Silverrudder
Sonniges Silverrudder mit Flautenstart für Fortgeschrittene

312 Boote sind am Freitag in die neunte Auflage der weltgrößten Regatta für Solo-Seesegler gestartet. Viele hatten mit zwei Knoten Strom in null Wind zu kämpfen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 18.09.2020
Silverrudder 2020 Silverrudder 2020 Silverrudder 2020

Mikkel Groth Silverrudder 2020

Die Laune der Teilnehmer war bereits in den Tagen vor dem Start zur neunten Edition des Silverrudders im Hafen bestens. Dazu hat die intensive Vorarbeit des hingebungsvollen Organisationsteams in Svendborg um Regattaboss Ole Ingemann Nielsen und Philip Cossen, die warme Septembersonne und das seltene und daher so besonders geschätzte Miteinander in dieser von der Corona-Pandemie überschatteten Saison beigetragen. Lächelnde, vorfreudige und erwartungsvolle Gesichter, wohin man schaute.

Mikkel Groth Das wunderschöne Panorama-Bild vom Hafen in Svendborg, angefüllt mit Silverrudder-Booten, hat der dänische Fotograf Mikkel Groth gemacht

Nicht ganz so hingerissen war dann manch ein Starter vom überaus anspruchsvollen Flautenstart am Freitag. Für Teilnehmer der Silverrudder-Auflage von 2017 gab es ein Déjà-vu, Premierenstarter erlebten diese besondere Herausforderung neu: Den ersten Startgruppen Mini, Small und Medium blieb der Wind zum Start komplett versagt. Das führte dazu, dass manch einer zum unfreiwilligen Frühstarter wurde, weil sich das Boot im Strom kaum steuern, vor allem aber nicht halten ließ. Ganz große Pechvögel konnten überhaupt nicht korrekt starten, weil sie auf der falschen Seite an der Starttonne vorbeitrieben, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Und „Yella 3“-Skipper Heiko Zimmermann erwischte es mit seiner Beneteau First 36.7 richtig gemein. Er berichtete später: „Das Abenteuer Silverrudder ist für mich vorzeitig beendet. Aufgelaufen vor der Großen-Belt-Brücke, konnte ich mich nicht mehr selbstständig befreien. So kamen nette Retter und haben mich runtergezogen. Vielen Dank an die dänische Seerettung. Nun zurück nach Svendborg. Und jetzt ist so schönes Wetter und doch guter Wind. Falls sich jemand fragt, wie das passieren konnte: An der Stelle, auf der ich saß, stehen in der Karte 2,8 Meter. Knapp, aber das reicht üblicherweise.“

Mikkel Groth Flotte Fahrt voraus geht anders…

Mikkel Groth Die ersten Slowmotion-Starts erinnerten viele Segler an die Flauten-Auflage von 2017 – so sah das aus der Vogelperspektive aus

Den erfahrensten Skippern gelang es im qualvollen Flautentreiben der kleineren Divisionen, etwa 50 bis 100 Meter vor der Startlinie den Anker zu werfen, binnen der letzten Minute wieder einzuholen und auf diese Weise sauber über die Linie zu gehen. Es gab an diesem Tag sehr viel über Flautenstarts im Strom zu lernen – das galt für die Segler wie für die zahlreichen Zuschauer an Land und auf den Stegen, die mit Live-Kommentaren über die Ereignisse auf dem Wasser informiert wurden. Einmal erhoben sich die Fans sogar und spendeten spontan und lautstark Beifall. Und den konnte der bejubelte dänische Steuermann Martin Meredin auch hören. Ihm war nach teilweise mitleiderregenden Szenen in den Starts zuvor in seiner Division der XL-Kielboote in inzwischen immerhin ein paar Knötchen „Funnel“-Brise der perfekte Null-Start gelungen. Die Landmark 43 namens „Esbern Snare“ mit der Segelnummer DEN 36789 zog direkt davon und hielt ihre Spitzenposition bei den größten Einrumpfern auch am Abend noch.

Mikkel Groth Sonne gab es satt, Wind dagegen war zum Auftakt Mangelware

Mini-Transat 2019 /Breschi "Humboldt"-Skipper Morten Bogacki

Während für die Mehrheit der Teilnehmer das Abenteuer und die Herausforderung der Einhand-Rundung Fünens bei diesem Rennen mit seiner magischen Anziehungskraft im Mittelpunkt steht, gibt es auch jene, die von Beginn an ein Topergebnis anstreben. Dazu wurden mit viel Spannung die Vergleiche innerhalb größerer Klassengruppen wie etwa der sieben Dehler 30 od und der traditionell stark vertretenen Seascapes erwartet. Bei den neuen Dehler 30 od kam es gleich zum Auftakt zum erwarteten Spitzenduell zwischen Oliver Schmidt-Rybandt und Morten Bogacki. Hinter Franz Schollmeyers traditionell in Division Small erfolgreicher Esse 850 „Firlefanz“ lieferten sich der „PowerPlay“- und der „Humboldt“-Skipper zum Auftakt einen packenden Zweikampf. Beide hatten sich gegenseitig im Vorwege zum Favoriten auf den Sieg in der internen Klassenwertung erklärt. Bogacki hat aber trotz viel Seesegelerfahrung im Einhand-Modus auf der gerade erst während der Kieler Woche von DSV-Präsidentin Mona Küppers für das Offshore Team Germany getauften "Humboldt" bislang nur wenige Segeltage absolvieren können und arbeitet noch an den optimalen Einstellungen.

Mikkel Groth Oliver Schmidt-Rybandt sorgt beim Tauchgang vor dem Start für ein optimales Unterwasserschiff seiner Dehler 30 OD "PowerPlay"

In der Division Medium führte der favorisierte Schwede Per Svanberg die Flotte in die erste Nacht an. In der Gruppe der großen Kielboote (Large) hatte zunächst Kim Basland mit der Olsen 370 „La Femme“ die Bugspitze vorne. Die Platzierungen wechselten an diesem ersten Tag noch häufig. In unterschiedlich flauen bis leichten Winden segelt das Feld in diesem Jahr gegen den Uhrzeigersinn rund Fünen – die Insel bleibt an Backbord. Das Zeitlimit wurde für Sonntag um zwölf Uhr festgelegt und könnte langsameren Booten durchaus einen Strich durch die schöne Silverrudder-Rechnung machen.

Hier  geht es zum Tracker.


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Themen: FünenPhilip CossenSilverrudderSvendborg

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