America's Cup
Team New Zealand geht in die Offensive

Die Favoriten unter den Herausforderern im 34. America's Cup nehmen die geplanten Regeländerungen ins Visier: "Die Tore werden verschoben"

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 28.05.2013

Chris Cameron/ETNZ Team New Zealand segelt vor San Francisco

Das Schweigen hat ein Ende: Erstmals seit dem tödlichen Unfall von Andrew Simpson (Artemis Racing) und der daraus resultierenden Veröffentlichung geplanter Regeländerungen für den 34. America's Cup nimmt mit Team New Zealand der Favorit unter den drei Herausforderern öffentlich und ausführlich Stellung zu den Vorschlägen des Cup-Managements. Wie erwartet, weisen die Kiwis vor allem auf die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung hin. Die Kommentare von Team New Zealands erfahrenem Regelberater Russell Green klingen sachlich und besonnen, sind aber deutlich.

Green kennt die von Regattadirektor Iain Murray präsentierten Änderungsvorschläge seit dem 22. Mai, hatte eine knappe Woche Zeit, sich mit den Ideen zu befassen und sie mit seinem Team zu erörtern. In seinem Kommentar zeigt Green auch Verständnis für die schwierige Lage, in der sich das Cup-Management befindet: "Iain Murray, der den Report präsentierte und dann mit uns das Dokument und die relevanten Punkte durchging, sah sehr müde aus. Es war klar, dass die Untersuchungskommission in den vergangenen sechs Tage auch viele Nächte durchgearbeitet hat – ein beeindruckender Job angesichts dieser Kürze der Zeit."

Doch Greens Lob folgte die Kritik: "Es ist etwas beängstigend, nach Jahren der Planung zu einer Veranstaltung zu kommen, bei der die Tore zu einem so späten Zeitpunkt der Kampagne verschoben werden. Lange Zeit, nachdem alle Design-Entscheidungen mit Blick auf die windige Bucht von San Francisco getroffen worden sind." Green bezieht sich auf den Vorschlag, das Windlimit um zehn auf 23 Knoten zu senken.

"Schon wieder eine neue Herausforderung", sagt Green, "ich kann nicht anders als mich zu fragen, wie sich wohl die All Blacks fühlen würden, wenn sie bei ihrem Antritt zum World Cup 2015 in England herausfinden würden, dass es zu Gunsten der Sicherheit der Spieler einige Last-Minute-Veränderungen der Grundregeln gegeben hätte, von deren Auswirkungen vor allem die Teams der nördlichen Hemisphäre mit ihrem langsamereren Spielstil profitieren."

Green bestätigt, dass die Vorschläge des Managements zunächst nur grundsätzlich formuliert seien. Nun ginge es daran, sie gemeinsam in detailliert formulierte Regeln für die Regatta umzuformulieren. Gleichzeitig weiß Green: "Der Prozess der Umwandlung muss nun schnell voranschreiten, damit die US Coastguard zufriedengestellt werden kann und die Erlaubnis (Red.: für die Cup-Regatta) erteilt."

Gilles Martin-Raget/ACEA Team New Zealand vor der Golden Gate Bridge

Green attestiert allen beteiligten Teams viel guten Willen auf dem Weg zur Einigung, weist aber deutlich darauf hin, dass es zu einigen entscheidenden Punkten im anstehenden Verhandlungsmarathon der kommenden Woche unterschiedliche Auffassungen geben werde. Die aus Team New Zealands Sicht umstrittensten Punkte werden die Reduzierung des Windlimits und die Aussicht auf flexible Startzeiten sein: "Die Reduzierung des oberen Windlimits ist stärker, als wir es uns gewünscht hätten, obwohl wir immer wussten, dass ein Limit von maximal 33 Knoten nicht praktikabel gewesen wäre." Mit Blick auf die flexiblen Startzeiten wünscht sich Green ein Mitspracherecht der Teams.

In einem Kommentar zu Greens Analyse der Lage heißt es auf der Homepage Team New Zealands: "Diese Boote werden mit 40 bis 80 Knoten Geschwindigkeit aufeinander zufahren und haben Wendekreise von 25 Metern und mehr. Wenn sie mit einem Tonnenleger oder dem Gegner kollidieren, dann werden Leute verletzt. Bitte gebt den sensiblen Umgang mit der Sicherheit nicht zugunsten von guten Fotomöglichkeiten von Land auf."

Ein anderer Leser schreibt: "Lasst uns nicht denken, dass die Amerikaner wieder einmal die Regeln ändern, um ihrer Art des Segelns entgegenzukommen – so, wie sie es schon bei den letzten zwei oder drei Herausforderungen im Cup gemacht haben. Lasst uns hoffen, dass der Wind und das Können der Segler den Cup gewinnen und nicht die Entschuldigungen einiger schlechter Verlierer, die mehr darüber nachdenken, wie viel Geld sie bei ihren Geschäften verlieren werden, wenn der Cup in ein anderes Land geht." Ein dritter Leser schreibt: "Es ist lustig, dass ausgerechnet jenes Team, das vor Gericht über das von Alinghi unfair aufgesetzte Protokoll für den 33. America's Cup geklagt hat, nun selbst genau das tut, wogegen es gekämpft hat. Nur schlimmer. Ich kann nur hoffen, dass ACM neutral und fair bleibt."

G.-M. Raget/americascup.com Steht vor einer schweren Entscheidung: Artemis-Dirigent Paul Cayard

Während um die Regeln gerungen wird, gibt es aus dem Hauptquartier von Artemis Racing immer noch keine verbindliche Äußerung dazu, ob das schwedische Team überhaupt im Louis Vuitton Cup antritt. Angeblich sollen sich Teile der Teamführung für den Start einsetzen, während die Segler eher dagegen sind. CEO Paul Cayard hat eine baldige Entscheidung in Aussicht gestellt.


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Themen: America's CupPaul CayardRussell GreenTeam New Zealand

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