Neue Stiftung Turning Point: Inklusion durch Segelsport
Die Chance auf einen Wendepunkt im Leben

Die Initiative Turning Point ist neu und vielversprechend: Gefördert werden Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen sowie sozial Benachteiligte

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 09.02.2022
Gelebte und geliebte Inklusion während der Kieler Woche: Segler mit und ohne Handicap auf einem Boot Gelebte und geliebte Inklusion während der Kieler Woche: Segler mit und ohne Handicap auf einem Boot Gelebte und geliebte Inklusion während der Kieler Woche: Segler mit und ohne Handicap auf einem Boot

Sven Jürgensen Gelebte und geliebte Inklusion während der Kieler Woche: Segler mit und ohne Handicap auf einem Boot

Es ist längst bekannt und erprobt, dass der Segelsport zu den inklusivsten Sportarten weltweit zählt. Darauf setzt die neue und international einmalige Stiftung Turning Point. Ins Leben gerufen hat sie der Heidelberger Gründer Heinz-Peter Schmidt, der sich mit einem schlagkräftigen Team um Paralympics-Sieger Jens Kroker einen der renommiertesten Leistungssportler als Geschäftsführer und weitere Experten ins Boot geholt hat. Die neue Initiative will mithilfe des Segelsports die Inklusion von Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen sowie sozial Benachteiligten nachhaltig und langfristig fördern. Ziel von Turning Point ist es, diesen Personen durch das Segelerlebnis lebensverändernde Erfahrungen zu ermöglichen und sie besser in die Gesellschaft zu integrieren.

Nikos Alevromytis/www.alen.gr Auch für Deutschlands Paralympics-Sonar-Crew brachte der Segelsport viele positive Wendepunkte. Hier freuen sich Steuermann Jens Kroker, Siegmund Mainka und Robert Prem (v. r.). Gemeinsam mit Heiko Kröger, Paralympics-Sieger von 2000, multipler Weltmeister und Dauerbrenner im 2.4mR-Leistungssport, bildete das Trio über lange Zeit die international erfolgreichste paralympische Segelmannschaft

"Alle – auch benachteiligte Gruppen – mit ins Boot holen!"

Der Segelsport ist ein Multitalent, wenn es um Inklusion und darum geht, alle in ein Boot zu holen. Segeln baut Barrieren ab, fördert die Teambildung, gibt Menschen mit Einschränkungen die Chance auf neue Erlebnisse sowie Wendepunkte im Leben. Vor diesem Hintergrund entstand die neue Segel-Plattform für Inklusion. „Alle – auch benachteiligte Gruppen – mit ins Boot holen“ lautet die Devise der Stiftung, die ab 2022 die Segel für mehr Inklusion setzt. Motiviert für die Initiative mit viel Strahlkraft haben Heinz-Peter Schmidt bereits zuvor geförderte Jugend-Segelprojekte, bei denen er die Entwicklung der jungen Segler und Seglerinnen erlebt hat. Heinz-Peter Schmidt sagt: „Während meiner bisherigen Segelprojekte konnte ich beobachten, wie Jugendliche durch das Segeln mehr Selbstvertrauen gewonnen und sich dadurch auch im Privatleben sehr positiv entwickelt haben."

Turning Point Der Stiftungsgründer und Motor der neuen inklusiven Segelinitiative: Heinz-Peter Schmidt

Die Stiftung und ihre Ziele basieren auf einer so einfachen wie klaren Formel, die im Turning-Point-Statement so auf den Punkt gebracht wird: "Auf einem Boot sind alle gleich und ein Team – ob mit oder ohne persönliches Handicap. Benachteiligungen bleiben an Land. Die Beschäftigung mit der Natur, Technik und Teambildung beim Segeln wird als ideal für das Erleben von Wendepunkten eingeschätzt. Genau das will die Stiftung mit ihrer Förderarbeit erreichen." In der Realität bedeutet es, dass benachteiligte Menschen gemeinsam mit Menschen ohne Einschränkung segeln. Die schon für dieses Jahr geplanten ersten Stiftungsaktivitäten sollen in bestehende Segelclubs integriert werden und auch bei gemeinsamen Trainings und Regatten zu mehr Inklusion führen. Gezielt wird Unterstützung und Starthilfe bei der Ausübung des Wassersports gegeben, beispielsweise durch barrierefreie Boote, ausgebildete Trainer und Betreuer, spezielle Segelkurse und den Ausbau der bereits vorhandenen Segelinfrastruktur für inklusive Projekte.

Anja Düwel Alstervergnügen der segelnden Art: inklusives Segeln auf der RS

Die Zielgruppe sind Menschen jeden Alters – insbesondere Jugendliche – mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen und gesellschaftlich oder sozial Benachteiligte. Die Stiftung möchte ihnen den Segelsport näherbringen sowie nachhaltig inklusive Clubs und Angebote schaffen und dauerhaft etablieren. Bislang haben Faktoren wie kostspieliges Material, geringe Bekanntheit des Segelsports, fehlende inklusive Rahmenbedingungen oder wenige inklusive Segelangebote in Vereinen nur wenige inklusive Angebote möglich gemacht. Das soll sich nun ändern. Auch fehlte es oft an qualifizierten Trainern und Betreuern sowie öffentlicher Förderung von inklusiven Segelprojekten. Genau an diesen Punkten will die Stiftung ansetzen. Trainer und Betreuer sollen gezielt geschult und möglichst viele „Wendepunkt“-Segelkurse angeboten werden.

Sven Jürgensen Schöne Impression von der Inklusions-Segel-WM 2021 auf der Hamburger Außenalster

Die Wendepunkt-Segelkurse beginnen schon in diesem Jahr

Drei Kurse sind bereits in diesem Jahr geplant: Die Auftaktveranstaltung findet vom 20. bis 22. Mai 2022 in Prien am Chiemsee statt. Es folgen Events in Berlin (6. bis 8. Juli) und in Flensburg (12. bis 14. August). Darüber hinaus soll das Segeln für Menschen mit Benachteiligungen durch Kampagnen bei Messen und Veranstaltungen sowie Leuchtturmprojekte bei den Betroffenen, aber auch in der Gesellschaft mehr in den Fokus gerückt werden. Die Turning Point Stiftung wird von einem sehr erfahrenen und kompetenten Team aufgebaut: Jens Kroker, mit drei Paralympics-Medaillen einer der erfolgreichsten paralympischen Segler weltweit, hat die Geschäftsführung übernommen. Parallel zu seiner mit drei WM-Titeln erfolgreichen Sportlerlaufbahn hat Jens Kroker trotz fehlender linker Hand Karriere in einem deutschen Großkonzern gemacht und ist damit selbst ein gutes Beispiel für erfolgreich gelebte Inklusion und dafür, wie der Segelsport einen Wendepunkt bewirken kann.

Richard Langdon/Ocean Images/World Sailing Jens Krokers letzte Paralympics-Crew von 2016 (v.r.): Lasse Klötzing, Steuermann Kroker und Siegmund Mainka starteten für Team Germany. Kroker gewann zuvor 2008 Paralympics-Gold und zweimal Silber (2000, 2012)

Auch Krokers Trainer Bernd Zirkelbach und Christian Bittner sind bei Turning Point mit an Bord. Zirkelbach hat nicht nur Deutschland zur erfolgreichsten paralympischen Segelnation gemacht, sondern bringt auch jahrzehntelange Erfahrung beim Aufbau von Segelakademien und der Qualifizierung von Trainern und Betreuern mit. Bittner war seit 2005 persönlicher Trainer von Kroker. Zum Team zählen außerdem Jörg Aleith, Anja Düvel und Sabine Kroker-Hohmann, die sich seit Jahren aktiv und sehr erfolgreich beim Aufbau des inklusiven Segelns in Deutschland engagieren. Komplettiert wird das Team von Rebecca Ramirez, die vielfältige Erfahrungen im gemeinnützigen Bereich mitbringt. Kroker sagt: "Mit Turning Point entsteht eine weltweit einmalige Initiative. Damit kann die Inklusion von benachteiligten Menschen in der Gesellschaft entschieden vorangetrieben werden. Es ist mir eine Ehre, dass ich meine seglerischen und unternehmerischen Erfahrungen einbringen darf.“ Wer mehr wissen will oder sich für die Teilnahme an einem der "Wendepunkt"-Kurse interessiert, der kann über die Homepage der Stiftung Turning Point Kontakt aufnehmen (bitte anklicken!)


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Themen: Inklusion

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