Portimao Global Ocean Race
Stürmische Weihnachen im Südmeer

Die Class-40-Racer blicken vergleichsweise ruhigen Tagen entgegen. Zahlt sich für "Beluga Racer" der nördliche Kurs aus?

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 25.12.2008

Beluga Offshore Racing Keine Weltumsegelung ohne Besuch vom Weihnachtsmann: Boris Herrmann, bei der Aufholjagd wieder zum Scherzen aufgelegt

Zwei schwere Sturmtiefs haben die Crews bei der ersten Weltregatta der Class 40 hinter sich. Vor allem für das englische Team Mowgli im Süden eine brutale Prüfung. Jetzt wird es ruhiger. Und Boris Herrmann und Felix Oehme greifen wieder an.

Die Kommunikation ist spärlich, wie so oft, wenn die Bedingungen alles fordern. Erst verausgaben sich die Segler im Kampf mit Wind und See, mit technischen Problemen, Angst und Sorgen. Dann, wenn die Front durch ist, holen sie Schlaf nach, klaren das Boot auf, reparieren.

Wenig ist bisher nach außen gedrungen von der zweiten Front, die in Sturmstärke über die Crews hinwegzog. Sie war noch heftiger als die erste Anfang der Woche.

Vor allem das britische Team erwischte im Süden der Flotte die volle Wucht des Sturms mit fast 80 Knoten Wind (!). "Wir wussten, dass wir in einen schweren Sturm fahren. Aber niemand sagte uns, dass der Wind Hurrikan-Stärke erreichen würde", sagte Co-Skipper Jeremy Salvesen.

Zusammen mit David Thomson, dem wohl erfahrensten Hochseesegler des Rennens, der schon auf dem Mega-Kat "Playstation" Rekorde aufstellte und sich auch in der Open-60-Szene als Bootsmann bewährt hat, wählte Salvesen von Beginn an eine agressive Taktik. Statt dem Sturmtief auszuweichen, steuerten die beiden weiter südlich als alle anderen — dorthin, wo der Druck am stärksten war und auch am längsten anhalten sollte. Risikoreich, zumal mit einer kleinen und vergleichsweise fragilen Class-40-Yacht.

Die Briten segelten zunächst unter dreifach gerefftem Groß und Stagfock. Doch selbst das war viel zu viel. Sie bargen die Fock, steckten das vierte Reff ins Groß, und erreichten so immer noch mehr als 22 Knoten Geschwindigkeit. Die Wellen hatten Haushöhe erreicht, gefährlicher aber waren die schräg laufenden Kreuzseen, die sich infolge der unterschiedlichen Richtungen von Wind und Strom bilden. Mehrfach schlug das Boot, wie die "Beluga Racer" eine Akilaria 40, quer und wurde unter Wassermassen begraben.

Ein Brecher riss den Heckkorb, die fest montierten Satellitenfunk-Antennen und andere Ausrüstung mit sich. Dadurch entstanden vier Löcher im Deck, über die das Boot Wasser machte. Die Briten bekamen es mit der Angst und riefen Josh Hall, den Regattaleiter, über ihr Iridium-Handy. Der ehemalige Hochsee-Profi empfahl, das Groß ganz zu bergen und nur noch unter Sturmfock abzulaufen. Das stabilisierte den Kurs - und die ganze Situation. Inzwischen scheint das Team wieder alles unter Kontrolle zu haben und kann ans Aufräumen und Reparieren gehen.

Ruhiger verlief es offenbar für Boris Herrmann und Felix Oehme, die ihre Schrecksekunde schon Anfang der Woche im ersten Sturm hatten und defensiver segelten. Weiter im Norden als "Mowgli" erreichte das Tief nicht ganz die Stärke. Dennoch bargen die Deutschen zwei Mal das Groß komplett. Fünf Latten brachen.

"Die Bilanz der letzten Tage ist nicht perfekt", schrieb Boris. Doch sie greifen wieder an. Ihren Rückstand von zeitweise über 100 Seemeilen verkürzten sie über Heiligabend auf nur noch die Hälfte und waren bei der letzten Positionsabfrage schnellstes Boot im Feld.

"Dieser Fleck ist kalt", so Boris in seiner Weihnachtsmail. "Ich bereue nicht, dass wir eine Heizung eingebaut haben. In der Kajüte kommen wir in einer Viertelstude von 9 auf 19 Grad." Vielleicht entwickelt sich das in den kommenden Wochen zum entscheidenden Erfolgsfaktor für die Gesamtführenden des Rennens. Noch sind es gut 5000 Seemeilen bis zum Etappenziel in Wellington.


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