America's Cup
Unruhe beim Cup-Verteidiger Team New Zealand

Gerüchte um Rausschmiss von Steuermann Dean Barker; schwere Geschütze gegen Mitkonkurrent OneWorld

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 30.04.2002

www.cooksonboats.co.nz NZL 60, das Siegerboot des vergangenen Cups. Wurden geheime Daten weitergegeben?

Der Kampf um die Krone im Segelsport wird schon vor Beginn der Ausscheidungen am 1. Oktober hinter den Kulissen heftig geführt. Diesmal muss der Verteidiger einiges einstecken, teilt selbst aber auch kräftig aus.

Dean Barker soll, ein Jahr vor dem Cup Finale, gefeuert werden. Der Nachfolger von Russell Coutts und Steuermann des letzten Matches des vergangenen Cup-Finales sei in den vergangenen Monaten zu schlecht gesegelt. Bei der hochkarätig besetzten Match-Race-Serie Swedish Match Tour blieb er weit unter den Erwartungen. Außerdem lasse sein Umgang mit den Medien und Sponsoren auf einen baldigen Abgang schließen, wollten die berühmten „gut unterrichteten Kreise” wissen. Außerdem sei mit Franzosen Bertrand Pace, der beim Team New Zealand unter Vertrag steht, ein gleichwertiger Ersatz greifbar. Pace, ehemaliger Match-Race-Weltmeister. hat zweimal beim America’s Cup gesteuert.

Dean Barker

Alles Gerüchte, angeblich. Team New Zealands Media- und Kommunikations-Manager Murray Taylor bezeichnete entsprechende Berichte als reine Erfindung. „Das ist ein Witz, der beste, den ich je gehört habe“, sagte er, bevor er in Lachen ausbrach. Es gäbe keinerlei Möglichkeit, Barker aus dem Team zu mobben. „Absolutely no way.”

So, wie andere offensichtlich versuchen, Unruhe ins Team des Cup-Verteidigers zu bringen, bedient sich dieser derselben Methode, um gegnerische Teams in ihrer Vorbereitung abzulenken. Beispielsweise die amerikanische Herausforderung OneWorld.

Team New Zealand hat gefordert, das Team aus Seattle, das vom Telekommunikations-Milliardär Craig McCaw und Microsoft-Mitbegründer Paul Allen gegründet wurde, nicht als Herausforderer anzuerkennen. Vor neun Monaten wurde das Team durch den ehemaligen Mitarbeiter Sean Reeves in eine Spionage-Affäre verwickelt, die in einem Zivilprozess endete. Reeves hatte sein Team beschuldigt, geheime Informationen über die 2000er Verteidigung der Neuseeländer zu besitzen. OneWorld hatte vor dem America’s-Cup-Vermittlungsausschuss erklärt, die angeblichen Verletzungen des Technologie-Transfer-Verbotes seien unerheblich und hätten keinerlei Einfluss auf die Konstruktion der neuen Boote.

Team New Zealand schwieg dazu bis zum vergangenen Freitag, als die Frist für Erklärungen von OneWorld beim Vermittlungsausschuss ablief. Jetzt haben die Neuseeländer angeblich Gegenbeweise, eidesstattliche Erklärungen und Zeugenaussagen, welche, sollten sie wahr sein, OneWorld unter erheblichen Druck setzen könnten. Das Team verfüge demnach über Zeichnungen, Daten und Spezifikationen der Rümpfe, Riggs und des Laminataufbaus der beiden 2000er Verteidigerboote. Team New Zealand behauptet, das Synikat aus seattle hätte keine ehrlichen Angaben gemacht, dass Reeves Beschuldigungen berücksichtigt werden müssten und dass ein Pardon oder eine Geringschätzung der angeblichen Verstöße von OneWorld den fundamentalen Grundsatz des America’s Cup zerstören würden, dass die teilnehmenden Boote reine Produkte des herausfordernden Landes sein müssen.


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Themen: Dean BarkerTeam New ZealandUnruhe

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