America's Cup
"Wenn dieser Kerl seine Aufgabe nicht erfüllen will, haben wir ein Problem"

Ernesto Bertarelli vollzieht den offenen Bruch mit Russell Coutts. Ein Insider spekuliert für YACHT online über die Hintergründe

  • Carsten Kemmling
 • Publiziert am 22.06.2004

P. Schiller Ernesto Bertarelli

Die Männerfreundschaft zwischen Bertarelli und Coutts scheint endgültig zerbrochen. In einem Interview mit dem "Daily Telegraph" nannte der Alinghi-Chef seinen Skipper nur noch "the guy", diesen Kerl. Er führte aus, dass er jeden Versuch von Coutts unterbinden werde, sich einem gegnerischen Team anzuschließen.

"Mehr als alles andere muss ich jetzt versuchen, unser Team zu beschützen", sagt Bertarelli. "Ich möchte mich nicht in der Situation von Team New Zealand im Jahr 2000 wiederfinden. Aber glücklicherweise haben wir, glaube ich, bessere Verträge gemacht als die Neuseeländer damals." Er betont allerdings, dass er wesentlich lieber weiterhin mit ihm zusammenarbeiten würde als ihn kaltzustellen. "Cayarding" sagt man dazu schon in der Szene, nachdem Ellison das Gleiche mit Paul Cayard beim vergangenen Cup getan hatte.

"Ich kenne seine Stärken und deshalb hoffe ich auf eine Lösung unserer Probleme." Erklären könne er sich Coutts Verdrossenheit nicht, aber er glaube, es habe nichts mit ihrer persönlichen Beziehung zu tun, nichts mit Geld oder mit der Hierarchie bei ihren Entscheidungsprozessen. "Für mich kommt seine Unzufriedenheit völlig überraschend", sagt Bertarelli dem "Daily Telegraph".

Bei der Entscheidung über den Austragungsort Valencia habe Russell mitdiskutiert und seine Meinung zum Ausdruck bringen können, "aber am Ende des Tages muss ich Entscheidungen fällen. Da können wir unsere Rollen nicht tauschen".

P. Schiller Alinghi Russell Coutts

Was steckt wirklich hinter der Geschichte? So lange sich Russell Coutts nicht selber zu dem Thema äußert, können nur Mutmaßungen angestellt werden. So äußert ein Alinghi-Insider gegenüber YACHT online die Meinung, dass weniger Differenzen zwischen Coutts und Bertarelli bestehen, sondern eher mit dem Chef des America’s-Cup-Management Michel Bonnefous.

Bertarelli selber mache sich nie unbeliebt. Mit den unliebsamen Entscheidungen betraue er geschickt andere. Zum Beispiel Bonnefous. Der habe starke Ideen und vertrete sie auch vehement - wahrscheinlich, so der Insider, seien sich Coutts und Bonnefous in die Haare geraten. Früher sei deren Beziehung kein Problem gewesen, weil Bonnefous im Hintergrund gearbeitet habe. In der neuen Hierarchie habe er aber gerade bei der Gestaltung des neuen Cups großen Einfluss.

Die spannende Frage sei jetzt, ob Coutts Vertrag tatsächlich wasserdicht ist und er keinem anderen Team zur Verfügung steht. Denn wenn er wirklich geht, sei es gut möglich, dass das so genannte Team magic der Neuseeländer mit Brad Butterworth, Murray Jones, Simon Daubney, Warwick Fleury und Dean Phipps ihn begleitet. Sie seien Coutts nach wie vor treu ergeben, und Kenner der Materie wüssten, dass er ohne seine Jungs nichts sei.

Der Streit zwischen Coutts und Alinghi ist mehr als eine einfache Personalie. Wird er nicht beigelegt, könnte das der Anfang vom Ende des Dreamteams Alinghi sein.


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Themen: BruchErnesto BertarelliPersonalieRussell CouttsStreitTrennung

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