Rekordversuch
"Spindrift 2" auf Stand-by für Rekord

Der 141-Fuß-Tri ist in den USA angekommen und wartet nun auf ein Wetterfenster für den Transatlantik-Sprint und den 24-Stunden-Rekord

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 06.06.2014

Lloyd Images/Mark Llyod Preparationen für den Soloversuch von Yann Guichard

Die Latte für den Rekord liegt hoch: Nur 3 Tage, 15 Stunden und 25 Minuten brauchte 2009 Pascal Bidegorry mit einem Durchschnittsspeed von 32,9 Knoten. Was die Sache nicht einfacher macht für "Spindrift 2"-Eignerin Donna Bertarelli und Skipper Yann Guichard, ist die Tatsache, dass Bidegorry damals mit demselben Boot ("Banque Populaire 5") unterwegs war.

Um so radikaler hat das Team das VPLP-Design modifiziert: Gleich über eine Tonne wurde das Boot abgespeckt, um die nötigen Zehntelknoten herauszukitzeln, die für einen neuen Rekord gebraucht werden: Der längere, schwerere, weil kippbare Mast wurde getauscht gegen ein kürzeres, leichteres Rigg. Das lange zentrale Schwert wich einem kürzeren. Klingt auf den ersten Blick nicht unbedingt nach Tuning, doch Skipper Yann Guichard erklärte bei einem Termin mit der YACHT (mehr in einer der nächsten Ausgaben) auf dem Monster-Tri, warum das alles Sinn ergibt: "Bei einem Atlantik-Rekordversuch segelt man praktisch die ganze Zeit mit raumem oder halbem Wind, dazu noch auf einem Bug. Dementsprechend radikal bereiten wir das Boot vor: Das Rigg wird mit fünf Grad Lage nach Luv festgekippt gefahren, ohne die Möglichkeit, es nach einer Halse in die andere Richtung zu kippen. Das Luvschwert werden wir wohl sogar zu Hause lassen", so der Franzose im Interview. Zusätzlich wird die Maschine ausgebaut. "Die Testfahrten haben bestätigt, dass uns das ab etwa 4 bis 5 Beaufort einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil bringt", so Guichard. Der Franzose war bereits bei zwei erfolgreichen Rekordfahrten dabei, 2006 auf Bruno Peyrons "Orange 2" und 2007 auf Frank Cammas " Groupama 3".

Den braucht das Team auch, denn das Wetterfenster, das Pascal Bidegorry 2009 beim Rekord nutzte, gilt unter Wetter-Routern und Meteorologen als legendär gut. Dementsprechend viel Wartezeit hat Donna Bertarelli, die den Rekord an Bord mitfährt, eingeplant. "Der Transtlantik-Rekord hat ein so hohes Level erreicht, dass wir die Grenzen des technisch und sportlichen Machbaren erreichen. Wir haben ein Zeitfenster von mindestens sechs Wochen, dann muss das Boot allmählich in Europa ankommen, da Yann die Route du Rhum mitfahren will." Die Crew fliegt vor dem Rekordversuch zurück nach Europa, um möglichst erholt und entspannt auf die anstrengende Sprintstrecke zu gehen. Zurzeit stört aber noch relativ viel Eis auf der Route von New York bis Lizard Lighthouse an der Südwestspitze Englands, denn der Monster-Tri fährt eine sehr weit nördlich verlaufende Route. In den nächsten zehn Tagen ist kein gutes Wetterfenster in Sicht, so das Team.

Während des Transat-Rekords hofft die Schweizerin auch den 24-Stunden-Rekord angehen zu können. Er liegt bei 908,2 Seemeilen und wurde ebenfalls während des damaligen Rekords von Pascal Bidegorry aufgestellt. Wer in diesem Sommer also nicht immer nur WM-Fußball schauen will, sollte ein Auge auf die Team-Seite von "Spindrift" haben ....


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Themen: Donna BertarelliRekordversuchSpindriftTransatlantikYann Guichard

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