Sydney-Hobart Race
"Walross IV" bereit für die Bass Strait

Die einzige deutsche Yacht beim Hochsee-Klassiker erwartet ein schnelles Rennen – und viel Wind

  • YACHT Online
 • Publiziert am 26.12.2008

ASV Berlin Einziges deusches Boot unter 101 Startern: "Walross IV" vom ASV Berlin

Die 64. Regatta "down under" verspricht alles andere als eine gemütliche Geschwaderfahrt zu werden. 628 Seemeilen liegen vor den 101 Teilnehmern. Die Bedingungen könnten anspruchsvoll werden.

Chefmeteorologe Barry Hanstrum vom Wetteramt New South Wales sah am Tag vor Heiligabend bereits potenziell Rekordbedingungen voraus. "Es dürfte ein schnelles, vielleicht sogar sehr schnelles Rennen werden", prophezeit der Experte.

Zunächst mäßige bis frische nordöstliche Winde erwartet Hanstrum, die übers Wochenende zunehmen sollen und Sturmstärke erreichen dürften. Dabei könnte der Wind auf westliche Richtungen drehen und für die kleineren, langsamen Boote auf der berüchtigten Bass Strait, der bezeichnender Weise "Ausrittplatz" genannten Wasserstraße zwischen dem australischen Festland und Tasmanien, für hohe, steile Wellen sorgen.

Zwangsläufig werden am zehnten Jahrestag Erinnerungen wach an das folgenschwere Rennen von 1998, als ein Orkan das Feld heimsuchte. Während verschiedener Schweigeminuten rund um die Regatta wird in den nächsten Tagen der sechs Segler gedacht, die damals ihr Leben auf hoher See ließen.

Fünf Yachten sanken damals, 66 Crews gaben auf. Nur 44 von 115 Schiffen erreichten das Ziel. In einer beispiellosen Rettungsaktion, an der allein 25 Hubschrauber und Flugzeuge sowie rund eintausend Menschen beteiligt waren, wurden 55 Seeleute in tosender See abgeborgen.

Aus der Katastrophe zog der veranstaltende Cruising Yacht Club of Australia weitreichende Konsequenzen und schuf die schärfsten Sicherheitsvorschriften für Hochseeregatten überhaupt. Sie reichen von Seenotsignalen für jedes einzelne Crewmitglied, über wasserdichte Bordbatterien, um die Funkverbindung zum Land jederzeit aufrecht zu erhalten, bis zu voll ausgerüsteten Rettungsinseln.

Beim Einfahren in die Bass-Straße sowie bei Sturm besteht eine Meldepflicht bei der Regattaleitung. Die halbe Mannschaft muss ein spezielles Sicherheitstraining absolviert haben; Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht mehr teilnehmen.

Die zwölfköpfige Crew der "Walross IV", überwiegend Studenten, weiß genau, was auf sie zukommen kann. Sie betrachtet das Rolex Sydney Hobart Yacht Race als "eine ganz besondere Etappe" unter 26, die das Schiff in zwei Jahren über 43.000 Seemeilen rund um die Welt führen sollen. Mehr als die Hälfte davon wurde bereits absolviert, eine gute Vorbereitung für das Boot.

"Das Rennen ist für uns keine wirkliche Langstrecke", sagt Skipper Christian Masilge, "wir hoffen auf einen spannenden Wettkampf und eine sichere Ankunft in Hobart." Siegchancen rechnet sich der Schiffbauingenieur mit der als Fahrtenyacht konzipierten "Walross IV" nicht aus, obwohl eigens für das Rennen drei Tonnen unnötiger Ballast von Bord geschafft wurden.

Das Boot des Akademischen Segler-Vereins aus Berlin ist Nachfolger der legendären "Walross III", die 1981/82 als einzige deutsche Yacht am Whitbread Round the World Race teilgenommen hatte. Der 16,95 Meter lange und 4,40 Meter breite Rumpf wurde von Georg Nissen aus Laboe gezeichnet und vor zwei Jahren in Berlin und Glückstadt aus Holz gebaut. Damit ist er deutlich schwerer als Kunststoff- oder Kohlefaser-Hightechyachten vergleichbarer Größe, aber auch durabler. Der vorhergesagte Starkwind dürfte dem Team liegen.

Auf die Nordostbrise, die schräg von hinten einen schnellen Kurs bedeutet, freut sich auch die Crew der Topfavoritin auf den Sieg nach gesegelter Zeit, die australische "Wild Oats XI". Die 30-Meter-Maxiyacht will 2008 Geschichte schreiben, indem sie als Erste in der 64-jährigen Geschichte zum vierten Mal in Folge "First Ship Home", also Erster im Ziel ist.

"Wir haben das Boot auf Höchstgeschwindigkeit modifiziert und nehmen dafür Nachteile beim Rennwert in Kauf", erklärt Skipper Mark Richards das klare Ziel. Ein Gesamtsieg nach berechneter Zeit auch gegen Teams auf kleineren, aber nicht minder ambitionierten Rennern wurde in den Hintergrund gerückt.

Behält Wetterfexperteh Barry Hanstrum Recht, könnte sogar der Streckenrekord von 2005 gebrochen werden. Der steht seitdem bei 42 Stunden, 40 Minuten und zehn Sekunden, gehalten von der "Wild Oats XI", von wem sonst.

Einen neuen, einsamen Rekord wird es in jedem Fall geben. Während es der einheimische Regattaveteran Lou Abraham bei 44 Teilnahmen belässt und am Zweiten Weihnachtstag um 13 Uhr Ortszeit (2 Uhr nachts deutscher Zeit) den Schuss aus der Startkanone abfeuern wird, sticht sein Landsmann Tony Cable, diesmal auf der "Getaway-Sailing.com", zum 45. Mal in See.

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