Regatta-News
Warm und weit gesellen sich gern

Rekordjäger Joyon und van den Heede in unterschiedlichen Klimazonen

  • Matthias Beilken
 • Publiziert am 22.01.2004

Jean-Luc Van den Heede hat's warm. 20 Grad Celsius zeigt das Thermometer heute, das die Zahlen automatisch auf seine Website beamt. Dabei segelt der Franzose irgendwo mitten im südlichen Indischen Ozean umher, dem Weltmeer mit dem schlechtesten, weil stürmischsten Ruf.

Warm ist es da eigentlich nie. Am 40. südlichen Breitengrad stehen der Aluminium-One-Off "Adrien" und sein Skipper van den Heede, rund 92 Grad Westlänge zeigt sein GPS. Mit bis zu zehn Knoten geht es Richtung Westen. Denn der beliebte ehemalige Mathematiklehrer Van den Heede aus Amiens kreuzt gegen Winde und Strömungen des Südmeers, ist dem aktuellen Weltrekord seines Landsmanns Philippe Monnet immer noch um einige Tage voraus. "Heute weht auch wieder etwas Wind, sodass 'Adrien' wieder Fahrt macht", sagt der Skipper, der in den Tagen zuvor mit seinem Boot von einer Flaute gebremst wurde. Nein, Sorgen hat er derzeit eigentlich nicht. Er muss nur noch etwa ein Drittel der Welt nonstop umsegeln und bis dahin alles halten.

Da geht es seinem Kollegen Francis Joyon ähnlich, nur hat er viel weniger zu segeln. Mit seinem 27 Meter langen Maxi-Tri "Idec" ( www.trimaran-idec.com ) segelt er wieder im Atlantik, hat die stürmischen brüllenden Vierziger und den Indischen Ozean bereits hinter sich. Auch er war im vergangenen Herbst zu einer Nonstop-Weltumsegelung aufgebrochen und hatte sich vorgenommen, den bestehenden Rekord auf der Strecke zu schlagen allerdingst mit dem Wind im Rücken. Den hält ebenfalls ein Landsmann von Joyon: Michel Desjoyeaux, der Sieger bei der Vendée Globe Challenge 2000/2001.

Aber eher zufällig, denn etwas anderes als Monohulls wurden schon lange nicht mehr einhand und nonstop durch den Southern Ocean auf der Rekordstrecke gesegelt. Wenn der Skipper das Tempo, das er bis jetzt an den Tag gelegt hat, weiter hält, wird seine Zeit um die Welt sogar in der Nähe derjenigen liegen, die der Voreigner des Tris (der damals "Sport Elec hieß), Olivier de Kersauson, 1996 aufgestellt hat. Nach 71 Tagen war de Kersauson wieder in Brest angekommen und hielt die Jules-Verne-Trophäe in die Höhe. Verliehen wird sie für die schnellste Umrundungszeit überhaupt - de Kersauson stellte sie mit einer vollen Crew auf.

Vier Breitengrade trennen Francis Joyon, der im Gegensatz zu de Kersauson solo unterwegs ist, jetzt noch vom Äquator. In spätestens zwei Tagen also müsste er die magische Linie nordwärts übersegeln. Der Längengrad, auf dem "Idec" gerade segelt (der 33. West) ist nicht mehr sehr weit von der brasilianischen Küste entfernt. Etwa 300 Seemeilen weiter westlich seiner jetzigen Position würde er Land sehen, steuerte auch er West, wie sein Kollege van den Heede zwei Ozeane weiter. "Idecs" drei Steven zeigen jedoch nach Norden. Das kreuzen der eigenen Kurslinie, die noch von der Ausreise auf seine Karte gezeichnet ist, spart sich Joyon aus taktischen Gründen offensichtlich für einen späteren Zeitpunkt auf.

Vier Grad südlich des Äquators ist es heiß. Wesentlich heißer als die 20 Grad Celsius, die Van den Heede zurzeit misst und die ihn in Hochstimmung versetzen. Und der Wind beginnt für Joyon wegen der nahen Doldrums unzuverlässig zu werden. "Heute habe ich die wenigsten Meilen pro 24 Stunden der gesamten Reise geschafft. Es waren nur 130. Ich hab mal überschlagen: In diesem Tempo hätte die Umrundung 250 Tage gedauert", nörgelt Joyon, der heute 60 Tage auf See ist.

So ist des einen Freud des anderen Leid. Der eine freut sich über ein wenig Sonne, dem anderen ist zu wenig Wind , und die Hitze nervt ihn. Dass Joyon im Vergleich zu seinem Landsmann im Indischen Ozean schon fast zu Hause ist, scheint ihn nicht zu berühren.


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Themen: JoyonRekordjägerVan den Heede

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