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Volvo-Wandel!

Modifizierte Regeln fürs Volvo Ocean Race bringen viel Neues

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 11.01.2007

Häppchenweise gewinnt das Format des nächsten Volvo Race an Profil. Nachdem vor einigen Wochen die technischen Regeln für die Boote veröffentlicht wurden, gibt es nun endlich auch konkretere Rahmendaten für die Crews, den Routenverlauf und die Art der Etappen. Sie beinhalten einige faustdicke Überraschungen.

Zum Beispiel in Sachen Crew-Zusammenstellung. Neuerdings soll eine Vorschrift die Altersstruktur der Mitsegler reglementieren: Künftig müssen 30 Prozent der Crew unter 30 Jahre alt sein, einzige erlaubte Ausnahme ist, wenn jeder Mitsegler über 50 Jahre zählt! Ebenfalls geändert wurden die Regeln für gemischte Crews und reine Frauen-Teams. Sind mindestens fünf Frauen an Bord, wird ein zusätzlicher zwölfter Platz an Bord erlaubt, reine Frauencrews dürfen sogar 14-köpfig sein. Ein Zugeständnis an die enormen physischen Anforderungen der Volvo 70.

Beim letzten Rennen war die einzige Frau, die Navigatorin Adrienne Cahalann an Bord von “Brazil 1”, nach der ersten Etappe von Bord gegangen, wohl auch, weil sie bei Segelwechseln oder Manövern in extremen Situationen körperlich überfordert war. Das wiegt besonders schwer, da die Boote aus Kostengründen ohnehin als latent unterbesetzt gelten.

Interessant besonders für die Fans dürfte eine weitere Änderung sein. Ab sofort muss jedes Team einen “Medien-Profi” an Bord nehmen, der nicht an den “Arbeiten der Crew” teilnehmen darf. So will man zum einen die Berichterstattung von Bord deutlich verbessern und zum anderen sicherstellen, dass alle Teams annähernd gleich viel Aufwand in Sachen Live-Videobilder, Fotos und E-Mails betreiben. Bislang waren die dafür Zuständigen Crewmitglieder, die diese Arbeiten nebenbei erledigten.

Der zweite wichtige Schwerpunkt des neuen Reglements betrifft den Streckenverlauf und das Race-Format. Klar ist, dass es nun elf statt zuvor nur neun Etappen geben wird. Dazu kommen acht Inport-Races und acht weitere so genannte “Pro-Am”-Rennen. Das sind Wettfahrten mit Promis und Gästen, die nicht in die Wertung einfließen und ein Zugeständnis an die Sponsoren sein dürften. Nur Teams, die schwerwiegende technische Gründe nachweisen können, dürfen diese PR-Termine auslassen, ansonsten droht Punktabzug.

Der mit Spannung erwartete definitive Streckenverlauf wurde aber auch diesmal wieder verschoben. Einzelheiten wurden aber schon bekannt, auch wenn der definitive Stopphafen noch zur Diskussion steht. Klar ist jetzt schon, dass der Start aus dem spanischen Alicante nun doch nach Südafrika führt. Zuletzt hatte es geheißen, es gäbe eine Art “Riesen-Etappe” direkt bis in den Mittleren Osten. Dieser wird noch immer angelaufen, der Zielort steht aber noch nicht fest. Danach führt das Race nach Indien, Südostasien und China (zwei Stopps). Von dort geht es entweder mit Stopp in Australien oder Neuseeland nach Brasilien. Die zuletzt noch geplante, aber aufwändig zu realisierende Etappe an die Westküste der USA (San Franzisco) entfällt, dafür steht wieder ein Stopp an der Ostküste an. Danach über den Nordatlantik nach Europa (drei Stopps sind im Gespräch: Holland, England oder Frankreich) und weiter nach Schweden. Der anschließende Zielhafen ist noch offen, im Gespräch sind Finnland, Russland oder überraschenderweise Deutschland. Ob letzteres eine Verbeugung vor dem deutschen Publikum für den furiosen Empfang beim vorletzten Rennen in Kiel ist oder Anzeichen dafür, dass es hinter den Kulissen eine deutsche Kampagne gibt, ist unklar.

Zuguterletzt die wohl wichtigste Frage aller Volvo-Race-Fans: Wie viele Teams bei der nächsten Auflage teilnehmen werden. Enttäuschenderweise hat sich in dieser Beziehung noch nicht viel getan. Neben Ericsson und Mean Machine hat bislang kein weiteres Team fest gemeldet, auch wenn das Management um Andy Hindley und Glenn Bourke behauptet, dass es vier weitere feste Zusagen gäbe und noch einmal vier, die fast startklar seien. Der erhoffte Boom, der eine Beteiligung jenseits der 10-Boote-Schwelle sichert, scheint damit noch in weiter Ferne. Bleibt zu hoffen, dass sich einige Teams für Zwei-Boote-Kampagnen entscheiden wie zuvor EF, ABN oder Amer Sports. So könnten die Meldezahlen letztlich doch noch in die Höhe schnellen.


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Themen: RegelnVolvo Ocean Race

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