Regatta-News
Sir Robin: "Der Titel 'Dame' wäre sicherlich passend"

Eine quirlige Ellen MacArthur begrüßt Fans - und nimmt auf der Bühne Gratulationen von höchsten Stellen entgegen

  • Matthias Beilken
 • Publiziert am 08.02.2005

Dafür, dass sie 71 Tage allein auf Wache war, macht sie keinen besonders zerschredderten Eindruck. "Jetzt kann ich alle Verantwortung abschütteln. Begriffen habe ich das noch nicht wirklich."

Wie aufgezogen huschte die 28-jährige Skipperin über die Bühne und dankte immer wieder allen, die ihr geholfen haben. Zu den Gratulanten zählte Sir Robin Knox-Johnston, der erste Nonstop-Weltumsegler überhaupt. Er ist ein großes Vorbild für MacArthur und vor Jahren von der Queen "für sein Lebenswerk" in den Adelsstand gehoben worden.

Ellen ebenfalls in den Adelsstand zu erheben hielt er für eine gute Idee. Und sprach damit Großes an. Im Buckingham Palace hat sie die Auszeichnung MBE (Member of British Empire) ja bereits vor zwei Jahren erhalten. Sie zum weiblichen Ritter, zur "Dame" zu erheben, kann freilich nur die Königin selbst. Ein Sprecher der Königin aber hat bereits angekündigt, dass MacArthur diese Ehrung zuteil werden wird.

Zweisprachig, auf Englisch und Französisch, dankte und jubelte Ellen immer wieder, mal fast zu Tränen gerührt, dann wieder heiter. Obwohl es eigentlich nicht offiziell in Erscheinung treten wollte, zerrte sie ihr Team quasi auf die Bühne, verlas deren Namen und dankte jedem persönlich.

"Die Überführung des Tris über den Kanal war etwas ganz Besonders", verriet Ellens Teamkollege Nick Moloney. Der Skipper des Open 60 "Skandia" , der vor wenigen Wochen unweit von Brasilien den Kiel verlor, gehörte zu den wenigen vertrauten Seglern, die "B&Q" sofort nach der Überquerung der Ziellinie entern durften und MacArthur ihr Gefährt quasi aus der Hand nahmen. "Wir mussten ihr ständig sagen: 'Nun schlaf doch mal.' Aber sie war ganz aufgeregt. Jedem, der an ihrer Koje vorbeikam, wollte sie gleich mehrere Geschichten auf einmal erzählen."

Die beiden kennen sich wirklich gut. Während Nick die Vendée Globe Challenge segelte und mit Ellens ehemaliger "Kingfisher" Kap Hoorn ansteuerte, hatten die beiden Extremsegler häufig Funkkontakt. Grund: Sie segelten im selben Seegebiet - zumindest fast, die Route von "B&Q" verlief südlicher. "Sie rief öfter an und fragte: 'Hast du die Vorhersage gesehen? Die reden da von 80 Knoten Wind", verriet Moloney.

Auch weitere Einhandstars erschienen auf der Bühne. So Emma Richards, die im vergangenen Around Alone die Erde mit einem Open 60 umsegelte und jetzt als Skipperin ein Volvo-Ocean-Race-Projekt anstrebt. Danach gefragt, ob sie auf ihren Reisen je einen derart euphorischen Empfang erlebt habe, antwortete die blonde Engländerin klar: "Nein, dies ist sehr speziell. Die Atmosphäre hier vor Ort ist etwas ganz anderes."

Durch ihr Wesen kann offensichtlich nur MacArthur große Mengen Nichtsegler begeistern. Auf ihrer Website spricht ihr Team denn auch unverhohlen von "Fans". Üblicherweise steht anstelle dieses Begriffs "supporter". Der "Ellen-Faktor", wie er einmal genannt wurde, scheint hier voll zu greifen.

Mit dem gestrigen Tag ging auch die neue Tochter der Offshore Challenges Group, der Internet-Fernsehsender OCtv (online) auf Sendung. Die Begrüßung, die Feier und Interviews wurden seit dem Vormittag live übertragen. Auch in vielen aktuellen Nachrichtensendungen war die Ankunft von "B&Q" immer wieder zu sehen. Noch nie ist das erfolgreiche Ende einer großen Fahrt international derart gefeiert worden.

Als der riesige Trimaran "B&Q" in den Museumshafen von Falmouth einlief, waren Ellens Eltern bereits an Bord. Die beiden in Derbyshire auf dem Land lebenden Menschen werden von Ellen sehr verehrt und regelmäßig zu Starts und Ankünften großer Reisen eingeflogen. Ob im Hubschrauber, auf einem Schiff der Royal Navy oder an Bord - die Eltern sitzen immer in der ersten Reihe.

Nicht vor Ort war der bisherige Rekordhalter Francis Joyon. Der Bretone hat jedoch eine Glückwunschmail geschickt: "Ich gratuliere. Ellen hat da eine ganz große Leistung hingelegt. Ich hatte gedacht, dass mein Rekord länger Bestand haben würde. An jemanden wie Ellen gebe ich die Krone jedoch gern weiter. Sie hat wirklich großartig gesegelt. Bravo!"


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Themen: B&QEinhandEllenFeierMacArthurRekord

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