Portimao Global Ocean Race
Vom Drag Race zurück zum Match Race

Zweikampf zwischen der deutschen "Beluga Racer" und der chilenischen "Desafio Cabo de Hornos" geht weiter

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 10.03.2009

PGOR In Führung, aber nur hauchdünn: Felix Oehme (F.) und Boris Herrmann auf "Beluga"

Sie gönnen sich nichts. Nach dem Durchzug der Sturmfront, die nicht ganz so schlimm war wie vorhergesagt, müssen Boris Herrmann und Felix Oehme unverändert wachsam sein. WInddreher, Regenböen, immer noch recht hoher Schwell, vor allem aber ihre zu allem entschlossenen Widersacher aus Chile fordern volle Konzentration.

Viel hat sich nicht getan in der letzten Nacht, die für die 27-jährigen Deutschen auf der Südhalbkugel ja Tag war. Unverändert führt "Beluga Racer" das Feld an. Doch die Abstände sind geradezu lächerlich.

17 Tage nach dem Start trennen nur 6 Seemeilen den Ersten vom Zweiten. Und auch der Nord-Süd-Abstand ist vergleichsweise minimal. Weil ein Eistor auf 45 Grad südlicher Breite die taktischen Optionen begrenzt, segeln die Class 40 mit nur rund 20 Meilen Querabstand. Gleicher Kurs, gleiches Wetter, nahezu gleiche Geschwindigkeit.

Zumindest zwischen den beiden Spitzenreitern tut sich wenig. Die Briten auf "Team Mowgli" allerdings können seit vorgestern nie ganz den Speed mitgehen und hängen etwas zurück.

PGOR Auf Angriff, aber voll: Felipe Cubillos und Jose Munoz auf "Desfio Cabo de Hornos"

Taktisch waren Boris und Felix hervorragend aufgestellt, und sie sind es noch. Als nördlichstes Boot vermieden sie im Tief das Schlimmste. Und in der jetzt auf 20 bis 25 Knoten abflauenden Brise, die von Südwest auf Westsüdwest dreht, haben sie noch etwas mehr "Reserve" als Felipe Cubillos und José Munoz, höher zu halten und Speed mitzunehmen.

Allerdings wird die Wettersituation in den kommenden zwei bis drei Tagen anspruchsvoll werden. Der Wind soll morgen wieder auf Süd drehen, mit einem eher unsteten Frontübergang. "Strategisch und taktisch wird das sehr komplex", sagt Cubilos. Bis zu drei verschiedene Fronten würden das Wetter bestimmen, bis nach 500 Seemeilen das Ende des Eistors erreicht und der Weg nach Süden offen ist. "Windrichtung und Stärke werden stark schwanken".

PGOR-Tracker Knapp vor, aber gut positioniert: Im Norden des Feldes bleibt "Beluga" etwas mehr taktischer Spielraum

Für den Skipper der "Desafio" gibt es bis dahin nur ein Ziel: Als Erster am letzten Wegpunkt zu sein, bevor weitere 1300 Seemeilen südöstlich Kap Hoorn anliegt. "Wir haben schon eine Strategie festgelegt," so Cubillos, aber es bleibe schwierig. "Riesige Wolken, die fast bis aufs Meer reichen, bringen immer wieder Regen, Hagel und sehr viel Wind. Wenn Du nicht schnell genug die Segelfläche verkleinerst, bevor die Bö da ist, riskierst Du eine Kenterung und Bruch." Aber so geht es derzeit allen Crews.

Cubillos and Muñoz scheinen wie schon beim Start dieser 3. Etappe zum Äußersten motiviert. SIe wollen unbedingt gewinnen. Und die Tatsache, dass sie Richtung Heimat segeln, beflügelt sie dabei umso mehr. “Es sind weniger als 1,800 Seemeilen bis zu unserem geliebten Chile", schreibt Cubillos. Jede Anstrengung, die es braucht, um als Erste über die Ziellinie zu segeln, sei "den Schmerz wert".

Für Boris Herrmann und Felix Oehme heißt es, weiter cool und konzentriert zu bleiben. Übereifer mitten im Southern Ocean kann kontraproduktiv sein.


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Themen: BorisBoris HerrmannClass 40Kap HoornOehmePortimãoSouthern Ocean

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