Barcelona World Race
"Virbac-Paprec 3" erreicht Barcelona

93 Tage, 22 Stunden und 20 Minuten nach dem Start am 31. Dezember überqueren Loïck Peyron und Jean-Pierre Dick die Ziellinie – und siegen

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 04.04.2011

barcelonaworldrace.org Jean-Pierre Dick (l.) und Loïck Peyron

"Es war außergewöhnlich", kommentiert Loïck Peyron, 51, noch an Bord. "Mein drittes Rennen um die Welt. Das erste bin ich allein gesegelt, das zweite mit einem Team und das dritte nun zweihand. Und wir haben gewonnen. Wir haben das Feld angeführt, trotz einiger starker Wettbewerber. Eine fantastische Erfahrung und ein tolles Gefühl."

Für ihn und seinen Co-Skipper Jean-Pierre Dick, 48, war das Rennen heute früh um 10.20 Uhr Ortszeit nach insgesamt 25.200 Seemeilen zu Ende. In den zurückliegenden 93 Tagen segelten sie mit einem Schnitt von 11,18 Knoten. Zu ihren persönlichen Highlights des Rennens dürfte ihr am 22. Januar aufgestellter Geschwindigkeitsrekord von 506,33 Meilen in 24 Stunden gehören – ein Schnitt von 21,1 Knoten.

barcelonaworldrace.org "Virbac-Paprec 3" bei Ankunft vor Barcelona

"Ich habe das Rennen nochmal in Gedanken durchlebt", berichtete Jean-Pierre Dick bereits gestern. "Vor Madeira haben wir uns einen taktischen Fehler geleistet, wahrscheinlich den einzigen des Rennens. Dann der technische Stop in Recife, bei dem wir dachten, das Rennen wäre für uns gelaufen. Es scheint alles schon so lange her." Vor allem freut er sich darauf, seinen kleinen Sohn wiederzusehen: "Er ist jetzt sieben Monate alt, hat sein Alter während meiner Abwesenheit verdoppelt. Das wird sicher ein Schock werden. Wir freuen uns wirklich sehr, zurück nach Barcelona zu kommen. Drei Monate waren eine lange Zeit."

Es ist erstaunlich: Trotz der beiden technischen Stopps (insgesamt vier Tage) in Brasilien und Neuseeland gelang es den Franzosen, mit einem Tag Vorsprung vor dem zweiten Boot zurück in Barcelona zu sein. Während der Flaute gestern schickten die beiden ein Bild an den Rennveranstalter, der ihre Ausgeglichenheit gegenüber dem Rennen verdeutlichte, es wie einen Fahrtentörn erscheinen ließ. Jean-Pierre Dick erklärt: "Gestern segelten wir für sieben Stunden nur 0,4 bis 2 Knoten, also sind wir einfach eine Runde schwimmen gegangen. Das war eine gute Idee, denn die Kälte des Wasser macht den Kopf klar und hilft beim Entspannen. Außerdem konnten wir dadurch das Unterwasserschiff mal überprüfen." Beim Tauchgang konnten sie keine Schäden feststellen: "Der Kiel ist immer noch da, Delamination nicht festzustellen. Ich habe mein Boot gestreichelt, denn es hat eine Menge überstehen müssen", erklärt Dick. "Ich fühle mich sehr verbunden mit ihm."

barcelonaworldrace.org Der Bürgermeister von Barcelona schüttelt den Gewinnern die Hand

Die letzten Stunden schlich "Virbac-Paprec 3" gemächlich vorbei an den Balearen und zurück nach Barcelona. Vor der Ziellinie wurde sie von zahlreichen Begleitbooten feierlich empfangen. Die beiden Co-Skipper zelebrierten ihren Sieg mit einer Umarmung auf dem Vordeck, bevor das Schiff von ihren Familien und dem Team geentert wurde. Angekommen im Hafen, kommentiert Jean-Pierre Dick noch auf dem Boot: "Einige Bilder dieses Rennens werden mir in Erinnerung bleiben. Vor allem das Kap Hoorn. Ich habe es noch nie von so nahem gesehen, wir konnten es richtig erfahren. Patagonien ist magisch – das war mein größter Augenblick."

"Mapfre" liegt fast 200 Meilen zurück und wird in den frühen Morgenstunden erwartet.

barcelonaworldrace.org Loïck Peyron während einer Flaute im Mittelmeer

Boris Herrmann, Co-Skipper der "Neutrogena", rechnet mit einem Ankunftstermin am kommenden Montag, den 11. April. In der Videokonferenz berichtete er gestern von großen Problemen mit dem Autopiloten: "Sechs oder sieben Stunden habe ich mit der Reparatur verbracht, ihn komplett auseinandergebaut. Er ist sehr schwer erreichbar montiert. Aber letztlich war es eine willkommene Abwechslung – denn ein Tag vergeht sehr schnell mit solch einem Projekt." Auch der Deutsche und sein amerikanischer Co-Skipper zählen bereits die Tage bis zur Ankunft. "Heute haben wir uns unterhalten, was wir als Erstes essen werden, wenn wir an Land sind", erzählt Herrmann. "Ryans Frau Nicola wird uns mit einem Schlauchboot entgegenfahren und uns die Sachen an Bord bringen. Deshalb trimmen wir weiter wie wild, um gut voranzukommen."

Gestern erreichte den Rennveranstalter die Meldung von "Central Lechera Asturiana", dass sie nach ihrem Neustart in Wellington wegen technischen Probleme umdrehen und Kurs auf Auckland nehmen werden. Ein Schaden am strukturell wichtigen Rahmenspant mittschiffs zwingt sie dazu


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