Classic Fyn Rundt
Von großem Charme und kleinen Siegern

Die 79. Auflage der Traditionsregatta Classic Fyn Rundt bot den teilnehmenden Yachten Wind, Sonne und den Reiz der Langstrecke

  • Bendix Hügelmann
 • Publiziert am 11.06.2013

K.Schmidt Abendstimmung im Kleinen Belt. Umlaufende Winde und Gegenstrom fordern höchste Konzentration

142 Seemeilen, 122 Yachten, 21 Wertungsgruppen und vier Starts: Der ausrichtende Kerteminde Sejlklub bewies auch in diesem Jahr ein geschicktes Händchen bei Organisation und Durchführung von Dänemarks ältester Regatta. Ein Programm schlicht und konsequent auf die Bedürfnisse der Segler ausgerichtet, ließ die Veranstaltung nach außen hin zwar bieder wirken, der Freude und dem Zuspruch seitens der Segler tat dies jedoch keinerlei Abbruch.

Im Gegenteil: Ein Rennen wie Classic Fyn Rundt lebt von seinem Abenteuer-Charakter. Zwar fanden sich auch anspruchsvolle Regattacrews in Kerteminde ein, die überwältigende Mehrzahl der Teilnehmer entsprang jedoch dem Segment der Fahrtensegler. Nonstop durch die Nacht um die Insel Fünen herum – für viele Crews liegt bei einer Regatta wie Classic Fyn Rundt genau darin der Reiz.

Flauer Start, frisches Finish

Von Kerteminde aus wurden die Crews am Freitag, den 7. Juni gegen den Uhrzeigersinn um die Insel Fünen herum auf die Reise geschickt. Bei anfangs moderaten Bedingungen kreuzten die Yachten zunächst aus der Kerteminder Bucht durch den Romsøsund bis zum Ausgang des Großen Belts. Als an einer Regattatonne nordöstlich von Fyns Hoved gegen Mittag die ersten Spinnaker stiegen, hatte der Wind signifikant an Stärke verloren. Es begann eine anspruchsvolle, weil nervenzehrende Zitterpartie Kurs West bis zum Eingang des Kleinen Belts.

Wetterpoker mit hohem Einsatz

B.Hügelmann On-Board "Pax" – nach zwei endlosen Stunden erlösende Abendbrise zwischen Fredericia und Middelfart

Als gegen 20.00 Uhr der Wind komplett einschlief, standen die führenden Yachten bereits im Gegenstrom der Meerenge zwischen Middelfart und Fredericia. Mehr als zwei Stunden lagen die Yachten im Öl, als gegen halb 11 Uhr abends der erlösende Wind aus West einsetzte. Wer sich bis dahin dicht unter der jütländischen Küste positioniert hatte, wurde mit einem direkten Kurs unter geschrickten Schoten belohnt. Ein Schlüsselmoment des Rennens.

Doch sollte die Freude unter den Seglern angesichts des erlösenden Windes nicht lange Bestand haben. Unmittelbar nach Passieren der Kleinen-Belt-Brücke nahm der Wind merklich ab, das Aussegeln des bis zu 2,5 Knoten schnellen Gegenstroms wurde zur abendlichen Gedulds- und Mutprobe: Nur wer dicht unter Land blieb, hatte eine Chance.

Frischer Wind für die zweite Halbzeit

K.Schmidt Matchrace um die Insel. Die große Teilnehmervielfalt verspricht für jede Yacht den passenden Gegner

Gegen Mitternacht frischte der Wind dann merklich auf. Bei Winden zwischen 16 und 22 Knoten aus nunmehr nordwestlicher Richtung halsten die Yachten durch die zahlreichen Flachs des Kleinen Belts. Auf der dänischen ULDB 48 "Essex Girl" kam es dabei zu einem Zwischenfall: Aus bisher ungeklärten Gründen wickelte sich der Gennaker mehrmals ums Vorstag. Der Crew blieb nichts anderes übrig, als das Großsegel zu bergen und unter Motor den Gennaker manuell aus dem Vorstag zu entdrehen.

Als die Yachten am Samstagmorgen den Svendborgsund durchquerten, kam die gesamte Faszination eines Langstreckenrennens zur Geltung: Im Sonnenaufgang, die Nacht erfolgreich im Kielwasser gelassen, segelten die Yachten unter Spinnaker durch den kleinen Sund im Süden der Insel Fünen. Vorbei an verschlafenen Ortschaften und Booten, ging es am Ausgang des Svendborgsunds auf eine lange Zielkreuz zurück nach Kerteminde. Gewonnen hat über alles mit der BB10 "Jazz" übrigens ein ausgewiesenes Fahrtenschiff. Sie verwies die Scancap 99 "Scanti" und die X-40 "X2Box" auf die Plätze zwei und drei. Beste deutsche Yacht wurde die J/V 41 "Inschallah VI" auf Rang neun vor der IMX 40 "Pax" auf Platz zehn.

K.Schmidt On-Board "Inschallah VI" – unter Spinnaker geht es in die Nacht

Eine große Community auf Facebook betreibt unterdessen bereits regen Austausch von Fotos und Videos. Ein Besuch unter folgendem Link lohnt sich, spiegelt er doch die Freude und der Enthusiasmus der Teilnehmer wider.

K.Schmidt Eher Ausnahme denn die Regel: Das Gros der Yachten bei Classic Fyn Rundt sind herkömmliche Fahrtenyachten. Hier: die Ker 11.3 "Visione 3"


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