Panerai Classic
Viel Wind, aber ohne Jammer

„Dorade”, „Bolero”, „Ticonderoga”: Klassiker-Fans läuft das Wasser im Mund zusammen. Den Seglern aber lief es den Rücken runter

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 05.09.2011

Jen Edney/YACHT In der Tiefe des Tals: feuchte Freuden auf einer S-Klasse

Die Schönen und die Alten. Aber auch einige Schöne und Fast-Alte. 56 von ihnen trafen sich dieses Wochenende zur Museum of Yachting Classic Regatta in Newport/Rhode Island, wo Segeltradition trotz überstandenem Hurrikan und latenter Rezessionsmigräne weiterhin bis auf die subatomare Ebene zelebriert wird. Es war die dritte und letzte Station der Nordamerika-Tour der Panerai Classic Challenge, die auch den Operahouse Cup in Nantucket und die Marblehead Corinthian Classic Yacht Regatta umfasst. Und es war auch eine Kür bei Knattermann, der mit 25 Knoten aus Südwest blies. Dabei stellten die Designs von John Alden, Nathanael G. und L. Francis Herreshoff, Olin Stephens, BB Crowninshield oder Ray Hunt ihre Eleganz und Seetüchtigkeit unter Beweis stellten, auch wenn der eine oder andere Kontrahent am Samstag gezwungen war, die Segel vorzeitig zu streichen. Doch weder katastrophale Kollisionen noch dramatische Riggverluste wurden gemeldet, was für das Können der Segler und den Zustand der Schiffe spricht.

Jen Edney/YACHT Schönes im Doppelpack: „Ticonderoga" (r.) und „Spartan", eine restaurierte NY 50

Vornweg die alten Zwölfer, angeführt von „Columbia”, ein S&S-Design, das 1958 den America’s Cup verteidigte, und die etwas jüngere „Valiant” (S&S, 1970), die zwar nie den Cup, doch immerhin diese Regatta gewinnen konnte. Mit dabei waren auch „Ticonderoga", die berühmte L.-Francis-Herreshoff-Ketsch mit markantem Klipperbug, und Olin Stephens' berühmte „Dorade”, mit neuem Eigner und nach neuerlicher Restauration wieder einem Heimathafen in den USA. Solche Schiffe müssen nicht mehr gewinnen, ihre bloße Anwesenheit adelt jede Regatta.

Jen Edney/YACHT Zwölfer am Felsen: „Northern Light" mit Schiebestrom knapp unter Land beim Leuchtturm von Castle Hill

Dann gab's die Spirit-of-Tradition-Klasse, bei denen modifizierte Klassiker wie z. B. „Kestrel”, eine von Herreshoff entworfene Fishers Island 31, gegen moderne Bauten im Klassiker-Stil, wie etwa die beiden Joel-White-Schiffe „Wild Horses” und „White Wings”, antreten. Star des Meetings war dieses Jahr die 1912 gebaute New York 50 „Spartan”, die nach jahrzehntelanger Leidenszeit fast der Kettensäge zum Opfer gefallen wäre, aber durch einen Rettungseinsatz des Herreshoff-Museums doch noch einen gewogenen und betuchten Eigner fand, der sie  komplett und originalgetreu restaurieren ließ.

Jen Edney/YACHT Wiederauferstanden: Die NY 30 „Amorita" feierte nach der Versenkung durch „Sumurun" ihre Rückkehr zu altem Glanz und neuem Speed

Auch auf kleinere Schiffen wurde schöner Sport geboten. Da war zum Beispiel das naturlackierte S&S-Design „Poppy”, das vor einigen Jahren komplett restauriert wurde und danach für den Entwurf des Morris-M-36-Daysailers Pate stand. Ebenfalls viel beachtet war die New York 30 „Amorita”, die vor zwei Jahren von „Sumurun” brutal versenkt worden war. Das Wrack wurde gehoben und heuer im Frühjahr nach einer bootsbauerischen Gewaltleistung wieder vom Stapel gelassen. Sie segelt wieder, sie gewinnt wieder und ist dabei schöner denn je.

Jen Edney/YACHT Hart am Wind: Die Concordia Yawl „Winnie of Bourne" mit Eigner Arvid Klein (l.), Frau Cynthia am Ruder und Bootsmann Jeffrey Gonsalves (r.)

„Winnie of Bourne”, eine Concordia Yawl (Rumpf Nr. 11, gebaut 1952 bei Abeking & Rasmussen), gehört Arvid, 79, und Cynthia Klein, 74, die sich mit nur vierköpfiger Crew in ihrer Klasse auf Rang fünf behaupten konnten. „Ich war für 20 Jahre aus dem Segeln raus”, sagte Arvid Klein, der sehbehindert ist. „Über die International Yacht Restauration School in Newport hörte ich von diesen Booten und kaufte die restaurierte ‚Winnie‘. Jetzt macht Segeln wieder Spaß. Besonders bei solchen Verhältnissen wie hier.”

Jen Edney/YACHT Erste Reihe fußfrei: Beim Castle Hill Inn gibt es Segeln live fürs Landvolk. Cocktails kosten extra. Und nicht wenig

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Panerai Classic Challenge

14 Bilder

Museum of Yachting Classic Regatta, Newport RI

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