Extreme Sailing
Vom Außenseiter zum Spitzenreiter

In der Extreme Sailing Series tummelt sich die America's-Cup-Elite des Segelsports. Zum Saisonauftakt aber führen Schweizer Außenseiter

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 21.02.2014

ESS/Lloyd Images Startschuss vor Singapur für die Extreme Sailing Series 2014

Nicht der erfolgreichste Olympiasegler der Geschichte, nicht die Titelverteidiger und auch nicht das neu eingestiegene Team New Zealand haben beim Saisonauftakt zur Extreme Sailing Series in Singapur glänzen können. Ein Schweizer Außenseiter-Team zeigte den Großen des Sports, darunter die America's-Cup-Sieger Sir Ben Ainslie und Dean Barker, wie man in der aktuell populärsten internationalen Segelserie auf zwei Kufen souverän an die Spitze segeln kann.

ESS/Lloyd Images Segeln extrem vor der imposanten Kulisse Singapurs

Vor der imposanten Kulisse der Wolkenkratzer kam das Schweizer Team Realstone mit den anspruchsvollen Bedingungen auf dem kurzen Hafenkurs am besten zurecht und führt das Klassement nach den ersten acht Rennen knapp vor den Landsleuten vom Team Alinghi an. Realstones Skipper Jérome Clerc sagte: "2013 haben wir mit der Mannschaft noch viel rotiert, um die besten Leute und die optimale Konfiguration zu finden. Wir sind heute gut gesegelt und hatten gute Starts. Wir sind einem einfachen Schema gefolgt, immer auf der gleichen Seite gestartet und haben es mit regelmäßigen Wenden auf jedem Kursabschnitt versucht. Wir haben rasch gemerkt, dass diese Strategie sich auszuzahlen begann und sind dann dabei geblieben. Aber es war nur der erste Tag. Wir sind immer noch die Außenseiter."

Mark Lloyd Muss schnell lernen, wenn er an die Spitze will: Ben Ainslie

Für die zwölf teilnehmenden Teams waren es die ersten von bis zu 250 Extrem-Rennen in diesem Jahr. Die Erkenntnis des viermaligen Olympiasiegers Ainslie: "Wir müssen alle schnell dazulernen. Das gilt auf diesem engen Gewässer in besonderem Maße. Selbst für erfahrene Segler ist das hier eine große Herausforderung. Das Feld ist sehr stark. Eines der stärksten, die wir je hatten. Und wir sind hier offenkundig Neulinge. Wir haben heute wirklich viel gelernt."

Ob das reicht, im Verlauf des ersten Acts von Platz fünf die führenden Teams anzugreifen, wird sich in den kommenden drei Tagen erweisen. Noch macht das Zwischenergebnis allen Teams Hoffnung: Das erste und das letzte Team trennen lediglich 18 Punkte. Auf Platz fünf liegt das neuseeländische Team mit Skipper Dean Barker in Lauerstellung. Ein bisschen enttäuscht dürften die Fans in Singapur zum Auftakt aber gewesen sein, denn ihr Team Aberdeen Singapore mit Skipper Nick Maloney liegt zunächst nur auf dem letzten Platz des dynamischen Dutzends.

Ein deutsches Team ist trotz überschaubarem Einsteiger-Budget von rund einer Million Euro für eine ganze Saison weiterhin nicht am Start. Neu aber sind mehrere Seglerinnen: Ben Ainslie holte sich die britische Olympiasiegerin Pippa Wilson ins Team, Franck Cammas fünfköpfiges Groupama Sailing Team segelt mit Sophie de Turckheim, das Red Bull Sailing Team von Roman Hagara setzt auf Haylee Outerridge, an Bord von GAC Pindar ist Alexandra South im Einsatz. Die Chance für die schnellen Frauen ergab sich durch das Gewichtslimit, das bei den meisten Mannschaften dazu geführt hat, ein sehr leichtes fünftes Crew-Mitglied zu verpflichten.

Mark Lloyd Wollen die Extreme Sailing Series 2014 gewinnen: die Skipper bei der Auftaktpressekonferenz in London

Die Extreme Sailing Series (ESS) wird auch in ihrer achten Saison auf rasanten Katamaranen vom Typ Extreme 40 ausgetragen und füllt das Loch, das nach dem letzten America’s-Cup-Duell bis zu dessen nächster Auflage 2016 oder 2017 entstanden ist. In dieser Serie messen sich die Cup-Teams, Weltmeister und Olympiasieger, trainieren und bieten ihren Sponsoren eine attraktive Bühne.

Die ESS hat sich seit ihrer Premiere 2007 zum führenden internationalen Regattazirkus entwickelt. Sie zieht nach Singapur weiter nach Muscat im Oman (19. bis 22. März) und endet im Dezember nach insgesamt acht Acts auf drei Kontinenten in Sydney. Die Regatten werden grundsätzlich in Ufernähe ausgetragen, um die Fans dichter an den Segelsport zu bringen. 2014 gibt es wieder keinen deutschen Regatta-Hafen. "Wir kämpfen aber um einen deutschen Austragungsort 2015", sagt Marinepool-Geschäftsführer Robert Stark aus Bayern, dessen Unternehmen die Serie als Bekleidungsausrüster fördert und damit zurzeit als Einziger die deutsche Flagge hochhält.

Mark Lloyd Die Extreme Sailing Series 2014 endet mit dem Finale in Sydney


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