallen sind.

Auf Yann Guichards und Dona Bertarellis Team haben Herrmann & Co mittlerweile ebenfalls etwa 310 Seemeilen Rückstand, sind zurzeit aber mit ganz ähnlichen Speed unterwegs. In den letzten 24 Stunden konnten sie 810 Seemeilen zurücklegen – kaum verwunderlich bei einem 9,5 Meter längeren Boot. Segeln die Tris so weiter, dürften sie gegen Freitagmorgen das Kap der Guten Hoffnung erreichen. 

Putzaktion auf "Spindrift 2"

Derweil schickte "Spindrift 2" ein Video von Bord, das eine akribische Putzaktion vor dem Erreichen des Southern Ocean zeigt.


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Themen: Boris HerrmannIdec SportJules Verne TrophySpindrift 2Yann Guichard

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