Youth America's Cup
"Wie kleine Rockstars im Rampenlicht"

All in Racing hat sich mit Manöverfehlern und verpatztem Start um eine bessere Halbzeitplatzierung gebracht. Buhl: "Podium noch möglich"

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 03.09.2013

Die schönste Erkenntnis zur Halbzeit im Red Bull Youth America's Cup vor San Francisco: Die Rennen sind spannend! Gefahrenmomente gab es in den bislang mäßigen Winden kaum. Stattdessen machen aufregende Starts, viele Positionswechsel, strategische Meisterleistungen und auch sichtbare Patzer der zehn teilnehmenden Nachwuchs-Mannschaften aus acht Ländern und ihre Folgen die Premiere des Jugend-Cups zum sehenswerten Live-Vergnügen via Internet-Kanal von Servus-TV. Für die deutsche Mannschaft All in Racing war es am zweiten Wettfahrttag jedoch ein getrübtes Vergnügen.

Vier Wettfahren vor Schluss liegt All in Racing mit 17 Punkten nur auf dem achten Platz. Die Gewinner des Tages waren am Montag das Team ROFF Cascais Sailing aus Portugal und die Swedish Youth Challenge, die jeweils eine Wettfahrt gewinnen konnten. Spitzenreiter sind punktgleich mit jeweils 28 Zählern das neuseeländische NZL Sailing Team und die American Youth Sailing Force vor der Schweizer Mannschaft Team Tilt (27 Punkte).

Jens Hoyer/AiR Das deutsche Team All in Racing hatte am zweiten Tag zu kämpfen

Beim Start ins dritte Rennen hatte die deutsche Crew um Skipper Philipp Buhl und Steuermann Erik Heil noch geglänzt. "Unser Start war eigentlich ganz gut. Wir hatten den Plan, unter den Portugiesen durchzufahren", berichtete der 23-jährige Buhl YACHT online, "dieser Plan stand schon 30 Sekunden vorher. Wir haben es nur ein bisschen zu spät angesetzt, hätten auch eine Bootslänge früher losfahren können, dann wäre es noch besser ausgegangen. Doch wir haben die erste Tonne an dritter Position gerundet – eigentlich eine Tipptopp-Ausgangsposition."

Im weiteren Verlauf des dritten Rennens aber offenbarte sich ein teurer Schwachpunkt im deutschen Team: "Wir hatten den ganzen Tag ein Problem mit den Downwinds. Unsere Halsen sind einfach noch ein bisschen zu schnell. Eine Sekunde, die man sich hier mehr Zeit nimmt, kann später den Unterschied machen. Wir haben durch eine einzige Halse eine richtig gute Position verloren und sind dann in eine kleine Negativspirale geraten. Auf den Upwinds konnten wir dank guter strategischer Züge wieder aufholen. Doch dann kam unser zweites Problem des Tages ins Spiel: schwaches Risikomanagement. Wir müssen hier vielleicht etwas weniger ans Limit gehen und uns mehr darauf konzentrieren, unsere Position zu halten. Alles in allem war das fünfte Rennen mit Rang fünf aber okay, auch wenn viel mehr drin gewesen wäre."

Jens Hoyer/AiR Die harte physische Arbeit und die Anspannung stehen den deutschen Seglern ins Gesicht geschrieben

Ursache für die schwache Gesamtplatzierung nach vier Starts war der völlig verpatzte Start in Wettfahrt vier. All in Racing wurde vom Pulk abgeklemmt, musste nach Beinahe-Stillstand aus der zweiten Reihe starten und erholte sich davon im Verlauf des Rennens nicht mehr. "Wir waren an der Linie zu passiv. Das wollen wir heute anders machen", sagte Buhl. "Erik hat in allen Trainingsrennen und auch in den Wettfahrten gezeigt, was wir können. Es sah immer einfach aus, wir hatten immer gute Starts. Wenn wir es schaffen, unser Manöverproblem, die Halse, sauber zu fahren, dann können wir am Dienstag richtig loslegen."

Die junge deutsche Mannschaft ist im Gegensatz zur Konkurrenz auf sich gestellt. Doppel-Olympiasieger und Servus-TV-Kommentator Hans-Peter Steinacher sagte: "Die haben keinen Physoio, keinen Coach, keinen Koch und wohnen alle zusammen in einem Zimmer. Es ist schon mehr als respektabel, wie diese Jungs hier auftreten." Auch Steinacher hatte die Downwindschwäche der Deutschen schnell ausgemacht und All in Racing "zu viele Manöver" bescheinigt. In der dritten Wettfahrt gab es sogar Sonderlob von einem der beiden Sportdirektoren des Youth America's Cup. Steinacher kommentierte die erste gelungene Tonnenrundung der Deutschen so: "Ein super Manöver, wie sie die Schweden da abklemmen! Der Fuchs Heil ..." Doch in der Endabrechnung reichten die Glanzmomente nicht zum Sprung an die Spitze.

Jens Hoyer/AiR Das deutsche Team All in Racing in der Bucht von San Francisco

Steinacher analysierte die Rennen während der Live-Übertragung kenntnisreich und klug, ging auch auf die psychologische Belastung für die jungen Mannschaften mit Seglern im Alter von 19 bis 24 Jahren ein: "Die wissen, dass man ihre Rennen in aller Welt beobachtet. Sie stehen im Rampenlicht wie kleine Rockstars. Da zeigt sich auch, wer diesem Druck gewachsen ist, den sie bisher nicht kannten."

Der Erfolgshunger der deutschen Segler ist nach dem Rückschlag unverändert groß. Buhl sagte: "Wir müssen das Paket am Dienstag einfach einmal richtig schnüren: Gute Starts, weniger Manöver, saubere Halsen und etwas Risiko rausnehmen. Wenn wir dann strategisch so segeln wie am Montag, dann sind wir ganz vorn dabei." Die Stimmung, so der Skipper, sei im Team unverändert gut. "Natürlich würde sie schlagartig noch viel besser werden, wenn wir mal das eine oder andere Erfolgserlebnis haben. Aufgeben werden wir definitiv nicht. Es gilt weiter: All in!"


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Themen: All in RacingErik HeilPhilipp BuhlSan FranciscoYouth America's Cup

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