Minitransat
Start Dienstag früh: "Genug ist genug"

Update 11.00 Uhr: Für die Flotte der Einhand-Mini-Segler geht es morgen los. Henrik Masekowitz kann es nach 14 Tagen Sturm kaum erwarten

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 28.10.2013

Sea&Co/J. Vapillon Minis bei der Vorbereitungsregatta Pornichet Select

Die Veranstalter der Transatlantikregatta Minitransat haben den Start für Dienstag, 9:00 Uhr festgelegt. Es geht direkt von Douarnenez nach Lanzarote. Nach nun 14 Tagen Startverschiebung, einer wohl einmaligen Wartezeit für eine Hochseeregatta, geht es endlich los. Das Sturmtief zieht gerade über die bretonische Küste und den Starthafen Douarnenez, ist aber am Nachmittag durch.

Unterwegs nach Lanzarote wird es jedoch sehr wahrscheinlich ungemütlich, denn es zieht bereits ein neues Tiefdruckgebiet heran, das genau im Kurs liegen wird.

Den Teilnehmern ist das aber mittlerweile fast egal, Hauptsache weg. Das gilt auch für Henrik Masekowitz. Der 47-Jährige wird zum zweiten Mal mitsegeln. Für YACHT online schildert er, was ihn in den letzten Stunden vor dem Start bewegt:

Sea&Co/J. Vapillon Henrik Masekowitz

Ja, leider ist Segeln vom Wetter abhängig. Hier bläst heute Abend der alte Hurrikan vorbei und bringt Orkanstärken an die bretonische Küste. Es ist irgendwie eine Ironie, dass der Wind, genauer das Tiefdrucksystem, welches uns hier festhält, dorther kommt, wo wir eigentlich hin wollen.

Die Vorbereitungen sind nun seit 14 Tagen abgeschlossen. Klar ist es gut, ohne die Hektik und den Druck ein paar Tage länger für Boot und die eigene Psyche zu haben, aber genug ist genug.


Die Spannung verlässt mich nun schon etwas und ich fange an zu hinterfragen, warum und wieso ich mir das antue. Warum sitze ich nicht wie ein anständiger Familienvater zu Hause und gucke vom Sofa lieber Formel 1?

Minitransat, noch dazu in einem total verbauten Prototyp aus dünnem Carbon und Canting Keel, ist schon echt anders als 2007 (www.mini650.de) in meiner schön geräumigen "Beijamar" (ein Serienmini Tiptop von Sam Manuard). Kein Platz zu entspannen, dank Wasserbalast und der Kielmechanik ewige Kletterei in einer  2 x 2 x 1 Meter Schachtel.

Zu wissen, dass meine beiden Kleinen Paul und Jana mich zuhause sehr vermissen, macht es mir auch nicht einfacher. Ich hatte mir aber schon 2008 vorgenommen, die Regatta ein zweites Mal zu bestreiten, und darauf habe ich jetzt länger als gedacht gewartet. Das werden die Beiden hoffentlich irgendwann verstehen.

Ich bin nun mal Segler durch und durch - und auch ein Stück Abenteurer und deshalb zieht es mich hin und wieder raus.

Doch so lange es noch nicht raus geht, verbringe ich meine Zeit mit Lesen, viel Ruhe und etwas basteln am Boot. Immerhin hatte ich durch die Verschiebung des Starts noch Zeit, meine kleine Mini-Musikanlage bestehend aus MP3-Player und KFZ-Booster zu installieren. Das ganze braucht zwar 1,5 Ampere, ist es mir aber wert, wenn es mal wieder einsam wird an Bord der "Merlin-Soft Sailing".

Manch anderer ist dieser Tage ständig am Bauen und Basteln. Da wird die Solarstromversorgung noch einmal überarbeitet oder hier und da geschliffen und geflext. Frage mich, was wäre, wenn wir vor 14 Tagen gestartet wären? Aber so ist das nun mal, ein Mini ist niemals fertig.

Da halte ich es lieber wie einer meiner Mitstreiter: "Du kannst auch anfangen, die Winchen von innen zu polieren..." und lasse Boot mal Boot sein.


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Themen: Henrik MasekowitzMasekowitzMinitransat

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